Rezension: Der Fremde von Albert Camus


"Der Fremde" von Albert Camus gilt als einer der grossen Klassiker der Literatur. Das nur rund 160 Seiten lange Werk des Literaturnobelpreisträgers überzeugt nicht mit einer vielschichtigen Storyline,  komplexen Satzkonstrukten oder eloquentem Sprachgebrauch sondern durch seine Schlichtheit.

Der Büroangestellte Meursault lebt ein unauffälliges und relativ einsames Leben. Er pflegt nur wenige soziale Kontakte, ist jedoch mit seinem ruhigen Dasein durchaus zufrieden. Zu Beginn von Camus Erzählung stirbt Meursaults Mutter. Er geht an ihre Beerdigung, verspürt jedoch keine Trauer. Bereits am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit Marie und verbringt mit seinem Nachbar Raymond und dessen Kollegen eine gute Zeit am Strand. Dort kommt es jedoch zu einem Zusammentreffen mit zwei Arabern, die noch eine Rechnung mit Raymond zu begleichen haben. Die Auseinandersetzung endet mit einer blutigen Wunde bei Raymond, die gepflegt werden muss. Kurze Zeit später trifft Meursault erneut auf den Araber, der Raymond verletzt hat. Ohne ersichtlichen Grund erschiesst er den Araber mit Raymonds Revolver. Er sagt, die Sonne hätte ihn geblendet. Meursault wird für sein Verbrechen angeklagt, doch die Geschworenen beurteilen nicht seine Tat sondern seine Persönlichkeit.

Gleichgültigkeit ist das zentrale Motiv
Camus Erzählung besticht durch ihre Einfachheit. Die meisten Sätze sind kurz gehalten, hypotaktische Satzgefüge, die sich über mehrere Zeilen erstrecken, sind kaum zu finden. Mit dieser Art des Schreibens schafft es der Autor, eine sehr hohe Übereinstimmung von Inhalt und Form zu erzeugen. Meursault spricht nicht viel, wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt er. Genauso erzählt Camus auch die Geschichte: Kurz und knapp, ohne ein Wort zu viel zu verlieren.
Zudem widerspiegelt sich auch die Gleichgültigkeit von Meursault in der Art der Erzählung wieder. Diese ist sehr trocken, neutral und ist geprägt von einer grossen Distanz zwischen dem Leser und den Ereignissen. Dies entspricht auch dem emotionslosen Charakter von Meursault, der weder um seine Mutter weinen, noch Reue für seinen Mord empfinden kann. Sein Gemütszustand scheint immer derselbe zu sein, egal ob während des Liebesaktes mit Marie oder allein in seiner Gefängniszelle.
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Inhaltsangabe: Der Fremde von Albert Camus

Inhalt 
Teil I:
Meursault ist ein etwa 30 Jahre alter Franzose, der in Algier lebt und als Büroangestellter arbeitet. Zu Beginn von Camus Erzählung stirbt Meursaults Mutter, die seit einigen Jahren in einem Pflegeheim gewohnt hat. Der Sohn nimmt sich zwei Tage frei und fährt mit dem Bus rund zwei Stunden zum Heim seiner Mutter. Dort angekommen, hält er nach einem Gespräch mit dem Heimleiter während der ganzen Nacht Totenwache. Obwohl auch einige Heiminsassen mit dabei waren, sprachen sie kein Wort miteinander. Meursault weinte kein einziges Mal und wollte seine verstorbene Mutter auch nicht ansehen. 
Am nächste Tag findet die Beerdigung statt. Es kommen nur der Heimleiter, eine Pflegerin und Thomas Perez, der seiner Mutter sehr nahe stand. Die kleine Gruppe muss trotz der grossen Hitze rund 45 Minuten laufen, bis sie im nächsten Dorf ankommt, wo die Kirche steht. Nach der Beerdigung kehrt Meursault zurück. 
Gleich am nächsten Tag trifft er auf seine Arbeitskollegin Marie, die er schon länger mochte. Die beiden verbringen einen schönen Tag zusammen. Sie gehen am Abend ins Kino, schauen dort ein Komödie und verbringen in der Folge die Nacht gemeinsam. Am folgenden Tag ist Meursault wieder alleine und weiss nicht so recht, was er tun soll. Schliesslich landet er bei seinem Nachbarn Raymond, der gleich eine Etage über ihm wohnt. Die beiden kennen sich nicht sonderlich gut, dennoch bittet Raymond seinen Nachbarn, ihm beim Verfassen eines Briefs an seine Ex-Freundin zu helfen. Er will sie zu sich locken, damit er sich an ihr rächen und sie endgültig verlassen kann. 
In den folgenden Wochen trifft er sich immer wieder mit Marie und die beiden haben viel Spass miteinander. Dennoch sagt ihr Meursault, dass er sie nicht liebe. Trotzdem macht Marie ihm einen Heiratsantrag, auf den Meursault antwortet, es sei ihm egal. 
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Inhaltsangabe: Eistod von Michael Theurillat


