Textsorte: Erörterung

Was ist eine Erörterung?
Bei einer Erörterung geht es darum, sich mit einer bestimmten Frage auseinander zu setzten und diese zu beantworten. Diese Textsorte hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Kommentar und dem Essay, denn auch bei der Erörterung geht es darum, zu einem bestimmten Thema Stellung zu nehmen.
Dabei werden drei Formen unterschieden: die freie Erörterung, die textgebundene Erörterung und die literarische Erörterung. Bei der ersten Variante widmet man sich entweder einer Entscheidungsfrage (dialektisch, abwägend) oder einer W-Frage (offen, linear-entwickelnd). Für die Beantwortung dieser Fragen in einer freien Erörterung, ist man nicht an einen Text gebunden bei den anderen beiden Varianten hingegen schon. Bei der textgebundenen Erörterung werden Probleme und Fragestellungen zu einem vorgegebenen Sachtext bearbeitet und bei der literarischen Erörterung geschieht dasselbe mit einem literarischen Text.

Wie schreibe ich eine Erörterung?
Beim Verfassen einer Erörterung sollte man folgende Punkte beachten:
  • Vor dem Schreiben mit Mindmap oder Clustering Ideen sammeln
  • Einen Entwurf anfertigen, bei dem die Argumente gegliedert werden
  • Bei allen Varianten die Grundstruktur Einleitung - Hauptteil - Schluss verwenden
  • In der Einleitung in einfachen und klaren Worten darlegen, was das Problem ist und weshalb es wichtig und aktuell ist
  • Argumente im Hauptteil strategisch geschickt anordnen
  • Argumente immer mit Beispielen untermalen
  • Wird im Präsens geschrieben
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Beispiel einer Erörterung:

Internet ersetzt den Lehrer nicht
Im Zeitalter der „Globalisierung“ fordert man immer häufiger, die Schule solle davon wegkommen, „Bildung“ zu vermitteln. Man zweifelt daran, ob unsere Schulen das Richtige tun, um die jungen Menschen für ein immer komplizierteres Leben vorzubereiten. Man fordert stattdessen, dass die Schulen die jungen Menschen den Umgang mit den neuen Informationstechnologien vermitteln sollen. Das, so sagt man, bereite sie viel besser auf das „richtige“ Leben und die Anforderungen der Wirtschaft vor und sei erst noch viel billiger.

Es scheint mir indessen, dass man den Vorwurf an die Schulen, sie lehrten unnötiges Wissen, voreilig und kurzsichtig macht.
Es ist ja noch gar nichts gewonnen, wenn die jungen Menschen gelernt haben, mit den neuen Medien zu arbeiten. Ich kann ihn schon nicht mehr hören, den lauten Ruf nach Internet-Unterricht an der Schule. Das klingt so, als sollten die Schüler vom ersten Schultag an online unterrichtet werden. Doch wozu? Die Jungen lernen das Surfen wie das Skaten, ohne dass man es ihnen beibringt. Das Internet entdecken sie von selbst, wenn man sie spielen und chatten lässt. In der Freizeit, nicht in der Schule.
Das Internet allein vermittelt aber noch keine Bildung. Nüchtern betrachtet ist es nichts anderes als ein überdimensioniertes, schlecht sortiertes Warenlager, in dem mehr Überflüssiges aufbewahrt wird als Brauchbares. Zu lernen ist also nicht die Fähigkeit zu surfen, sondern zu sortieren. Denn die Forderung nach Internet-Schulung ist so, als ob man Kleinkinder in die Uni-Bibliothek einsperren würde mit der Begründung, Bildung sei das wertvollste Gut, das wir unsern Kindern geben können.
Um etwas zu lernen, um mit den In-formationen aus dem Internet überhaupt etwas anfangen zu können, muss man doch zuerst wissen, was es zu lernen gibt. Denn man findet nur, was man zu suchen weiss. Dazu braucht man eine Anleitung, einen Lehrer, der einem zeigt, was es zu wissen gibt und wozu. Von nichts kommt nichts. Wer soll denn Neugierde entwickeln, wenn er von nichts keine Ahnung hat. Surfen und chatten allein reicht nicht: Das führt höchstens dazu, dass man sich mit den Dingen beschäftigt, die man schon weiss und die einem sowieso schon gefallen. Weiter bringt einem das nicht. Einen „Fortschritt“ gibt es nur dann, wenn man etwas Neues lernt. Doch dazu braucht es eine Anregung, eine Aufgabe, eine Anstrengung.
Die Internet-Daten für sich nützen einem genauso wenig wie alle Bücher dieser Welt, wenn man nicht weiss, wozu man sie einsehen, welche Informationen man suchen, wie sie einordnen und werten kann. Bis es soweit ist, müssen die jungen Leute zuerst einmal lernen, ihre Gedanken zu formulieren, zu ordnen und zu einem Ganzen zusammenzufügen. Sie müssen die Fähigkeit erwerben, brauchbare Informationen von unnützen zu sondern. Dann müssen sie lernen - was noch schwieriger ist - ihren Ka-meraden zuzuhören, deren Meinungen zu diskutieren, mit Argumenten gute von schlechten Ideen zu trennen, ge-meinsam Probleme zu formulieren und Lösungen zu finden.

Natürlich kann das Internet Material dafür liefern, aber die Arbeit macht es nicht. Es wird immer nur ein Mittel und nie Ziel und Zweck sein. Erst wenn die grundlegenden Fähigkeiten, die ich erwähnt habe, heran-“gebildet“ sind, sind die jungen Menschen fähig, in dieser herausforderungsreichen Zeit der neuen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Umständen zu bestehen, die man neuerdings unter dem Stichwort „Globalisierung“ kennt. Denn wer nur sur-fen gelernt hat, ohne zu wissen wozu, kann zwar lesen, aber niemals verstehen.
(Quelle: Knaus, Beat (2009) "Einfach schreiben", Fuchs Verlag.)

1 Kommentare :

Anonym hat gesagt…

In der Beschreibung ist "setzen" falsch geschrieben

"..., sich mit einer bestimmten Frage auseinander zu setzten..."

LG

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