Rezension: Koitus mit der Meerjungfrau: Geschichten am Rande von Philip J. Dingeldey


"Koitus mit der Meerjungfrau: Geschichten am Rande" ist eine Sammlung von neun Kurzgeschichten des jungen Autoren Philip J. Dingeldey. Dieser scheut in seinem Werk nicht davor zurück, auch die hässlichen und brutalen Seiten des Lebens zu thematisieren. Dabei geht er aber teilweise fast schon zu weit.

Die Kurzgeschichten von Dingeldey decken ein breites Themenspektrum ab. Mal geht es um Obdachlose, die fürs Überleben betteln müssen, dann sind es gescheiterte Künstler, Philosophiestudenten und Journalisten, die mittlerweile mehrheitlich betrunken sind oder Harz IV beziehen, oder es werden sozialkritische Themen wie die Religion und der Schlankheitswahn bei jungen Frauen aufgegriffen. 
Dingeldey zeigt bei seinen Erzählungen durchaus schriftstellerisches Potential. Ungeschönt beschreibt er die Situationen und Charaktere und spricht zudem auch Themen an, vor denen sich sich viele andere hüten. Was jedoch teilweise etwas komisch anmutet, sind die Passagen, in denen Dingeldey den Leser direkt anspricht. Formulierungen wie "werter Leser" oder "Hier befindet der Verfasser es für wichtig, in das Geschehen einzugreifen und seine Meinung kundzutun" wirken gestelzt und gesucht eloquent. Darauf hätte auch verzichten werden können.

Frage der Glaubwürdigkeit
Zudem fällt die teilweise doch vulgäre Wortwahl auf, mit der Dingeldey wohl beabsichtigt, die Realität so direkt und ungefiltert wie möglich wieder zu geben. Doch ab und zu war es doch des Guten zu viel. Dazu folgender Textausschnitt aus der Geschichte "Exkremente": 
"Dann riss er ihr die Hose herunter, drehte sie um, drückte sie vornüber, sodass die Bettlerin die noch nicht heruntergespülten Exkremente in der Klospülung beobachten konnte, und fickte sie in den Arsch (...) Aber als dann der Ekel die Oberhand gewann und die Frau auf die flüssige Scheisse vor ihr kotzte, zog er sich schockiert zurück und fand das so abturnend, dass er ohne Bezahlung ging (...)" (Dingeldey 2012: 5).

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Inhaltsangabe: Koitus mit der Meerjungfrau: Geschichten am Rande von Philip J. Dingeldey

Inhalt 
"Koitus mit der Meerjungfrau" von Philip J. Dingeldey besteht aus neun unterschiedlich langen Kurzgeschichten. Inhaltlich thematisiert der junge Autor jeweils Charaktere am Rande der Gesellschaft, die sich meist an Orten aufhalten,  die man im Alltag so gut wie möglich zu umgehen versucht. 
In "Exkremente" geht es um eine obdachlose Frau, die in einer Grossstadt lebt und sicher ihren Lebensunterhalt mit Betteln und käuflichem Sex verdient. In der Geschichte, die dem Buch den Titel gab, beschreibt der Autor den Alltag eines Journalisten, der wegen einer verbalen Entgleisung während eines Interviews seinen Job verloren hat und immer tiefer absank. Mittlerweile lässt er sich jeden Abend voll laufen und ist verbittert. Die dritte Geschichte mit dem Titel "Die Tafelkaste" handelt von einem jungen Mann, der ein Philosophiestudium abgeschlossen hat, jedoch in der freien Wirtschaft nicht Fuss fassen konnte. Nun lebt er von Harz IV und ernährt sich jeweils von einer Suppenküche, die von freiwilligen Helfern betrieben wird. 
In "Arabischer Sandkasten oder Momentaufnahme" widmet sich Dingeldey einem aktuellen Thema. Ein Journalist und ein Fotograf sind in der Wüste unterwegs und versuchen eine Geschichte über den Arabischen Frühling zu finden, die noch niemand gemacht hat. Statt zum Erfolg zu gelangen, finden beide den Tod. Die Kurzgeschichte "Popologie" widmet sich einem sehr heiklen Thema, nämlich der katholischen Kirche und sexuellen Übergriffen. Auf brutale Art und Weise wird dabei die Vergewaltigung eines Ministranten durch einen Priester geschildert. "Des Künstlers freie Seele beim Erguss" ist dann wieder die typische Geschichte eines Aussenseiters der Gesellschaft. Diesmal ein Künstler, der versucht, von seiner Arbeit zu leben, jedoch die meiste Zeit betrunken ist und seine Miete nicht mehr bezahlen kann.
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Inhaltsangabe: Gefährliche Entwicklungen von Andreas Schneider

Inhalt
Thomas Klein ist der Sohn zweier Rechtsanwälte. Die kleine Familie wohnt in einem Kaff auf dem Land, wo sich Thomas sehr wohl fühlt. Er und sein bester Freund Sandro verbringen fast die gesamte Freizeit miteinander. Doch dann muss Thomas wegziehen, da seine Eltern ein gutes Jobangebot in der Stadt erhalten haben. Obwohl er schon am ersten Tag einige Bekanntschaften schliesst, fällt ihm die Integration am neuen Ort schwer. Über die Jahre zieht er sich je länger je mehr zurück, bleibt lieber für sich selbst. Zu Hause ist er praktisch immer alleine, da seine Eltern permanent bei der Arbeit sind und sich nicht um ihren Sohn kümmern. Thomas verbringt viel Zeit im Internet, zockt Gewaltspiele und surft in einem Forum, wo es sich um Waffen und Jagd dreht. 
Eines Tages schreibt ihn ein Forumsmitglied namens Azrael an und will ihn treffen. Kurz darauf findet das Treffen in einem kleinen Lokal statt. Der Fremde kennt Thomas richtigen Namen und gibt ihm Geld. Er sagt ihm, dass er glaube, dass Thomas bald eine Gewalttat begehen werde und dass er ihn doch vorher kontaktieren solle. Thomas ist verwirrt, weiss nicht, was er mit dem Geld machen soll. Er entscheidet sich, es zu verstecken und nicht zu gebrauchen. 
Er spart sein Geld, um sich ein Jagdmesser zu kaufen. Das Messer wird ihm ausgehändigt, obwohl er noch nicht volljährig ist. Kurz darauf begeht der sechzehnjährige Thomas die Gewalttat. Er, der mit seiner Lehrerin nie besonders gut ausgekommen ist, attackiert sie mit dem Messer in der Schule. Einen Mitschüler, der sich ihm in den Weg stellte, verletzt er ebenfalls. Die Lehrerin tötet er mit mehreren Stichen. Aus dem Schulgebäude kann Thomas nicht mehr fliehen, die Polizei verhaftet ihn noch an Ort und Stelle. 
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