Inhalt
Es ist Weihnachtszeit und Kommissar Eschenbach, der bei der Zürcher Polizei arbeitet, ist einsam. Seine Frau hat ihn verlassen, er kämpft mit einer Grippe und verspürt keine Lust, etwas zu unternehmen. Auch eine Party bei seinem alten Freund Christoph Burri vermag ihn nicht aufzuheitern. Er meldet sich gar freiwillig zur Arbeit, um Weihnachten nicht allein feiern zu müssen, und ermittelt an Heiligabend den gewaltsamen Tod einer Prostituierten. Nach Weihnachten liegt auf seinem Schreibtisch die Nachricht, dass er sich bei einem gewissen Konrad Schwinn melden soll, da bei dem eingebrochen wurde.
Dieser Schwinn war über Weihnachten unvorhergesehen in den Militärdienst eingezogen worden, um einen Wiederholungskurs beim Nachrichtendienst zu absolvieren. Dabei muss Schwinn, der sowohl sprachbegabt als auch Assistenzprofessor an der ETH ist, im Nachrichtenzentrum drei arabische Nachrichten ins Deutsche übersetzten. Bei einem der drei Texte wird er stutzig, denn darin steht, dass der Biochemie Professor Theo Winter, für den Schwinn arbeitet, an geheimen CIA-Projekten mitgearbeitet haben soll, in denen es darum geht, neue Foltermethoden zu entwickeln. Schwinn versucht sich nichts anmerken zu lassen und kehrt in die Unterkunft zurück. Dort findet er bei seinem Kameraden Meiendörfer eine Studie zum Medikament, an dem er selber gemeinsam mit Winter forscht. Das ungewöhnliche daran ist, dass er diese Studie noch nie gesehen hat. Als er wieder an die ETH zurückkehrt, glaubt er, dass in seinem Büro eingebrochen wurde. 

Eschenbach versucht, Schwinn zu kontaktieren, was ihm aber nicht gelingt. Also spricht er mit Theo Winter, seinem ehemaligen Schulkollegen, mit dem er sich aber nie besonders gut verstanden hat. Überraschenderweise lädt Winter ihn zu Kaffee und Kuchen ein und die beiden sprechen über alte Zeiten, dem Thema Konrad Schwinn weicht Winter jedoch aus. Bei ihrem zweiten Treffen wenige Tage später, lässt sich das Thema aber nicht mehr vermeiden, denn Schwinn ist wie vom Erdboden verschluckt. Winter bittet Eschenbach, nach seinem Mitarbeiter zu suchen.
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Rezension: Eistod von Michael Theurillat


"Eistod" ist der zweite Kriminalroman des Schweizer Autoren Michael Theurillat. Ein intelligenter Krimi, bei dem sowohl die Charaktere als auch die Beschreibung der Orte mit viel Fingerspitzengefühl vorgenommen werden. Leider ist die Handlung etwas zu durchsichtig geraten.

Es ist tiefer Winter in Zürich, die Temperaturen liegen ungewöhnlich tief. Aus diesem Grund wird niemand misstrauisch, dass in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Obdachlose in der Kälte sterben. Durch einen Artikel im "Tages Anzeiger" kommt jedoch Schwung in die Sache und es stellt sich heraus, dass bei mehreren Leichen ein seltenes Fischgift im Körper gefunden wurde. Kommissar Eschenbach wird mit der Aufklärung der Todesfälle betraut. 
Zeitgleich macht Konrad Schwinn, Assistenzprofessor an der ETH im Bereich der Biochemie, eine führ ihn unvorstellbare Entdeckung. Im Militärdienst wird Schwinn gebeten, drei Arabische Texte für den Nachrichtendienst zu übersetzen. Einer handelt davon, dass sein Chef Theo Winter neue Foltermethoden für die CIA entwickelt haben soll. Kurz darauf verschwindet Schwinn spurlos. Eschenbach vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten und beginnt zu ermitteln. Bald schon stösst er auf verschiedene heisse Spuren, weiss jedoch nicht mehr, wem er trauen kann, denn die Spuren führen sowohl zu seinem Team als auch in sein privates Umfeld. 

