Rezension: Wir alle spielen Theater von Erving Goffman


„Wir alle spielen Theater“ des Amerikaners Erving Goffman gilt als Klassiker der Soziologie. Goffmans Beobachtungen zur Selbstdarstellung der Individuen und den Begebenheiten der zwischenmenschlichen Interaktion ist auch über 50 Jahre nach der ersten Veröffentlichung noch immer aktuell. 


Die Theatermetapher ist omnipräsent im Werk von Goffman: Alle Menschen spielen in der Interaktion mit ihrem Gegenüber eine Rolle. Diese wird auf der Hinterbühne, zu der die anderen Interaktionspartner keinen Zutritt haben, vorbereitet und dann auf der Vorderbühne mit Hilfe der Sprache und der Mimik, Gestik und dem Verhalten inszeniert. Je nach Interaktionspartnern und sozialen Begebenheiten der Interaktion wählt das Individuum eine andere Rolle. Wie die Interaktion verlaufen wird, kann der Einzelne nicht steuern, egal wie gut er seine Rolle vorbereitet und darstellt. Die Interaktion hat also ihre eigene Dynamik. Soviel zum mis-en-place von Goffmans „Wir alle spielen Theater“.

Aufbauend auf dieser Prämisse beleuchtet der amerikanische Soziologe verschiedenste Bereiche der menschlichen Interaktion. Er definiert Sonderrollen wie den Kontrolleur, den Vermittler oder den Denunzianten, modelliert Inszenierungen von mehreren Darstellern als Ensemble mit einem Regisseur, der für Ordnung zu sorgen hat, und erklärt, mit welchen Methoden und Taktiken Interaktionsteilnehmer versuchen, ihr Gegenüber zu manipulieren. Goffman schafft es, seine Beobachtungen in eine leicht verständliche Sprache zu verpacken und illustriert diese mit vielen Fallbeispielen aus der klinischen Psychiatrie und mit den Verhaltensregeln der amerikanischen Mittelschicht.
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Inhaltsangabe: Wir alle spielen Theater von Erving Goffman


In seinem Werk "Wir alle spielen Theater" geht der amerikanische Soziologe Erving Goffman der Struktur und den Eigenheiten der zwischenmenschlichen Interaktion auf den Grund. Im Folgenden sollen einige seiner Kernideen ausgeführt werden:

Goffman vergleicht die Interaktion, für die er die gleichzeitige, örtliche Anwesenheit sowie ein gemeinsames Aufmerksamkeitszentrum als Voraussetzungen definiert, mit dem Theater. Jeder Mensch spielt in der Interaktion mit seinem Gegenüber (oder auch mehreren) eine Rolle. Diese Rolle hat er zuvor auf der Hinterbühne (ein Ort, der den restlichen Interaktionsteilnehmern nicht zugänglich ist) eingebübt. Präsentiert wird sie dann auf der Vorderbühne. Nach Goffman hat jeder Mensch verschiedene Rollen, die er in verschiedenen Interaktionssituationen anwendet. Für die Darstellung seiner Rolle hat jeder Mensch zwei Ausdrücke zur Verfügung: den Ausdruck, den er sich selbst gibt (u.a. Sprache), und der Ausdruck, den er ausstrahlt (Kleidung, Mimik, Gestik, Verhalten etc.). Letzterer ist wesentlich schwieriger zu kontrollieren, was es den anderen Interaktionspartnern ermöglicht, allfällige Manipulationsversuche zu erkennen. Diese nennt Goffman die Asymmetrie der Kommunikation.
In einer Interaktion kommt es zu allererst zur Herausbildung der sogenannten Arbeitsübereinstimmung. Dabei werden die Rahmenbedingungen der Situation definiert und die Interaktionsteilnehmer geben ihr Einverständnis, die Rolle der Anderen zu akzeptieren. Dieser Vorgang ist nicht etwas, das tatsächlich als Teil der Interaktion abläuft, sondern das geschieht automatisch. Als Illustration dieses Vorgangs kann beispielsweise Folgendes angeführt werden: Eine Person betritt ein Klassenzimmer, in dem bereits eine grosse Anzahl von Menschen hinter den Tischen sitzt und wartet. Die Person, die eintritt, stellt sich vor die Anwesenden, begrüsst sie und lanciert den Unterricht. Die Personen hinter den Bänken werden die andere Person als Lehrer erkennen und akzeptieren entsprechend seine Rolle, in dem sie sich selbst so verhalten, wie es sich für Schüler gehört. Dasselbe wird der Lehrer tun, in dem er sich an die Regeln hält, die der Lehrerberuf mit sich bringt, und gleichzeitig auch die Rollen der Schüler akzeptiert. Dieser Vorgang funktioniert auch dann, wenn sich die beiden Interaktionsparteien noch nie begegnet sind - sofern das Treffen in einem Klassenzimmer stattfindet. Fände es zufällig draussen an einem See statt, würde die Rollenverteilung ganz anders ausfallen.
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Rezension: Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann


"Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann ist ein deutscher Klassiker aus der Epoche des Naturalismus. Obwohl die Erzählung nur etwas mehr als 50 Seiten umfasst, vermag Hauptmann die Tragödie des Bahnwärters detailreich und anschaulich zu beschreiben.

Der gläubige Bahnwärter Thiel ist zwei Jahre lang mit der feingliedrigen und blassen Minna verheiratet. Doch dann verstirbt sie auf dem Wochenbett und Thiel muss allein mit seinem Söhnchen Tobias zu recht kommen. Das ist für Thiel zu viel und so heiratet er bereits nach einem Jahr die ehemalige Kuhmagd Lene, damit sich jemand um Tobias kümmert. Doch schnell muss Thiel feststellen, dass er in eine Abhängigkeit von Lene gerät, aus der er nicht mehr entkommt. Er findet nicht einmal mehr die Kraft und den Mut, sich gegen seine Frau aufzulehnen, als er sie dabei ertappt, wie sie Tobias schlägt. Thiels Situation verschlechtert sich zusätzlich dadurch, dass er sich immer öfters mit Träumen und Visionen seiner verstorbenen Frau Minna konfrontiert sieht. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Lene Thiel mit Tobias und ihrem gemeinsamen Kind zur Arbeit begleitet. 

Naturalistische Elemente der Erzählung
Bevor ich mich zum Inhalt des Werks, dessen Symbolik und möglichen Interpretationsansätzen äussere, möchte ich zuerst auf die Einordnung in die literarische Epoche zu sprechen kommen. "Bahnwärter Thiel" wird dem Naturalismus zugeordnet. Dies aus folgenden Gründen: Wie es sich für den Naturalismus gehört, steht das Milieu, in dem sich der Protagonist Thiel - typischerweise ein Antiheld -  befindet, im Zentrum der Erzählung. Wie es für naturalistische Texte typisch ist, liefert auf Hauptmanns Text genaue und detailreiche Beschreibungen und der Hauptcharakter ist von seiner Umwelt geprägt. Ebenfalls erfüllt "Bahnwärter Thiel" das Kriterium der bewussten Betonung des Hässlichen, wodurch die Leserschaft aufgerüttelt werden soll. Zudem bedient sich Hauptmann oft des formalen Mittels des Sekundenstils, bei dem die Beschreibung im Werk sich mit der tatsächlichen Handlung zeitlich decken. Ein typisches Element des Naturalismus.
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Inhaltsangabe: Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann


Inhalt
Der Bahnwärter Thiel ist ein gläubiger Mann, der, wenn immer es sein Dienst zulässt, am Sonntagmorgen zur Kirche geht. Er war zwei Jahre lang mit Minna, einer blassen, hohlwangigen und feingliedrigen Frau verheiratet. Doch nach zwei Jahren ist sie auf dem Wochenbett verstorben. Es machte den Eindruck, als ob ihr Tod Thiel nicht allzu stark treffen würde. Nur ein Jahr später heiratet er Lene, eine kräftige Bauernmagd. Er begründet die schnelle Hochzeit damit, dass er jemanden braucht, der sich um seinen Sohn Tobias kümmert, während er am Arbeiten ist. Lene ist das genaue Gegenteil von Minna und es dauert nicht lange, bis sie ihren Mann fest im Griff hat. Thiel ist abhängig von Lene und weiss das auch. Aufgrund der ungewöhnlichen Rollenverteilung in der Beziehung werden Thiel und Lene zum Stadtgespräch.
Die Arbeit ist Thiels einzige Rückzugsmöglichkeit. Die vielen Stunden des Wartens vertreibt er sich immer wieder mit Träumen, Gedanken und Gebeten an seine verstorbene Frau Minna. Er sieht sie in seinem Traum auch über die Geleise wandeln.
Zu Hause verschlechtert sich die Situation zunehmend, denn Lene hat in der Zwischenzeit ein Kind mit Thiel und ab dem Moment der Geburt kümmert sie sich kaum mehr um Tobias. Als Thiel eines Morgens unerwartet nach Hause zurückkehrt, weil er sein Butterbrot vergessen hatte, wird er Zeuge davon, wie Lene Tobias schlägt und anbrüllt. Thiel ist wütend und das Handeln seiner Frau gefällt ihm überhaupt nicht. Dennoch ist er nicht in der Lage, sie zur Rede zu stellen. Er nimmt einfach sein Butterbrot und geht wieder zur Arbeit. Dort plagt ihn dann aber das schlechte Gewissen und er macht sich Sorgen um seinen Sohn.
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Inhaltsangabe: Winning Ugly von Brad Gilbert und Steve Jamison


