Die meistgelesenen Beiträge 2012

Zum Start ins neue Jahr habe ich die mittlerweile über 350 Posts, die in den vergangenen knapp drei Jahren auf diesem Blog veröffentlicht wurde, durchgeschaut. Daraus ist eine Zusammenstellung der drei meistgelesenen Beiträge pro Kategorie entstanden. Viel Spass beim Herumstöbern!

Top 3 der Inhaltsangaben:
1. Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter, 38'191 Aufrufe (Vorjahr: Platz 1, 12'688 Aufrufe)
2. Sansibar oder der letzte Grund von Alfred Andersch, 19'740 Aufrufe (Platz 3, 9'340 Aufrufe)
3. Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer, 12'458 (nicht in den Top 3)

Top 3 der Rezensionen:
1. Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter, 9'316 Aufrufe (Platz 1, 2'500 Aufrufe)
2. Der Vorleser von Bernhard Schlink, 3'467 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. Die Schachnovelle von Stefan Zweig, 1'872 Aufrufe (nicht in den Top 3)

Top 3 der Literaturepochen:
1. Postmoderne, 13'819 Aufrufe (1. Platz, 6'200 Aufrufe)
2. Exilliteratur 1933-1944, 10'060 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. Literatur nach 45 in der BRD, 8'576 Aufrufe (Platz 2, 4'582 Aufrufe)

Top 3 der Fachbegriffe:
1. aristotelisches Drama, 10'300 Aufrufe (Platz 1, 2'345 Aufrufe)
2. erlebte Rede, 4'260 Aufrufe (nicht in den Top 3)
3. bürgerliches Trauerspiel, 4'114 Aufrufe (nicht in den Top 3)
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Rezension: Gefährliche Entwicklungen von Andreas Schneider


"Gefährliche Entwicklungen" - damit meint Autor Andreas Schneider die zunehmende Jugendgewalt. Diese macht er in seinem Werk zum Hauptthema, verzettelt sich dabei aber sowohl inhaltlich als auch formal.

Thomas Klein ermordet seine Lehrerin mit mehreren Messerstichen. Einen Klassenkameraden, der sich ihm in den Weg stellen wollte, verletzt er ebenfalls. Noch auf dem Schulareal wird er verhaftet. Die unbegreifliche Tat löst eine Welle der Entrüstung und der Trauer in der Bevölkerung aus. Es gibt Proteste, die bald auf das ganze Land überschwappen, so dass sich die Politiker genötigt sehen, etwas zu unternehmen. In Zusammenarbeit mit Experten entscheiden sie sich dafür, dass in solch extremen Fällen das Erwachsenenstrafgesetz auch auf Jugendliche angewendet werden darf. Thomas wird entsprechend zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Wenige Monate später wird auch Robert, der auf einem Bahnhof einen bekannten Journalisten zu Tode geprügelt hatte, lebenslang hinter Gitter gesteckt - in dasselbe Gefängnis wie Thomas. Die beiden Freunden sich an, doch als sie wieder in die Freiheit kommen, trennen sich ihre Wege.

Realitätsfremde Story
Die Ausgangsidee, der sich Andreas Schneider in diesem Buch widmet, ist sehr interessant und viel versprechend. Was er daraus macht, ist allerdings alles andere als gelungen. Die Story ist völlig unrealistisch. Natürlich ist ein Amoklauf eine tragische Sache, aber dass aufgrund eines einzigen Todesfalles gleich ein ganzes Land auf die Barrikaden geht, tausende von Menschen nicht zur Arbeit erscheinen und vor dem Regierungsgebäude protestieren, ist wohl doch ziemlich übertrieben. Dass sich die Regierung dann innerhalb einer halben Stunde - wie soll denn das bitte gehen? - zu einer Sitzung trifft und sich kurz darauf mit Experten berät, ist ebenfalls an den Haaren herbeigezogen. Auch die Einführung des neuen Gesetzes, das vorsieht, Jugendliche nach dem Erwachsenenstrafgesetz zu verurteilen, ist gelinde gesagt speziell.
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Inhaltsangabe: Massimo Marini von Rolf Dobelli


Inhalt
Wyss ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt, leidet jedoch an Depressionen. Daher zieht sich der in Zürich tätige Anwalt immer mehr aus dem täglichen Geschäft zurück. Nur noch einen Klienten betreut er: Massimo Marini. Der Sohn italienischer Einwanderern, die ihn im Alter von vier Monaten in die Schweiz geschmuggelt hatten, steckt in einer äusserst schwierigen Situation. Sein Sohn Raffael ist von Anti-Atomstrom Aktivisten entführt worden, die drohen, ihn umzubringen. Aus unbekannten Gründen entlässt Marini seinen langjährigen Anwalt fristlos. Wyss stürzt noch weiter ab und lässt sich in eine Privatklinik einliefern. Dort beginnt er - aus Therapiezwecken - die Lebensgeschichte von Massimo Marini niederzuschreiben, der über Jahre hinweg sein Lebensmittelpunkt war. 