Humoristischer und genauer Beobachter
Der Schreibstil von Michael Theurillat hat mich von der ersten Seite an überzeugt. Der Text liest sich leicht, ohne dass die Erzählweise plump oder einfach wäre. Die Szenen und Schauplätze werden mit viel Liebe zum Detail beschrieben, ohne jedoch langatmig zu werden und den Lesefluss zu stören. Was Theurillat meiner Meinung nach besonders gut gelungen ist, ist die Ausgestaltung der verschiedenen Charaktere. Vor allem Kommissar Eschenbach. Der alte, zynische Ermittler mit dem trockenen Humor, der keinen Hehl daraus macht, dass er gerne das eine oder andere Mal einen über den Durst trinkt und in einer Vergangenheit Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Drogen gemacht hat, wächst einem schnell ans Herz. Hinzu kommt, dass Theurillat den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt. Das Lesen macht bei diesem Krimi wirklich Spass.
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Inhaltsangabe: Die Stadt der Blinden von José Saramago

Inhalt
An einer Ampel in einer namenlosen Stadt erblindet ein unbekannter Autofahrer. Ein Mann bringt den verzweifelten Zeitgenossen, der alles nur noch weiss sieht, nach Hause. Er klaut ihm jedoch in der Folge das Auto. Kurze Zeit später erblindet auch der Dieb. Die Frau des ersten Blinden bringt ihren Mann zu einem Augenarzt. Im Wartezimmer treffen sie eine Frau mit einer dunklen Brille, einen Mann mit einer Augenklappe und einen schielenden Jungen mit seiner Mutter. Der Augenarzt kann dem aus unerklärlichen Gründen erblindeten Mann nicht helfen. 
Zu Hause beginnt der Arzt zu recherchieren. Bis spät in die Nacht durchforstet er seine Bibliothek, bis er selber merkt, dass er ebenfalls blind geworden ist. Der Arzt glaubt, dass es eine bisher noch unbekannte Epidemie ist und verständigt am nächsten Tag die Regierung. Diese glaubt ihm anfänglich nicht, doch als sie von weitere Fällen dieser rätselhaften Blindheit hört, handelt sie schnell. Alle bereits erblindeten Personen und diejenigen, die mit ihnen in Kontakt standen, werden abgeholt und in eine Irrenanstalt ausserhalb der Stadt gebracht, wo sie in Quarantäne gehalten werden. Das Militär bewacht das Gebäude. 
Zu Beginn sind es nur wenige Insassen. Der Augenarzt erkennt, dass seine Patienten ebenfalls vor Ort sind. Die Frau mit der dunklen Brille, der schielende Junge, der erste Blinde, seine Frau und der Autodieb. Ebenfalls mit dabei ist die Frau des Augenarztes. Sie gibt jedoch nur vor, blind zu sein, um bei ihrem Mann bleiben zu können. Ausser ihrem Mann weiss jedoch niemand, dass sie sehen kann. Dennoch hilft sie den anderen immer wieder ein wenig, sich in der unbekannten Umgebung zu Recht zu finden. 
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Rezension: Die Stadt der Blinden von José Saramago


"Die Stadt der Blinden" von José Saramago ist ein faszinierendes und abschreckendes Werk zu gleich. Es zeigt, wie die menschlichen Rechte und Würden in einer Katastrophensituation auseinander fallen und wie nahe wir Menschen in einem solchen Fall dem Tier kommen. 