In seinem Buch "Winning Ugly" beschreibt der ehemalige Tennisprofi und spätere Proficoach Brad Gilbert, wie wichtig die mentale Komponente im Tennissport ist und mit welchen Tricks man seine eigenen mentalen Fähigkeiten verbessern kann.

Das Werk ist aufgeteilt in drei Teile. Im ersten geht es um die Vorbereitung auf ein Tennismatch - ein Bereich, der von vielen Hobbyspielern, aber auch von Wettkampfspielern zu wenig beachtet wird. Gilbert beschreibt dabei, wie man sich die richtige Taktik zurecht legt, was man auf dem Platz alles dabei haben sollte, wie man sich korrekt aufwärmt und vor allem auch, worauf beim Einschlagen zu achten ist. Gilbert erläutert dies jeweils an Beispielen, die er selbst auf der Tour erlebt oder in seinem Tennisclub gesehen hat. Zudem gibt er oftmals auch in Form von Checklisten direkt Tipps, die auf dem Platz umgesetzt werden können. 
Im zweiten Teil des Werks fokussiert sich Gilbert dann auf das Geschehen während dem Match. Dabei beschreibt er detailliert, welche Spieltypen es gibt und wie man die richtige Taktik anwendet, um diese Spieler zu bezwingen. Auch gibt er praktische Tipps, wie man die Dynamik eines Matches erkennen und zu seinen Gunsten ausnutzen kann. Genauso wie er auch erklärt, wie man während einem Spiel die Schläge, die einem nicht wie gewünscht gelingen, wieder ins Feld bringt.
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Rezension: Winning Ugly von Brad Gilbert und Steve Jamison


"Winning Ugly" ist vielleicht das bekannteste Sachbuch des Tennissports, in dem sich der ehemalige Profispieler und Trainer Brad Gilbert intensiv mit den mentalen Aspekten des weissen Sports auseinander setzt. Unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich für Tennisspieler jeden Niveaus, aber auch für Fans. 

Brad Gilbert wurde zu seinen Aktivzeiten von vielen unterschätzt. Zuerst glaubte man nicht daran, dass er den Sprung vom College-Spieler ins Profilager schafft und dann war man schnell davon überzeugt, dass er sein Unterfangen bei den Grossen bald wieder abbrechen würde. Doch Gilbert, der weder über eine Technik aus dem Lehrbuch noch über besonders viel Talent verfügte, strafte sein Kritiker Lügen. Er gewann in seiner Karriere 20 Einzeltitel und erreichte mit Weltranglistenposition vier sein bestes Ranking. Wie er das geschafft hat? Brad Gilbert hat die Gabe, sein eigenes Spiel und das seiner Gegner so genau analysieren zu können wie kein anderer. Dies verschaffte ihm einen enormen Vorteil in der mentalen Kriegsführung auf dem Tennisplatz. Dieses Wissen gibt er in "Winning Ugly" an die Leser weiter.

Praktische Tipps
Wer glaubt, in "Winning Ugly" fiese Tricks zu finden, wie man die Gegner auf dem Platz täuschen und austricksen kann, der wird nicht fündig. Gilbert beschreibt in seinem Buch vielmehr sehr detailliert und anschaulich, wie komplex der Tennissport ist. Er erklärt, was alles zu einer richtigen Match-Vorbereitung gehört, sagt, worauf man im Training und während dem Einspielen achten und wie man in bestimmten Spielsituationen reagieren soll. Am Ende jedes Unterkapitels gibt er zwei, drei praktische Tipps, was man sich als Tennisspieler - egal auf welchem Niveau man spielt - merken soll und erklärt auch, wie man das Gelesene auf dem Platz anwenden kann. Gilbert will mit seinem Werk die Augen der Tennisspieler schärfen, damit sie die entscheidenden Situationen und die Dynamiken in einem Tennisspiel erkennen und daraus Profit schlagen können.
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