Die meistgelesenen Beiträge 2012

Zum Start ins neue Jahr habe ich die mittlerweile über 350 Posts, die in den vergangenen knapp drei Jahren auf diesem Blog veröffentlicht wurde, durchgeschaut. Daraus ist eine Zusammenstellung der drei meistgelesenen Beiträge pro Kategorie entstanden. Viel Spass beim Herumstöbern!

Top 3 der Inhaltsangaben:
1. Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter, 38'191 Aufrufe (Vorjahr: Platz 1, 12'688 Aufrufe)
2. Sansibar oder der letzte Grund von Alfred Andersch, 19'740 Aufrufe (Platz 3, 9'340 Aufrufe)
3. Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer, 12'458 (nicht in den Top 3)

Top 3 der Rezensionen:
1. Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter, 9'316 Aufrufe (Platz 1, 2'500 Aufrufe)
2. Der Vorleser von Bernhard Schlink, 3'467 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. Die Schachnovelle von Stefan Zweig, 1'872 Aufrufe (nicht in den Top 3)

Top 3 der Literaturepochen:
1. Postmoderne, 13'819 Aufrufe (1. Platz, 6'200 Aufrufe)
2. Exilliteratur 1933-1944, 10'060 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. Literatur nach 45 in der BRD, 8'576 Aufrufe (Platz 2, 4'582 Aufrufe)

Top 3 der Fachbegriffe:
1. aristotelisches Drama, 10'300 Aufrufe (Platz 1, 2'345 Aufrufe)
2. erlebte Rede, 4'260 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. bürgerliches Trauerspiel, 4'114 Aufrufe (nicht in den Top 3)
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Rezension: Gefährliche Entwicklungen von Andreas Schneider


"Gefährliche Entwicklungen" - damit meint Autor Andreas Schneider die zunehmende Jugendgewalt. Diese macht er in seinem Werk zum Hauptthema, verzettelt sich dabei aber sowohl inhaltlich als auch formal.

Thomas Klein ermordet seine Lehrerin mit mehreren Messerstichen. Einen Klassenkameraden, der sich ihm in den Weg stellen wollte, verletzt er ebenfalls. Noch auf dem Schulareal wird er verhaftet. Die unbegreifliche Tat löst eine Welle der Entrüstung und der Trauer in der Bevölkerung aus. Es gibt Proteste, die bald auf das ganze Land überschwappen, so dass sich die Politiker genötigt sehen, etwas zu unternehmen. In Zusammenarbeit mit Experten entscheiden sie sich dafür, dass in solch extremen Fällen das Erwachsenenstrafgesetz auch auf Jugendliche angewendet werden darf. Thomas wird entsprechend zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Wenige Monate später wird auch Robert, der auf einem Bahnhof einen bekannten Journalisten zu Tode geprügelt hatte, lebenslang hinter Gitter gesteckt - in dasselbe Gefängnis wie Thomas. Die beiden Freunden sich an, doch als sie wieder in die Freiheit kommen, trennen sich ihre Wege.

Realitätsfremde Story
Die Ausgangsidee, der sich Andreas Schneider in diesem Buch widmet, ist sehr interessant und viel versprechend. Was er daraus macht, ist allerdings alles andere als gelungen. Die Story ist völlig unrealistisch. Natürlich ist ein Amoklauf eine tragische Sache, aber dass aufgrund eines einzigen Todesfalles gleich ein ganzes Land auf die Barrikaden geht, tausende von Menschen nicht zur Arbeit erscheinen und vor dem Regierungsgebäude protestieren, ist wohl doch ziemlich übertrieben. Dass sich die Regierung dann innerhalb einer halben Stunde - wie soll denn das bitte gehen? - zu einer Sitzung trifft und sich kurz darauf mit Experten berät, ist ebenfalls an den Haaren herbeigezogen. Auch die Einführung des neuen Gesetzes, das vorsieht, Jugendliche nach dem Erwachsenenstrafgesetz zu verurteilen, ist gelinde gesagt speziell.
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Inhaltsangabe: Massimo Marini von Rolf Dobelli


Inhalt
Wyss ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt, leidet jedoch an Depressionen. Daher zieht sich der in Zürich tätige Anwalt immer mehr aus dem täglichen Geschäft zurück. Nur noch einen Klienten betreut er: Massimo Marini. Der Sohn italienischer Einwanderern, die ihn im Alter von vier Monaten in die Schweiz geschmuggelt hatten, steckt in einer äusserst schwierigen Situation. Sein Sohn Raffael ist von Anti-Atomstrom Aktivisten entführt worden, die drohen, ihn umzubringen. Aus unbekannten Gründen entlässt Marini seinen langjährigen Anwalt fristlos. Wyss stürzt noch weiter ab und lässt sich in eine Privatklinik einliefern. Dort beginnt er - aus Therapiezwecken - die Lebensgeschichte von Massimo Marini niederzuschreiben, der über Jahre hinweg sein Lebensmittelpunkt war. 

