Rezension: Die Chemie des Todes von Simon Beckett


"Die Chemie des Todes" ist der Auftakt zu Simon Becketts Krimiserie rund um den forensische Anthropologe David Hunter. Der erste Fall führt Hunter in ein kleines Englisches Dorf namens Manham, wo innert kurzer Zeit zwei Frauen brutal ermordet wurden. 

David Hunter verlässt London und zieht nach Manham, ein kleines und abgeschiedenes Dörfchen. Dort will er die schmerzlichen Erfahrungen vom Tod seiner Frau und seiner Tochter - sie wurden unschuldige Opfer eines betrunkenen Autofahrers - hinter sich lassen und einen Neuanfang wagen. In Manham übernimmt er das Amt des Dorfarztes. Eine Stelle, die für einen Mediziner von  Hunters Kaliber, der als einer der besten forensischen Anthropologen des Landes gilt und der Polizei bei Mordermittlungen schon des öftern von grosser Hilfe war, ein Leichtes. An seinem neuen Wohnort erzählt er niemanden von seiner Vergangenheit, versucht sich jedoch durch seine fachliche Kompetenz im Dorf nützlich zu machen.
Drei Jahre nach seiner Ankunft wird Manham von einem brutalen Verbrechen heimgesucht. Schriftstellerin Sally Palmer, die bekannteste Einwohnerin des Dorfes, wird tot aufgefunden. Die Identifikation ist allerdings nicht einfach, denn ihre Leiche lag schon mehrere Tage in der Nähe des Sumpfs und ist daher stark verwest. Hunter wird von der Polizei gebeten, sie mit seinem Fachwissen zu unterstützen. Dieser willigt nach längerem Überlegen ein. Bald darauf verschwindet wieder eine Frau aus dem Dorf und wird einige Tage später tot aufgefunden. Als auch Jenny Hammond, in die sich Hunter verliebt hat, verschwindet, steht fest, dass der brutale Mörder aus dem Dorf stammen muss.


Fliegen, Maden und anderes Ungeziffer
Unter der Arbeit eines forensischen Anthropologen dürften sich die wenigsten Leser vor der Lektüre des Werks etwas Konkretes vorgestellt haben. Simon Beckett, der ursprünglich für einen Artikel, den er für das "Daily Telegraph Magazine" schrieb, zur sogenannten Body Farm nach Tennessee reiste, liess sich dort für dieses Werk inspirieren. Im Nationalen Forensischen Institut, wo die Teilnehmer tatsächlich an menschlichen Überresten ausgebildet werden, holte sich Beckett sein beeindruckendes Fachwissen, das er in "Die Chemie des Todes" einfliessen liess.


So schafft er es, die Arbeit seines Krimihelden David Hunter für den Leser extrem realitätsnah darzustellen. Dadurch erfährt man, dass sich in jedem Verwesungsstadium andere Fliegen, Maden und Käfer am menschlichen Körper zu schaffen machen, welche Parameter (Wetter, Temperatur, Feuchtigkeit...) die Verwesung beschleunigen oder verlangsamen können und dass sich daraus der exakte Todeszeitpunkt berechnen lässt. Einen faszinierenden, wenn auch nicht gerade appetitlichen Beruf, den Beckett für seinen Protagonisten gewählt hat.

Story und Charaktere top
Doch Beckett vermag nicht nur mit seinem Fachwissen über Forensik und Psychologie, die dann vor allem beim Motiv des Mörders eine wichtige Rolle spielt (mehr soll hier aber noch nicht verraten werden), zu überzeugen, sondern auch seine Erzählweise und der Plot sind klasse. Von der ersten Seite an ist man als Leser in der Handlung drin und will unbedingt wissen, wer diese abscheulichen Morde verübt. Ebenfalls sehr überzeugend finde ich die Darstellung des Dorfes Manham mit seinen vorwiegend älteren, konservativen und gegenüber Neulingen sehr reservierten Bewohnern. Als klar ist, dass jemand aus dem Dorf für die Morde verantwortlich ist, verhärten sich die Fronten, gegenseitige Beschuldigungen sind an der Tagesordnung und jeder wird plötzlich zu einem potentiellen Mörder. Diese subtilen Veränderungen innerhalb der Gemeinde und die wechselnde Atmosphäre werden von Beckett äusserst gelungen eingefangen.
Aber auch die verschiedenen Figuren sind dem Erfolgsautoren gut gelungen. Jeder Charakter hat eine eigenen Geschichte, die in die Erzählung mit einfliesst und das Lesen so interessanter macht. Vor allem mit Hunter, der in einer schwierigen Lebensphase steckt, fühlt man als Leser mit.

Becketts Serie rund um Dr. David Hunter kann ich also nur wärmstens empfehlen. Wer Spannung und unheimliche, teils auch etwas unappetitliche Erzählungen mag, der soll sich auf jeden Fall an Beckett versuchen. Einzige klitzekleine Kritik: Ein paar Vorausdeutungen der Art "noch wusste er nicht, dass ..." hätte sich Beckett schenken können. (fba)


Bibliografische Angaben:


Titel: Die Chemie des Todes
Autor: Simon Beckett
Seiten: 432
Erschienen: 2006
Verlag: Wunderlich
ISBN-10: 3805208111
ISBN-13: 978-3805208116
Bewertung: 


2 Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Wer solche Bücher gut findet ist dumm.
Wer leid und schmerzen sehen will der sollte öfter Nachrichten schauen und darüber nachdenken!
Für mich sind die Schriftsteller potenzielle Verbrecher oder zumindest die, die den Verbrechern Ideen liefern.
Als ob die Welt nicht schlimm genug wäre!!!!

Anonym hat gesagt…

Ernsthaft?

Jetzt darf man nicht einmal mehr Krimis lesen weil sie gewaltfördernd sind?
Haben wir solche Anschuldigungen nicht schon zur genüge bei Videospielen?
Und was ist mit den Filmen? Wir jetzt jedesmal eine Bombe hoch gehen wenn ein Actionfilm relased wird? Mein Gott
Die Menschen von heute können Fantasie und Realität auseinander halten und die Mörder brauchen keine Ideen die sind nämlich schon lange in ihren kranken Gehirnrn drin.

Die Welt wird nicht besser wenn wir keine Krimis (Bücher) lesen sie wird blos langweiliger.

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