Massimos Vater kam als Saisonnier in die Schweiz. Er hatte es nicht leicht, kämpfte sich jedoch gemeinsam mit seiner Frau durch. Als die Secondos in der Schweiz offiziell akzeptiert waren (nach der Schwarzenbach-Initiative), gründete Giovanni Marini seine eigene Firma, eine Tunnelbaufirma. Das Geschäft lief gut, doch Giovanni behandelte seine Angestellten schlecht. Seinem Sohn Massimo passt dies nicht. Dieser entfernte sich immer weiter von seinem Vater. Das Handwerk interessierte ihn nicht. Seine Interessen lagen im Theaterspielen und in der Philosophie. Seinem Vater gab er vor, Architektur zu studieren, doch in Tat und Wahrheit absolvierte er ein Philosophie-Studium. Massimo hatte sich in den Kopf gesetzt, für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Da dies in der Schweiz kaum möglich war, entschloss er sich, ein Semester in Paris zu studieren, da er sich erhoffte, dort in linken Aktivistenkreisen Unterschlupf zu finden. Doch dies gelang ihm nicht wirklich. Wieder zurück in der Schweiz mauserte er sich zu einem der Anführer der sogenannten Opernhauskrawalle in Zürich. Im Zuge dieser wurde er verhaftet, was für seinen Vater schlimme Konsequenzen hatte. Giovanni Marini wurden alle staatlichen Aufträge entzogen, das Geschäft musste Konkurs anmelden und der Kontakt zwischen Vater und Sohn brach ab.
Massimo entschloss sich, in Berlin ein Literaturstudium aufzunehmen, während sein Vater in der Schweiz einen Neuanfang mit einer Kanalbaufirma wagte. In Deutschland demonstrierte Massimo gemeinsam mit seinen Freunden Klara und Nick gegen US-Präsident Reagan und gegen Atomtransporte. Die Aktionen werden immer gewagter und als Klara bei der Blockade eines Atomtransportes starb, um Massimos Leben zu retten, entschied sich dieser, auszusteigen. Kurz darauf starb auch noch sein Vater und Massimo kehrte in die Schweiz zurück.
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Rezension: Massimo Marini von Rolf Dobelli


„Massimo Marini“ von Rolf Dobelli ist die Geschichte eines Secondo-Sohns, der in seinem Leben eine Reise quer durch alle Schichten und Facetten der Schweizer Gesellschaft macht. Die Erzählung, durch die Dobelli sehr gekonnt führt, ist jedoch überladen.

Massimo Marini wird im Alter von vier Monaten im tiefsten Winter in einem Koffer von Italien in die Schweiz geschmuggelt. Seine Eltern arbeiten beide als Saisonniers in der Schweiz und dürften aufgrund der Aufenthaltsbestimmungen kein Kind haben. Massimo wird daher die ersten Jahre versteckt aufgezogen und hat auch später, als er legal in der Schweiz weilt, mit Vorurteilen und Rassismus zu kämpfen.
In der Schule interessiert sich für Theater und Philosophie – sehr zum Missfallen seines Vaters, der ein Tunnelbauunternehmen führt. Massimo beginnt ein Philosophiestudium, erzählt seinen Eltern jedoch, dass er Architektur studiere. Er verbringt ein Auslandsemester in Paris, wo er in die links-alternative Szene rutscht. Zurück in der Schweiz bleibt er seiner Linie treu und wird als einer der Anführer des Opernhauskrawalls, im Zuge dessen er verhaftet wird, aktiv. So kommt Massimos Vater dem Schwindel seines Sohns auf die Schliche, doch auch die Öffentlichkeit bekommt Wind von der Sache. Die Konsequenz: Massimos Vater alle staatlichen Aufträge entzogen. Die Firma geht Konkurs, Vater und Sohn haben keinen Kontakt mehr.
Massimos Vater schlägt sich durch und baut sich eine Kanalisationsfirma auf. Massimo studiert in der Zwischenzeit Literatur in Deutschland, wo er sich weiter in der linken Szene aufhält und gegen Atomstrom und Ronald Reagan demonstriert. Doch dann stirbt sein Vater und Massimo entscheidet sich, die Firma seines Vaters zu übernehmen, obwohl er keine Ahnung von der Materie hat.