Massimos Vater kam als Saisonnier in die Schweiz. Er hatte es nicht leicht, kämpfte sich jedoch gemeinsam mit seiner Frau durch. Als die Secondos in der Schweiz offiziell akzeptiert waren (nach der Schwarzenbach-Initiative), gründete Giovanni Marini seine eigene Firma, eine Tunnelbaufirma. Das Geschäft lief gut, doch Giovanni behandelte seine Angestellten schlecht. Seinem Sohn Massimo passt dies nicht. Dieser entfernte sich immer weiter von seinem Vater. Das Handwerk interessierte ihn nicht. Seine Interessen lagen im Theaterspielen und in der Philosophie. Seinem Vater gab er vor, Architektur zu studieren, doch in Tat und Wahrheit absolvierte er ein Philosophie-Studium. Massimo hatte sich in den Kopf gesetzt, für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Da dies in der Schweiz kaum möglich war, entschloss er sich, ein Semester in Paris zu studieren, da er sich erhoffte, dort in linken Aktivistenkreisen Unterschlupf zu finden. Doch dies gelang ihm nicht wirklich. Wieder zurück in der Schweiz mauserte er sich zu einem der Anführer der sogenannten Opernhauskrawalle in Zürich. Im Zuge dieser wurde er verhaftet, was für seinen Vater schlimme Konsequenzen hatte. Giovanni Marini wurden alle staatlichen Aufträge entzogen, das Geschäft musste Konkurs anmelden und der Kontakt zwischen Vater und Sohn brach ab.
Massimo entschloss sich, in Berlin ein Literaturstudium aufzunehmen, während sein Vater in der Schweiz einen Neuanfang mit einer Kanalbaufirma wagte. In Deutschland demonstrierte Massimo gemeinsam mit seinen Freunden Klara und Nick gegen US-Präsident Reagan und gegen Atomtransporte. Die Aktionen werden immer gewagter und als Klara bei der Blockade eines Atomtransportes starb, um Massimos Leben zu retten, entschied sich dieser, auszusteigen. Kurz darauf starb auch noch sein Vater und Massimo kehrte in die Schweiz zurück.
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Rezension: Massimo Marini von Rolf Dobelli


„Massimo Marini“ von Rolf Dobelli ist die Geschichte eines Secondo-Sohns, der in seinem Leben eine Reise quer durch alle Schichten und Facetten der Schweizer Gesellschaft macht. Die Erzählung, durch die Dobelli sehr gekonnt führt, ist jedoch überladen.

Massimo Marini wird im Alter von vier Monaten im tiefsten Winter in einem Koffer von Italien in die Schweiz geschmuggelt. Seine Eltern arbeiten beide als Saisonniers in der Schweiz und dürften aufgrund der Aufenthaltsbestimmungen kein Kind haben. Massimo wird daher die ersten Jahre versteckt aufgezogen und hat auch später, als er legal in der Schweiz weilt, mit Vorurteilen und Rassismus zu kämpfen.
In der Schule interessiert sich für Theater und Philosophie – sehr zum Missfallen seines Vaters, der ein Tunnelbauunternehmen führt. Massimo beginnt ein Philosophiestudium, erzählt seinen Eltern jedoch, dass er Architektur studiere. Er verbringt ein Auslandsemester in Paris, wo er in die links-alternative Szene rutscht. Zurück in der Schweiz bleibt er seiner Linie treu und wird als einer der Anführer des Opernhauskrawalls, im Zuge dessen er verhaftet wird, aktiv. So kommt Massimos Vater dem Schwindel seines Sohns auf die Schliche, doch auch die Öffentlichkeit bekommt Wind von der Sache. Die Konsequenz: Massimos Vater alle staatlichen Aufträge entzogen. Die Firma geht Konkurs, Vater und Sohn haben keinen Kontakt mehr.
Massimos Vater schlägt sich durch und baut sich eine Kanalisationsfirma auf. Massimo studiert in der Zwischenzeit Literatur in Deutschland, wo er sich weiter in der linken Szene aufhält und gegen Atomstrom und Ronald Reagan demonstriert. Doch dann stirbt sein Vater und Massimo entscheidet sich, die Firma seines Vaters zu übernehmen, obwohl er keine Ahnung von der Materie hat.

Hohe schriftstellerische Kunst
Rolf Dobelli nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schweizer Geschichte, die in der heutigen Gesellschaft endet. Geschickt verknüpft er an der Person Massimo Marini die Secondo-Problematik in der Schweiz, die in der Schwarzenbach-Initiative gipfelte, die Opernhauskrawalle, die Antiatomstrom-Bewegung, die Schweizer Baubranche und auch der soziale Auf- und Abstieg. Was beeindruckt ist, wie Dobelli diese vielschichtige und komplexe Geschichte gekonnt zusammenfügt und von Massimo Marinis Rechtsanwalt Wyss, der sich wegen Depressionen in einer Klink in Zürich befindet, erzählen lässt. Ebenfalls überzeugend ist die Recherchearbeit, die Dobelli auf sich genommen hat, um den Roman zu verfassen. Dies zeigt sich nicht nur am detaillierten Wissen, das er über die Secondos, den Tunnelbau oder die klassische Musik einfliessen lässt, sondern auch daran, dass sich seine Sprache und die Art zu schreiben jedes Mal verändert, wenn sich die Person in Roman in einem anderen Milieu aufhält.
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