Rezension: Der König von Olten von Alex Capus


"Der König von Olten" ist eine kleine Sammlung von Kolumnen und Kurzgeschichten des in Olten wohnhaften Autoren Alex Capus. Mit viel Feingefühlt und Sinn für Humor beschreibt er Episoden aus dem Oltner Alltag, der durch Capus Augen alles andere als langweilig daher kommt. 

Zu beschreiben, worum es inhaltlich in diesem 114 Seiten kurzen Werk geht, ist nicht ganz einfach. Die kurzen Erzählungen sind nicht immer zusammenhängend, dennoch gibt es einige, die sich über mehrere Teile erstrecken. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie ereignen sich in Olten, dem Wohnort von Alex Capus. Dieser wohnt seit über 40 Jahren dort, hat in dieser Zeit an dreizehn verschiedenen Ort gewohnt und hat alle zweiundsiebzig Bars, Cafés und Beizen der Stadt besucht, wie im Autorenportrait auf der letzten Seite steht.
Dieser grosse Erfahrungsschatz und die Kenntnisse der örtlichen Begebenheiten, der Kultur und der Politik lässt Capus geschickt in seine Texte einfliessen. Der Oltner ist ein begnadeter Schriftsteller, der es schafft, mit seiner Liebe zum Detail, seinem Sinn für Humor und seinem einfachen und trotzdem harmonisch wirkenden Schreibstil, den Leser bestens zu unterhalten. Dies obwohl es keine zusammenhängende Handlung gibt und daher auch keinen spannungsvollen Plot. Es ist meiner Ansicht nach vor allem der Lokalkolorit und Capus humorvolle Erzählweise, die diese 114 Seiten zu etwas Besonderem machen.
Die Erzählungen aus Capus Jugend haben mir sehr gefallen. Diese sind gezeichnet von einer Portion Naivität, gepaart mit Abenteuerlust und dem Glauben, die Welt verändern zu können. Er schildert Anekdoten von Beizentouren, von verflossenen Liebschaften und Jugendträumen. Einer dieser Träume ist beispielsweise nach dem Bezahlen des Biers im Oltner Strandbad nicht durch die Tür hinaus zu gehen, sondern einfach in die Aare zu springen. Immer wieder lässt Capus auch historische Einschübe in seine Erzählungen einfliessen. So erfährt man beispielsweise, dass die Holzbrücke, die heute noch immer über die Aare führt, von den Franzosen erbaut wurde, nachdem die Berner diese angezündet hatten. Der Mix aus Historischem, Jugenderinnerungen und sonstigen Anekdoten und Erzählungen machen "Den König von Olten" zu einer kurzweiligen Lektüre, obwohl ich ansonsten überhaupt kein Fan von Textsammlungen bin.
Zum Abschluss möchte ich noch ein paar meiner persönlichen Highlights aus dem "König von Olten", der übrigens eine Katze namens Toulouse ist, angeben: "Mein Olten" ist eine Hommage an Capus Heimatstadt. "Eine seltsam, schiefrund geformte Perle" ist einer meiner Favoriten, denn darin erzählt Capus mit viel Humor und Schalk von der Hassliebe zwischen den Oltnern und den Solothurnern. Ebenfalls äusserst amüsant ist der Text "Hooliganismus älterer Damen", in dem Capus sich - nicht ganz ernst gemeint - über die Generation älterer Damen empört. "Es lebe die Badi" ist für mich dann so etwas wie das sozialkritische Highlight des Werks. Darin beschreibt Capus die Veränderungen, welche er bei den Badigästen festgestellt hat und dass er es bedauert, dass immer mehr Schweizer sich lieber zu Hause am eigenen Pool langweilen, als in der Badi gemeinsam mit Menschen unterschiedlicher Kulturen Spass zu haben.
Alles in allem kann ich allen, besonders denen, die Olten ein wenig kennen, das Buch wärmstens empfehlen. Das Lesen macht wirklich Spass. (fba)


Bibliografische Angaben:

Titel: Der König von Olten
Autor: Alex Capus
Seiten: 114
Erschienen: 209
Verlag: Knapp Verlag
ISBN-10: 390584818X
ISBN-13:  978-3905848182
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