Hohe schriftstellerische Kunst
Rolf Dobelli nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schweizer Geschichte, die in der heutigen Gesellschaft endet. Geschickt verknüpft er an der Person Massimo Marini die Secondo-Problematik in der Schweiz, die in der Schwarzenbach-Initiative gipfelte, die Opernhauskrawalle, die Antiatomstrom-Bewegung, die Schweizer Baubranche und auch der soziale Auf- und Abstieg. Was beeindruckt ist, wie Dobelli diese vielschichtige und komplexe Geschichte gekonnt zusammenfügt und von Massimo Marinis Rechtsanwalt Wyss, der sich wegen Depressionen in einer Klink in Zürich befindet, erzählen lässt. Ebenfalls überzeugend ist die Recherchearbeit, die Dobelli auf sich genommen hat, um den Roman zu verfassen. Dies zeigt sich nicht nur am detaillierten Wissen, das er über die Secondos, den Tunnelbau oder die klassische Musik einfliessen lässt, sondern auch daran, dass sich seine Sprache und die Art zu schreiben jedes Mal verändert, wenn sich die Person in Roman in einem anderen Milieu aufhält.
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Inhaltsangabe: Léon und Louise von Alex Capus


Inhalt
Der 17-jährige Gymnasiast Léon Le Gall reisst von zu Hause aus und fährt mit seinem Fahrrad von Cherbourg in ein kleines Dorf, wo er während dem ersten Weltkrieg am kaum befahrenen Bahnhof als Morser arbeitet. Er hat nicht viel zu tun, geniesst jedoch das eigenständige Leben. Auf dem Weg wurde er von einem Mädchen in seinem Alter auf dem Fahrrad überholt. Sie hat ihm gefallen, doch seither hat er sie nie wieder gesehen.
Bei einem seiner abendlichen Barbesuche kommt sie plötzlich zur Tür rein. Sie wechseln ein paar Worte, sie scheint jedoch nicht sonderlich viel Interesse zu haben.  Ihre geheimnisvolle Art macht sie für Léon aber noch interessanter. Die Bewohner des Dorfes erzählen ihm, dass sie Louise Janvier heisst und beim Bürgermeister als Assistentin arbeitet. Mehr weiss man über sie nicht, denn sie ist erst kurz vor Léon im Dorf angekommen.
Léon und Louise treffen sich in der Folge regelmässig, sprechen miteinander über Gott und die Welt und verstehen sich gut. Léon, der handwerklich begabt ist, repariert ihr Fahrrad und montiert ihr eine Klingel, was Louise eigentlich nicht passt. Sie belässt es trotzdem so. An einem freien Wochenende überredet Léon Louise, mit ihm nach Cherbourg ans Meer zu kommen und dort zwei Tage zu verbringen. Sie willigt ein und die beiden geniessen eine schöne Zeit miteinander. Ohne viele Worte gestehen sie einander ihre Liebe, doch das junge Glück ist nur von kurzer Dauer. Auf dem Rückweg - der erste Weltkrieg neigt sich dem Ende - werden die beiden von einem Flugzeugangriff überrascht. Sie werden getroffen und bleiben, mit einigem Abstand von einander, auf der Strasse liegen.

Léon lebt mittlerweile in Paris. Seit dem Unfall sind zehn Jahre ins Land gezogen. Die Wunden sind verheilt, doch von Louise hat er nichts mehr gehört. Er hat sich im Lazarett nach ihr erkundigt und kehrte ins Dorf zurück, doch niemand wusste etwas von ihr.
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Rezension: Léon und Louise von Alex Capus


"Léon und Louise", das neuste Werk des Schweizer Autoren Alex Capus erzählt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zweier Menschen, die alles andere als voraussehrbar verläuft und in der die beiden Weltkriege eine zentrale Rolle spielen. 

Léon Le Gall ist gerade mal 17 Jahre alt, als er in einem kleinen Dorf in Frankreich, wo er an einem kaum befahrenen Bahnhof als Morser arbeitet, auf Louise Janvier trifft. Sie ist die Assistentin des Bürgermeisters und hat die schwierige Aufgabe übernommen, die Familien, der im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten, über den Verlust ihrer Söhne, Ehemänner oder Väter zu informieren. Trotz anfänglicher Sticheleien, vor allem von Louise, verstehen sich die beiden gut. Sie verbringen viel Zeit miteinander, sprechen über Gott und die Welt. Doch dann, als sich der erste Weltkrieg bereits dem Ende nähert, werden die beiden bei einem Flugzeugangriff verletzt. Als die beiden wieder erwachen, beide in einem Lazarett, haben sie einander aus den Augen verloren. Es dauert Jahre, bis sie sich wieder treffen. 