In einer unbekannten Stadt erblindet an einer Kreuzung ohne erkennbaren Grund ein namenloser Autofahrer. Kurze Zeit später erblinden weitere Menschen. Die Regierung ist mit der Situation überfordert, da niemand den Grund für die plötzlichen Erblindungen kennt. Es wird entschieden, die Blinden und diejenigen, die mit erblindeten Personen in Kontakt standen, in eine ehemalige Irrenanstalt ausserhalb der Stadt zu verfrachten und sie dort wegzusperren. Das Gebäude wird von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, zu schiessen, sobald die Insassen ihr Territorium verlassen. 
Bereits nach wenigen Tagen ist die Unterkunft völlig überfüllt, die Hygiene lässt zu wünschen übrig und die Lebensbedingungen sinken mit jeder Stunde. Doch das Ganze wird noch schlimmer, als eine Gruppe von Blinden mit Gewalt die Macht an sich reisst und die Ausgabe des Essens kontrolliert. Die einzige Hoffnung für die Blinden ist die Frau eines erblindeten Augenarztes, die freiwillig in die Irrenanstalt ging, jedoch als einzige noch immer sehen kann.

Gewöhnungsbedürftiger Stil
Saramagos Text zu lesen, ist nicht ganz einfach. Die Satzzeichen werden sehr spärlich gebraucht, Anführungs- und Schlusszeichen werden gar nie verwendet. Auch Absätze sind nur wenige zu finden. Man braucht einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, vor allem ist es zu Beginn schwierig zu erkennen, wann eine Person spricht und wann nicht. Weshalb sich Saramago dieser Art des Schreibens bedient? Meine Idee ist, dass es uns beim Lesen ähnlich ergeht, wie den Blinden in der Irrenanstalt. Sie können nicht sehen, also müssen sie sich langsam vorwärts tasten, vielleicht mehrmals dieselbe Stelle passieren. Genauso müssen wir als Leser den Text aufmerksam lesen, uns voran tasten und gewisse Sätze zwei oder drei Mal lesen, um sie zu verstehen. Eine zweite Idee wäre, dass durch die wenigen Absätze und Unterbrechungen durch andere Satzzeichen der Text wie eine grosse Fläche daher kommt, eine Fläche, wie die grosse, weisse Fläche, welche die Blinden sehen.
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Inhaltsangabe: Unter Haien von Nele Neuhaus

Inhalt
Alex Sontheim gehört an der New Yorker Wallstreet zu den Besten. Ihr Spezialgebiet sind Firmenfusionen, mit denen sie wiederholt für Aufsehen sorgte. Sie übernimmt eine Stelle bei der Investmentfirma von Vincent Levy. Sontheim ist auch an ihrem neuen Arbeitsort auf Anhieb erfolgreich und sorgt für volle Kassen. Durch ihre Erfolge steigt sie auch in der sozialen Hierarchie New Yorks schrittweise auf und lernt dabei wichtige Leute kennen. Einer von ihnen ist der Grossindustrielle Sergio Vitali, einer der reichsten Männer der Stadt. Sie fühlt sich geschmeichelt von seinen Geschenken und seiner Aufmerksamkeit und lässt sich auf eine Affäre mit Vitali ein. Während sie ihr Leben im Luxus geniesst, schlägt sie mehrere Warnungen von Bekannten in den Wind, die ihr raten, in der Beziehung mit Vitali Vorsicht walten zu lassen, da es Gerüchte gäbe, dass er mit der Mafia Geschäfte mache. Einer dieser Bekannten ist New Yorks Bürgermeister Nikolas Kostidis, der seit Jahren versucht, Sergio Vitali das Handwerk zu legen, jedoch stets scheiterte.
Obwohl Sontheim eine Affäre mit Vitali hat, lässt sie sich auf den Journalisten Oliver Skerrit ein. Dieser arbeitet an einer Betrugsgeschichte, welche die Firma von Vincent Levy betrifft. Sontheim glaubt ihm jedoch nicht wirklich. 
Vitali bekommt Wind von der Sache mit Sontheim und Skerrit und lässt den Mann verprügeln. Nur kurze Zeit später findet Vitalis Geburststagsfeier statt, an der auch Sontheim teilnimmt. Sie verläuft sich in dessen grossem Haus auf der Suche nach der Toilette und hört so ein Gespräch zwischen Vitali und seinen  Mitarbeitern. Diese sprechen gerade davon, wie sie einen wichtigen Zeugen, der allenfalls gegen sie hätte aussagen können, aus dem Weg geräumt haben. Sontheim erkennt, dass die Warnungen, die sie erhielt, und die Zeitungsberichte über Vitalis Beziehungen zur Mafia korrekt waren. Gleichzeitig realisiert sie auch, in welcher Gefahr sie selber schwebt, wenn Vitali herausfindet, was sie weiss.
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