Rezension: Allmen und die Dahlien von Martin Suter


"Allmen und die Dahlien", so der Titel des dritten Teils der Krimiserie von Martin Suter rund um Ermittler Johann Friedrich von Allmen. Der Schweizer Erfolgsautor bleibt bei den altbewährten Zutaten seiner Allmen-Serie und liefert einen soliden, aber längst keinen herausragenden Roman ab. 

Johann Friedrich von Allmen wird damit beauftragt, ein Dahliengemälde von Henri Fontin-Latour, das mehrere Millionen wert ist, wieder zu finden. Das Gemälde wurde gestohlen und befand sich danach im Besitz von Dalia Gutbauer. Allmen macht sich gemeinsam mit seinen beiden Angestellten Maria Morena und Carlos de Leon an die Ermittlungen. Schnell finden sie heraus, dass der Schlüssel zum Verschwinden des Werks in der Vergangenheit ihrer Auftraggeberin Dalia Gutbauer liegt. Die schwerreiche Erbin hatte in ihren jungen Jahren das Leben genossen und war auf verschiedensten Parties der High Society verkehrt, ehe sie plötzlich mit einem Mann namens Leo Taubler untertauchte. Eben dieser Taubler lebt als Dauergast im selben Hotel wie Gutbauer, jedoch unter dem Namen Hardy Frey. Was steckt hinter dem Namenswechsel, weshalb wohnt er im selben Hotel wie seine ehemalige Geliebte und welche Geheimnisse hat Dalia Gutbauer sonst noch zu verbergen? Allmens Spürsinn ist geweckt.

Nicht viel Neues
Martin Suter greift beim dritten Allmen-Roman auf Altbewährtes zurück. Das kann man gut finden - oder auch nicht. Ich tendiere zu letzterem. Natürlich ist mir klar, dass Suter nicht einfach die Charaktere austauschen kann oder dass diese plötzlich ganz neue Charaktereigenschaften aufweisen können, aber etwas mehr Fantasie hätte ich mir trotzdem gewünscht. Nach wie vor mimt Carlos den untergebenen Diener, der die zündenden Ideen hat, und Allmen ist der grosszügige und auf grossem Fuss lebende Chef, der zwar eigentlich kein Geld hat, aber noch immer so tut als ob. Die beiden Hauptcharaktere werden im dritten Band zwar noch etwas mehr ausgearbeitet, aber wirklich viel Neues bringt Suter nicht in deren Biografien hinein. Eine erfrischende Abwechslung ist Maria Morena, die Freundin von Carlos. Sie agiert in diesem Band erstmals als Hilfskraft an der Seite von Allmen und Carlos.

Offener Schluss
Doch das ist nicht das einzige Problem in "Allmen und die Dahlien". Was mich noch mehr gestört hat als die fehlende Weiterentwicklung der Charaktere: Die Geschichte braucht viel zu lange, bis sie endlich in die Gänge kommt. Ich mag zwar Suters szenische Beschreibungen, seine Liebe zum Detail und seine Fachkenntnis zu verschiedensten Themen, die er immer wieder gekonnt in seine Erzählungen einflechtet. Diesmal hat er es aber übertrieben. Erst etwa in der Hälfte des Buches nimmt die Handlung Fahrt auf. Und genau ab diesem Moment habe ich das Werk auch viel lieber gelesen. Da waren wieder die unerwarteten Wendungen, die kleinen Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen und praktisch in jedem der kurzen Kapitel geschieht etwas.
Streiten kann man sich über den offenen Schluss. Ist es wirklich nötig, die Geschichte rund um das Dahliengemälde im nächsten Allmen-Roman weiterzuziehen? Gehen Suter die Ideen aus, tut er es aus verkaufstechnischen Gründen oder hat er tatsächlich so viel Stoff, dass man daraus zwei Teile machen kann? Hoffen wir, dass es die dritte Variante sein wird.

Wem die ersten beiden Allmen-Romane zugesagt haben, der wird auch Freude haben an "Allmen und die Dahlien". Es ist ein weiteres, solides Werk von Suter, das allerdings - wie alle Teile der Allmen-Serie - nicht an seine früheren Werke wie Small World, Die dunkle Seite des Mondes oder der Koch herankommen. (fba)


Bibliografische Angaben:

Titel: Allmen und die Dahlien
Autor: Martin Suter
Seiten: 213
Erschienen: 2013
Verlag: Diogenes
ISBN-10: 3257068603
ISBN-13:  978-3257068603
Bewertung: 

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