Alles andere als Hollywood-like
Nicht schon wieder eine dieser elenden, schon gefühlte 1000 Mal gelesenen oder in einer kitschigen Hollywood-Verfilmung gesehenen Liebesgeschichten von zwei Menschen, die sich treffen, gleich wissen, dass sie füreinander bestimmt sind, sich aus den Augen verlieren und dann über eine völlig unrealistische Verkettung glücklicher Zufälle zueinander finden. Nicht schon wieder eine Erzählung, vollgestopft mit romantisch-kitischigen Liebesschwüren und einem Friede-Freude-Eierkuchen-Happy-End. Das habe ich mir gedacht, als ich die Beschreibung von Alex Capus neuem Roman gelesen habe. Dennoch habe ich mich entschieden, das Buch zu lesen - es hat sich gelohnt.
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Rezension: Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz von Elk von Lyck


"Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz" von Elk von Lyck ist eine Mischung aus Roman und Sachbuch. Eine Kombination, die weder schlecht, noch vollkommen überzeugend umgesetzt wurde. 

Die Engländerin Emily Brown arbeitet während dem zweiten Weltkrieg als Auswerterin in der Britischen Armee. Sie bekommt die Bilder, welche von Piloten während Aufklärungsflügen geschossen wurden, zur Analyse. Aufgrund ihrer Arbeit werden dann die Ziele für Bombenangriffe ausgesucht. Auf einem Foto entdeckt Emily ein Lager, in das mit Hilfe von Zügen grosse Menschenmengen gebracht werden. Sie erkennt schnell, dass nicht alle Menschen Platz finden in der Unterkunft und schliesst daraus, dass diese im Lager systematisch hingerichtet werden. Die Entdeckung meldet sie ihrem Vorgesetzten, doch der ignoriert sie. Daher wendet sie sich an die nächst höhere Stelle - mit demselben Resultat. Also entschliesst sie sich, die Sache selber in die Hand zu nehmen.
Mit einer Pistole bewaffnet und als Hausmädchen verkleidet, gelangt sie ins Büro von Arthur Harris, dem Marshall der Britischen Luftwaffe. Sie bedroht ihn mit der Waffe und bringt ihn dazu, einen von ihr vorbereiteten Befehl zu unterzeichnen, in dem steht, dass die Geleise, die zum Lager führen, bombardiert werden sollen. Emiliy und Harris bleiben während den Stunden, die es dauert, bis der Auftrag ausgeführt ist, gemeinsam im Büro - ein Dialog über Schuld, Gerechtigkeit und über das Gute im Menschen beginnt.

Überzeugender Beginn
Elk von Lyck hat für sein Werk keinen Verlag gefunden und es entsprechend bei "Books on Demand" herausgebracht. Als ich die ersten paar Kapitel gelesen hatte, fragte ich mich: Wieso wurde dieses Werk von keinem Verlag angenommen? Denn der Anfang der Erzählung finde ich sehr überzeugend. Die Idee, dass eine einfache Soldatin auf diese Art und Weise versucht, den Lauf der Geschichte zu ändern, ist mehr als originell und zudem erst noch gut umgesetzt. Man ist als Leser sofort in der Geschichte drin und möchte unbedingt wissen wie es weiter geht.
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Inhaltsangabe Die Auswerterin: oder Das Ende von Auschwitz von Elk von Lyck

Inhalt 
Emily Brown arbeitet während dem zweiten Weltkrieg als Auswerterin bei der britischen Armee. Sie wertet Luftbilder aus, die ihr die Piloten von ihren Erkundungsflügen aus Europa mitbringen. Auf einem Bild erkennt sie ein Lager, in das immer wieder viele tausend Menschen per Zug gebracht werden. Ihr ist schnell klar, dass niemals alle diese Menschen in diesem Lager untergebracht werden können, sondern dass sie dort systematisch liquidiert werden. Sie meldet ihre Beobachtung ihrem Vorgesetzten. Dieser reagiert auf die Entdeckung des KZ Auschwitz nicht und so wendet sich Emily an die nächst höhere Stelle, doch dort widerfährt ihr dasselbe. Niemand scheint sich für dieses Lager und die dort ablaufenden Gräueltaten zu interessieren. 

