Rezension: Die Radsport Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte von Tyler Hamilton und Daniel Coyle


Im Insiderbericht "Die Radsport Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte" deckt Tyler Hamilton, Ex-Radprofi und Edelhelfer von Lance Armstrong, schonungslos die Dopingpraktiken der Radsportler auf. Beim Schreiben hat ihm Autor Daniel Coyle geholfen.

Seit Lance Armstrong im vergangenen Jahr seine sieben Tour de France Titel aberkannt wurden, haben sich Dopinggeständnisse von zurückgetretenen Fahrern gehäuft. Dies wirft Fragen auf, wie sauber und fair der Radsport Ende der 90er Jahre und in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende tatsächlich war. 
Führt man sich das Buch von Tyler Hamilton zu Gemüte, ist die Antwort einfach: Jeder, der in dieser Zeit ein grosses Rennen in den vorderen Rängen abgeschlossen hat, war mit grosser Wahrscheinlichkeit gedopt. Wer bei den mehrwöchigen Rundfahrten durch Frankreich, Italien oder Spanien an der Spitze fuhr, war es, so Tyler Hamilton, garantiert gedopt. Dazu folgendes Zitat: "Aber sobald eine Renndauer von einer Woche überschritten wird, wird es sauberen Fahrern ganz schnell unmöglich, mit Konkurrenten mitzuhalten, die Edgar (Codewort für EPO) einnehmen" (Hamilton 2012: 131).
Auf knapp 350 Seiten beschreibt der Amerikaner, der zu Aktivzeiten für seine enorme Leidensfähigkeit bekannt war, wie er als junger Amateurfahrer voller Hoffnungen und Träume ins Profilager gewechselt hatte. Bald schon musste er erkennen, dass er mit seinem Team in Europa lediglich in den hintersten Regionen des Feldes mithalten konnte. Nach drei Jahren Profi stand er vor der Wahl: Entweder beendete er seine Karriere oder er entschied sich fürs Doping. Hamiltons Wahl fiel auf letzteres. In seinem Buch beschreibt er auf beindruckend offene Art und Weise, aus welchen Gründen er zu dopen begann und wie sich die Praktiken und Dopingmittel über die Jahre veränderten.
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Inhaltsangabe: Zeilenkrieg von Annalena McAfee


Inhalt
Honor Tait steht kurz vor ihrem 80. Geburstag. Die Doyenne des Britischen Journalismus, die sich mit ihren preisgekrönten Reportagen über die grossen politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht hatte, kämpft mit finanziellen Problemen. Abhilfe soll die Veröffentlichung ihres Werks "Depeschen" schaffen, doch dafür muss sie zu PR-Zwecken ein Interview mit der angesehenen Zeitung "Monitor" führen. Dies tut sie jedoch nur sehr widerwillig, denn sie hält nicht viel von den heutigen Journalisten und schon gar nicht von der aktuellen Presselandschaft.
Tamara Sim wittert ihre grosse Chance, als sie völlig überraschend den Auftrag erhält, ein Portrait über Honor Tait zu schreiben. Bisher hatte sie sich als freie Journalistin durchgeschlagen und sich vor allem in der Klatschpresse einen Namen gemacht. Durch dieses 4000-Wörter-Portrait über Honor Tait erhofft sie sich einen Karrieresprung. Doch das Gespräch zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen endet in einem Fiasko. Tait, will partout nicht über ihr extravagantes Privatleben sprechen (sie hatte enge Kontakte zu Picasso, General Franco, Frank Sinatra und vielen mehr), sondern nur über ihre Arbeit. Das findet Sim wiederum äusserst langweilig, weil es schon längst der Vergangenheit angehört und daher in der heutigen Zeit niemanden mehr interessiert.
Frustriert bricht sie das Interview ab und versucht, sich die 4000 Wörter aus den Fingern zu saugen. Sie kommt jedoch nicht vom Fleck. Die Zeit wird knapp, denn sie muss noch andere Aufträge erledigen, aber sie weiss auch, dass sie mehr Engagement zeigen muss, um aus der Honor Tait-Story etwas zu machen. Motiviert von ihrem Vorgesetzten beginnt sie nach weiteren Informationen zu suchen. Sie besucht Eröffnungen, Vernissagen und Podiumsgespräche, an denen Tait auftritt. Doch die Ergebnisse bleiben bescheiden. Nach wie vor hat Sim nichts in der Hand, das eine gute Story ergeben würde. Einzig ein junger, gut aussehender Mann findet sich zufälligerweise immer an denselben Veranstaltungen ein wie Tait. Sim kann sich jedoch noch keinen Reim darauf machen, glaubt aber, dass er allenfalls eine wichtige Rolle spielen könnte.
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Rezension: Zeilenkrieg von Annalena McAfee


"Zeilenkrieg" so der Titel von Annalena McAfees Werk, in dem sie sich mit den neusten Entwicklungen der Medienbranche Grossbritanniens auseinandersetzt. Sie tut dies anhand zweier Protagonistinnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Honor Tait (80), die Grand Dame des englischen Journalismus, hat mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Ein grosses Portrait mit der angesehenen Zeitung "Monitor" soll die Verkäufe ihres bald erscheinenden Werkes "Depeschen", in dem ihre besten Reportagen, unter anderem diejenige, für die sie den Pulitzerpreis gewann, vereint sind, ankurbeln. Tait lässt sich daher widerwillig auf ein Interview mit der freien Journalistin Tamara Sim (27) ein. Das Gespräch zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Frauen, die völlig divergierende Ansichten vom Leben und vom Journalismus haben, endet in einem Fiasko. Tait, die dafür bekannt ist, mit vielen berühmten Persönlichkeiten wie Frank Sinatra, Pablo Picasso oder General Franco verkehrt zu sein, will Sim partout keine Auskünfte über ihr Privatleben geben und spricht nur über ihre Arbeit. Das wiederum langweilt Sim zu Tode, da sie mit den hochpolitischen und in ihren Augen völlig uninteressanten Themen niemals die geforderten 4000 Wörter schreiben kann. Frustriert beenden die beiden Frauen das Interview, doch so schnell gibt Sim nicht auf und schon bald kommt sie einem Geheimnis von Honor Tait auf die Spur.

Langfädig und eloquent
Annalena McAfee, die selber drei Jahrzehnte als Journalistin tätig war und in dieser Zeit Kunst- und Literaturredakteurin war, pflegt einen nicht ganz leicht verdaulichen Schreibstil. Die Sätze sind lang und gespickt mit Fachausdrücken und Namen aus der Kunst- und Literaturszene. Ein Beispiel:
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