Rezension: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson


"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" erzählt die unglaubliche Geschichte von Allan Karlsson, der durch eine lange Kette von glücklichen Zufällen quer durch die letzten 100 Jahre der Weltgeschichte reist und sich in der Gegenwart plötzlich im Besitz von 50 Millionen Kronen befindet.  

Allan Karlsson sollte eigentlich seinen 100 Geburtstag feiern, doch der rüstige Rentner hat ganz andere Pläne. Er will weg von Schwester Alice, die ihn im Altersheim streng überwacht, und er will endlich mal wieder einen Schnaps trinken. Aus diesem Grund entscheidet er sich, kurz bevor seine Geburtstagsfeier beginnt, aus dem Fenster seines Parterre-Zimmers zu steigen und sich aus dem Staub zu machen. Er geht zum Busbahnhof und kauft sich dort wahllos ein Ticket, mit dem er möglichst weit weg kommt von seinem derzeitigen Aufenthaltsort. Während er auf den Bus wartet, bittet ihn ein junger Mann, auf seine Tasche aufzupassen, während er auf die Toilette geht. Allan verspricht, dies zu tun, doch als sein Bus eintrifft und der junge Mann noch nicht zurück ist, entscheidet er sich, die Tasche mitzunehmen. Mit der Tasche erreicht Allan erschöpft die abgelegene Hütte von Julius Jonasson, den er bis anhin nicht gekannt hat. Die beiden verstehen sich gut und erkennen nach einem gemeinsamen Essen, dass in der Tasche 50 Millionen Kronen sind. Der wütender Besitzer der Tasche klopft schon bald bei Jonasson an die Tür und daraufhin beginnt eine Flucht durch Schweden, wobei Allan und Julius bald schon auf Hilfe angewiesen sind.

Reise durch die Weltgeschichte
Der Bestseller von Jonas Jonasson erzählt eigentlich zwei Geschichten gleichzeitig. Zum Einen, die einleitend geschilderte Story rund um die 50 Millionen Kronen, die Allan Karlsson hat mitgehen lassen, und zum Anderen wird Allans Lebensgeschichte aufgearbeitet. Diese erinnert stark an den Film "Forrest Gump", wo der Protagonist per Zufall durch alle wichtigen Ereignisse der Geschichte stolpert. Ähnlich ergeht es durch die Verkettung glücklicher Umstände auch Allan Karlsson.
Zuerst trifft Allan, der ein Experte für Sprengstoff ist, auf den Spanischen General Franco. Einige Jahre später liefert er in den USA den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe und darf zum Dank dafür mit Präsident Truman Essen gehen. In der Folge trifft er auch auf Josef Stahlin, Mao Tsetung, Charles de Gaulle und viele weitere einflussreiche Männer. Allan reist quer durch die ganze Welt. Von Amerika über Russland, China, den Iran und Bali, bis er am Ende wieder zurück nach Schweden kommt. Dort landet er in einem Heim, weil er aus Versehen sein Haus in die Luft sprengte beim Versuch, einen Fuchs zu töten.

Gelungene Charaktere
Das Buch bietet beste Unterhaltung ohne dabei intellektuell allzu hohe Anforderungen an den Leser zu stellen. Es ist natürlich von Vorteil, wenn man sich in der Weltgeschichte der letzten 100 Jahre ein wenig auskennt, um die Zusammenhänge und die auftretenden Personen besser zu verstehen, doch auch sonst ist das Lesen von Jonas Jonassons Werk eine kurzweilige Angelegenheit. Der Autor versteht sich hervorragend darauf, die Geschichte mit viel Ironie und Witz zu erzählen, und schafft es gleichzeitig auch interessante und nicht alltägliche Figuren zu schaffen, welche die Erzählung tragen können.
Dies beginnt natürlich mit der Person von Allan Karlsson, dem rüstigen Rentner, der keine abgeschlossene Schulbildung hat, dem das Geld keine allzu grosse Rolle spielt und der überhaupt keine Ahnung und kein Interesse an Politik hat. Dennoch trifft er die ranghöchsten Staatsmänner verschiedener Länder und kann diese jeweils um den Finger wickeln. Doch nicht nur der kauzige und teilweise auch etwas naive Allan Karlsson ist eine gelungene Figur. Da ist beispielsweise auch der ewige Student Beny, der praktisch alle Studienrichtungen einmal ausprobiert, jedoch nichts abgeschlossen hat, oder Gunilla Björklund, die nach dem Tod ihres Vaters mit einem Hund und einem Elefanten in einem abgeschiedenen Teil Schwedens lebt. Auch die Charaktere von Herbert Einstein, dem alles andere als intelligenten Bruder von Albert Einstein, und dessen Frau Amanda, die sich mit wenig Sachverstand dafür einem umso dickeren Geldbeutel zum politischen Oberhaupt von Bali hat wählen lassen, sorgen für beste Unterhaltung.

Kurz gesagt, die Lektüre dieses Werks ist auf jeden Fall zu empfehlen. Es ist jedoch ganz klar ein Werk, das in die Sparte Unterhaltung gehört und dessen Story nicht immer realistisch ist. Dies tut dem Lesespass jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil, es wird beim Lesen den einen oder anderen Schmunzler geben. (fba)

Bibliografische Angaben:

Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Autor: Jonas Jonasson
Seiten: 416
Erschienen: 2009
Verlag: carl's books
ISBN-10: 3570585018
ISBN-13 978-3570585016
Bewertung: 

4 Kommentare :

sinnwortspiel hat gesagt…

keine intellektuell hohen ansprüche an den leser?

wow.

das würde ich so nicht unterschreiben - allein die etlichen ausflüge in die historische vergangenheit setzen oftmals ein verständnis selbiger voraus - intellektuell durchaus anspruchsvoll...

beste grüße,
sinnwortspiel.wordpress.com

fba hat gesagt…

Richtig, die Ausflüge in die historische Vergangenheit sind nicht ohne. Allerdings sind sie, um die Geschichte zu verstehen, nicht zentral. Natürlich ist die eine oder andere Stelle witziger, wenn man die historischen Details kennt, aber dem Lesespass tut es keinen Abbruch, wenn man nicht jede historische Person im Roman kennt.
Aber ich gebe dir Recht, die Formulierung ist vielleicht etwas zu krass gewählt ;-)

sinnwortspiel hat gesagt…

nun, nachdem die geschichte sich eigentlich fast nur darum dreht, warum der nette mann wo wen wie getroffen hat. er verändert teilweise sogar den ablauf der geschichte. und das ist für die geschichte schon recht wichtig - schliesslich ist das die geschichte.

ich glaube, wenn man die historischen personen nicht kennt, liest man dieses buch nicht - weil die geschichte sonst einfach nur fad ist. nein, nicht fad - aber zu sehr verstreut inmitten all der historischen fakten.

fba hat gesagt…

Das stimmt schon. Allerdings dürfte es glaube ich schwer sein, jemanden zu finden, der nicht zu mindest ansatzweise von Stahlin, der Atombombe, Albert Einstein oder Mao gehört hat. Auch dass Nordkorea einen Diktator hat sollte heute eigentlich bekannt sein, da dieser ja so viel in den Medien ist.
Mit meiner Aussage, die - wie gesagt - nicht äussert glücklich gewählt ist, wollte ich eher sagen, dass man nicht ein Experte in geschichtlichen Dingen sein muss, um die Geschichte zu verstehen. Es reicht, wenn man einen Überblick hat und alle Namen muss man nun wirklich nicht kennen...

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