Emily fasst daher einen radikalen Entschluss. Als Dienstmädchen getarnt schleust sie sich ins Büro von Arthur Harris, dem Marshall der Britischen Air Force. Sie legt Harris die Bilder vor, doch der reagiert wie bereits die anderen Vorgesetzten. Emily bleibt keine andere Wahl: Sie zieht ihren Revolver und richtet diesen auf Harris. Sie zwingt ihn, den von ihr vorbereiteten Angriffsplan, die Gleise, die zum KZ in Auschwitz führen, zu zerstören, zu unterschreiben. Ohne grossen Widerstand setzt Harris seine Unterschrift darunter und übergibt die Pläne an seinen Sekretären, der die Piloten, die bereits gestartet sind, über die Änderung in Kenntnis setzt. Der Marshall glaubt, dass er, sobald Emily weg ist, den Befehl wieder rückgängig machen kann. Doch Harris unterschätzt seine Gegenspielerin, denn Emily will die acht Stunden, die es dauert, bis die Bomben abgeworfen werden, in Harris Büro bleiben und ihn im Schach halten. Harris und Emily beginnen eine lange Diskussion über Gerechtigkeit, Schuld und darüber, wie viele Informationen die Allierten über die Taten der Nazis haben.
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Inhaltsangabe: Doppelpass von Charles Lewinsky

Inhalt
Tom Keita verdient sein Geld als Fussballspieler in der Schweiz. Dank seinen sportlichen Erfolgen hat sich Tom, der aus Guinea stammt, schnell und problemlos in das neue Land integriert. Er ist mit der ehemaligen Miss Schweiz Teilnehmerin Claudia liiert und die beiden wollen schon bald heiraten. Aufgrund der euphorischen Briefe, die Tom in seine Heimat schickte, entschied sich sein Vetter ebenfalls in die Schweiz zu kommen. Illegal - versteckt in einem Lastwagen - reiste dieser in die Schweiz und schlug sich zu seinem Vetter, dem berühmten Tom Keita durch.
Er wartet, bis die vielen Leute, die bei Tom zu Hause dessen Verlobung mit Claudia feierten, verschwunden waren. Dann geht er zu Claudia, die jedoch panische Angst bekommt und glaubt, sie würde überfallen. Tom, der bereits geschlafen hat, erwacht und will den unbekannten Eindringling mit einer Waffe bedrohen, doch dabei löst sich ungewollt ein Schuss. Es ist allerdings nur ein Streifschuss am Arm und Tom erkennt bei näherem Hinschauen seinen Vetter.
Er beschliesst, ihm zu helfen. Doch da am nächsten Tag ein Interviewtermin mit der Schweizer Illustrierten für eine Homestory auf dem Programm steht, entscheidet Claudia, dass Toms Vetter im Keller verschwinden muss. Nach dem Shooting und dem Interview besteht Claudia zudem darauf, dass der ungebetene Gast aus dem Haus muss, da dies für negative Presse sorgen könnte, was ihre grösster Albtraum ist. Also bringt Tom seinen Verwandten in ein leer stehendes Ferienhaus, das Ilona Federspiel, der Chefin von Claudia gehört. Dort bekommt Toms Vetter bald schon Besuch von Federspiels Sekretärin. Diese findet Gefallen an dem Fremden und beginnt mit ihm eine Affäre. Nach wenigen Tagen liefert sie ihn dann bei einem Bekannten ab, wo er in einer Schreinerei Arbeit findet. Seine Arbeitskollegen verpassen ihm den Übernamen Mike.
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Rezension: Doppelpass von Charles Lewinsky


„Doppelpass“, so der Titel des Fortsetzungsromans des Schweizer Erfolgsautoren Charles Lewinsky. Während einem Jahr erschien jede Woche ein Kapitel in der Weltwoche. Thematisiert werden darin die Asylproblematik, der Fussball, die Politik, sowie die Massenmedien.

Tom Keita stammt aus Guinea und ist erfolgreicher Fussballprofi in der Schweiz. Soeben hat er sich verlobt mit Claudia, der ehemaligen vierten der Miss Schweiz Wahl. Ein Vetter von Tom reist aufgrund der euphorischen Briefe, die Tom in seine Heimat schickte, in die Schweiz, um dort reich zu werden und seine Familie zu ernähren. In Spanien werden ihm jedoch die Papiere genommen und so reist er in einem Lastwagen versteckt in die Schweiz ein und kämpft sich bis zum Haus von Tom durch. Da er in der Nacht um drei bei Tom aufkreuzt erschrickt Claudia, weil sie meint, dass sie überfallen wird. Tom, der bereits geschlafen hat, erwacht und schiesst mit einem Gewehr unabsichtlich auf seinen Vetter - ein Streifschuss am Arm. Nach dem anfänglichen Schock erholen sich alle Beteiligten und Tom versteckt seinen Vetter im Keller. Bald schon kommt es zum Streit mit Claudia, die den Vetter um jeden Preis aus dem Haus haben will, wenn die Schweizer Illustrierte für eine Homestory ins Haus kommt. Also bringen sie ihn in eine Ferienwohnung. Als Tom eine Woche später wieder vorbei schauen will, um seinen Vetter nach Hause zu holen, ist dieser nicht mehr da.

Vorteilhafte Präsentation in der Öffentlichkeit
Charles Lewinsky erweist sich in diesem Roman als scharfer und kritischer Beobachter der Schweizer Gesellschaft und lässt dabei Politik, Medien, Asylwesen und Sportwelt nicht gut aussehen. Vor allem die Charaktere von Claudia und Eisenbenz, dem Politiker und Präsidenten des Fussballvereins von Tom, sind in dieser Beziehung äusserst gelungen. Mit Witz und Ironie, aber dennoch plausibel und überzeugend, zeigt Lewinksy auf, wie die beiden, stets auf ihre Karriere gedacht, versuchen ihre Mitmenschen zu manipulieren, um sich in der Öffentlichkeit in einem möglichst guten Licht zu präsentieren. Dabei ist bei beiden auffallend, wie stark sie mit den Medien spielen und diese so auf ihre Seite ziehen. Diese Tatsache ist umso brisanter, als dass Lewinsky sein Buch in der „Weltwoche“ veröffentlichte, der man gemeinhin nachsagt, der SVP nahe zu stehen. Um dem Ganzen noch ein wenig mehr Würze zu verleihen, macht er Eidenbenz gleich noch zu einem Parteimitglied der SVP.
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Inhaltsangabe: Das Hibernat von Rolf Schönlau

Inhalt 
Simon Reese, ein ehemaliger Kulturdezernent, lebt in einer Welt nach dem automobilen Zeitalter. Entsprechend gibt es keine Autos, ebenfalls kann keine Energie mehr aus Erdöl gewonnen werden und die Bewohner haben nur ein gewisses Mobilitätskontingent, das sie einsetzen können, um sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fort zu bewegen. 
Reese lebt allein, wo genau, erfährt man in der Erzählung nicht. Sein Sohn, dessen Ehefrau und die gemeinsame Tochter leben in Asien, so dass Reese nur per Mail Kontakt mit ihnen halten kann. Der 71-Jährige entscheidet sich dafür, zu hibernieren. Dies bedeutet, dass er für vier Monate, von November bis Februar in einem Hibernakel eingeschlossen wird, wo er eine Art Winterschlaf durchlebt und in dieser Zeit Energie für die Gesellschaft liefert. Im Gegenzug erhält er Mobilitätseinheiten, die er für Reisen einsetzen kann, und wird rundum erneuert. Die Erzählung besteht aus Tagebucheinträge von Reese, der die letzten 100 Tage bevor er ins Hibernakel steigt, beschreibt.  
Reese besorgt sich Informationsbroschüren und bereitet sich so auf den Aufenthalt im Hibernat vor. In regelmässigen Abständen muss er sich medizinischen Kontrollen unterziehen, bei denen er jeweils komplett durchgecheckt wird, damit der Aufenthalt im Hibernat zu keinen Komplikationen führt. Bei seinen Besuchen freundet er sich mit der Sekretärin Claire-Aimée an. Zudem hat er per Mail immer wieder Kontakt mit der Ehefrau seines Sohns und seiner Enkelin. Ihr schreibt er verschiedene kurze Geschichten, um zu erklären, was er in den vier Wintermonaten tut und vergleicht sich selbst  mit einem Bären, der einen Winterschlaf hält.
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Rezension: Das Hibernat von Rolf Schönlau


„Das Hibernat“ von Rolf Schönlau ist ein gut 150-seitiges e-Book, das sich mit einer Zukunftsvision der Welt befasst, die nach dem automobilen Zeitalter spielt und sich daher neuer Energiequellen bedienen muss – beispielsweise dem Winterschlaf.

Simon Reese ist ein pensionierter Kulturdezernent und lebt nach dem Tod seiner Frau vor sieben Jahren allein. Jan, sein Sohn, wohnt mit seiner Frau und seiner Tochter in Asien. Reese entscheidet sich, ins Hibernat zu gehen und sich dort während vier Monaten in einen künstlichen Winterschlaf versetzen zu lassen. Damit produziert er Energie für die Gesellschaft und erhält im Gegenzug einerseits Moblitätskilometer, die er einsetzen kann, um mit der Bahn oder dem Flugzeug zu reisen, und andererseits wird er rundum erneuert. Im Werk werden die letzten 100 Tage bevor Reese ins Hibernat geht, in Tagebuchform festgehalten.

Stück für Stück eine Welt aufgebaut
Die Erzählung von Rolf Schönlau erschien 2011 als Blog in der Süddeutschen Zeitung und nun in kompakter Version als e-Book. Wie für Blogeinträge üblich, sind die einzelnen Episoden kurz gehalten. Daher sind auch die meisten Tagebucheinträge nur rund eine oder einenhalb Seiten lang. Dennoch schafft es Schönlau in den 100 Episoden eine relativ umfassende Zukunftsvision zu kreieren, die nach dem automobilen Zeitalter spielt. Es gibt eine eigene Zeitrechnung, für alle Bewohner ein gewisses Mobilitätskontingent, mit dem sie reisen können, es gibt Autosimulatoren, damit die Bewohner den Spass am Autofahrer nicht verlieren und viele andere Dinge wie Gehirnwellentraining oder Floaten. Diese zukünftige Welt wird von Schönlau Schritt für Schritt aufgebaut und man kann als Leser beinahe aus jedem Tagebucheintrag ein kleines Detail mitnehmen, um es am Ende zur in der Erzählung vorhandenen Realität zusammenzusetzen. Dadurch wird das Lesen interessant gemacht.
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Inhaltsangabe: Die Jagd auf Osama bin Laden von Peter L. Bergen


Inhalt
Peter L. Bergen beginnt mit einer Beschreibung von Osama bin Ladens Anwesen in Abbottabad und erzählt von den Umständen, unter denen der Terroristenführer dort gelebt hatte. Das Haus war von einer hohen Mauer umgeben, durch die Fenster im obersten Stock, wo bin Laden wohnte, konnte man von draussen nicht nach innen sehen und ein Teil des Gartens war mit Planen überdeckt, damit keine Satellitenbilder gemacht werden konnten. Bin Laden verbrachte die meiste Zeit in seinem Zimmer, wo er las, Videos schaute und die nächsten Angriffe der al Qaida ausheckte. Allerdings war er nur über einen Kurier (den Kuwaiter) mit seiner Terrororganisation in Kontakt, was die Kommunikation deutlich verlangsamte. In Abbottabad lebte der Familienmensch bin Laden mit Teilen seiner Familie. Der in Saudi Arabien geboren bin Laden hat in seinem Leben drei Mal geheiratet und hatte viele Kinder. Er war sehr religiös und betete sieben Mal am Tag. 1988 gründete er die al Qaida und war seither unangefochtener Anführer.
Nach diesen grundlegenden Informationen im ersten Kapitel beginnt Bergen mehr oder weniger chronologisch die Abläufe seit dem 11. September 2001 zu schildern. Nach den Anschlägen war die Verbindung zur al Qaida schnell hergestellt, doch bin Laden wollte öffentlich nicht dazu stehen, weil Afghanistan, wo er sich zur damaligen Zeit befand, ihn sonst an die USA ausgeliefert hätte. Die Amerikaner zögerten jedoch, zur Überraschung von bin Laden, nicht lange und griffen Afghanistan an. Bereits zwei Monate nach den Anschlägen blieb bin Laden nichts anderes mehr übrig, als nach Tora Bora zu flüchten, ein unwegsames, hügeliges Gebiet in Afghanistan. Doch auch dort wurde er bald eingekesselt und konnte nur entkommen, weil die Amerikaner nicht fähig waren, „den Sack zu zumachen“. An dieser Stelle beschreibt Bergen sehr anschaulich, welche Fehlbeurteilungen der Amerikanischen Entscheidungsträger dazugeführt haben, dass man bin Laden nicht bereits 2001 gefangen hatte.
Osama bin Laden entkam in Tora Bora und die Amerikaner wussten lange Zeit nicht, wo er war. Es gab viele Gerüchte, doch keine Beweise für seinen Aufenthaltsort. In Afghanistan waren die USA, was die Bekämpfung der al Qaida betrifft, dennoch ziemlich erfolgreich, konnten sie doch viele ranghohe Mitglieder verhaften und verhören (teils nicht immer mit legalen Mitteln). Von bin Laden, der auf jegliche Kommunikation übers Internet oder Mobiltelefon verzichtete, fehlte den Amerikaner weiterhin jede Spur. Die CIA, die seit vielen Jahren daran war, Informationen über al Qaida zu sammeln und zu analysieren, beschloss, dass sie sich auf bin Ladens Kuriernetzwerk, seine Familie, seine Kontakte zu anderen al Qaida Führungsmitgliedern, sowie auf seine Medienauftritte konzentrieren würden. Schnell merkten sie, dass einzig das Kuriernetzwerk etwas hergab.
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Rezension: Die Jagd auf Osama bin Laden von Peter L. Bergen


"Die Jagd auf Osama bin Laden", so lautet der Titel des vom Briten Peter L. Bergen verfassten Sachbuchs. Wie dieser bereits erahnen lässt, handelt das Werk von den Bemühungen der USA, den Anführer der Terrororganisation al Qaida zu fassen. Bergen konzentriert sich dabei vorwiegend auf die Operation, bei der bin Laden umgebracht wurde. 

Das Werk beginnt mit einer Beschreibung, wie Osama bin Laden mit Teilen seiner Familie in einem Anwesen in Abbottabad lebte - versteckt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne auch nur einmal selber das Grundstück zu verlassen. Minutiös wird beschrieben, welche Massnahmen er traf, um unentdeckt zu bleiben, wie er seinen Alltag bestritt und wie er die Organisation leitete, obwohl er vollkommen isoliert war. Gleichzeitig erfährt man auch persönliche Details über den jahrelang meistgesuchten Mann der Welt. Er war beispielsweise ein grosser Fussballfan, spielte gerne Volleyball, war ein guter Reiter und fühlte sich in der Natur sehr wohl. 
Nach dem ersten Kapitel rollt Bergen mehr oder weniger chronologisch die Ereignisse nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 auf. Er schildert die Bemühungen der Amerikaner, bin Laden so schnell wie möglich zu fassen, beschreibt, welche Probleme auftauchten und wo die Schwierigkeiten bei der Suche lagen. Auch erklärt er, wie die al Qaida funktioniert, handelt und ihre Anschläge plant. Das Hauptaugenmerk legt er jedoch auf die Operation "neptune spear", bei der Osama bin Laden getötet wurde. 

Enormer Rechercheaufwand
"Die Jagd auf Osama bin Laden" ist bereits das dritte Sachbuch, das Peter L. Bergen über Osama bin Laden und die al Qaida veröffentlicht hat. Entsprechend gilt er als einer der führenden Experten weltweit auf diesem Gebiet. Seine grosse Sachkenntnis springt dem Leser sofort ins Auge, denn anders sind die vielen Details und Ausführungen nicht zu erklären. Der Rechercheaufwand für dieses Buch war enorm, wie man der Danksagung, in der sich Bergen auf fünf Seiten bei etlichen Personen für deren Unterstützung bedankt, und dem beinahe 80 Seiten starken Literaturverzeichnis entnehmen kann. Es ist auch unschwer zu erkennen, dass Bergen beste Kontakte zu ranghohen Politikern, Militärs und Geheimdienstmitarbeitern pflegt, denn durch die vielen Zitate und genauen Beschreibungen der Beteiligten liest sich das Buch wesentlich leichter und sorgt für mehr Spannung als ein normales Sachbuch.
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Inhaltsangabe: Der König von Olten von Alex Capus


Eine Inhaltsangabe und eine Charakteranalyse zu Alex Capus Werk "Der König von Olten" zu machen, ist so gut wie unmöglich. Dies deshalb, weil der Schweizer Schriftsteller in seinem 114-seitigen Buch, mehrere Kurzgeschichten aneinander reiht und in diesen Erzählungen immer verschiedene Charaktere auftauchen. Nur wenige dieser Geschichten hängen zusammen, weshalb sich auch eine Charakteranalyse erübrigt. 

Was jedoch festgehalten werden kann, ist, dass sich alle Erzählungen um die Stadt Olten drehen. 
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Rezension: Der König von Olten von Alex Capus


"Der König von Olten" ist eine kleine Sammlung von Kolumnen und Kurzgeschichten des in Olten wohnhaften Autoren Alex Capus. Mit viel Feingefühlt und Sinn für Humor beschreibt er Episoden aus dem Oltner Alltag, der durch Capus Augen alles andere als langweilig daher kommt. 

Zu beschreiben, worum es inhaltlich in diesem 114 Seiten kurzen Werk geht, ist nicht ganz einfach. Die kurzen Erzählungen sind nicht immer zusammenhängend, dennoch gibt es einige, die sich über mehrere Teile erstrecken. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie ereignen sich in Olten, dem Wohnort von Alex Capus. Dieser wohnt seit über 40 Jahren dort, hat in dieser Zeit an dreizehn verschiedenen Ort gewohnt und hat alle zweiundsiebzig Bars, Cafés und Beizen der Stadt besucht, wie im Autorenportrait auf der letzten Seite steht.
Dieser grosse Erfahrungsschatz und die Kenntnisse der örtlichen Begebenheiten, der Kultur und der Politik lässt Capus geschickt in seine Texte einfliessen. Der Oltner ist ein begnadeter Schriftsteller, der es schafft, mit seiner Liebe zum Detail, seinem Sinn für Humor und seinem einfachen und trotzdem harmonisch wirkenden Schreibstil, den Leser bestens zu unterhalten. Dies obwohl es keine zusammenhängende Handlung gibt und daher auch keinen spannungsvollen Plot. Es ist meiner Ansicht nach vor allem der Lokalkolorit und Capus humorvolle Erzählweise, die diese 114 Seiten zu etwas Besonderem machen.
Die Erzählungen aus Capus Jugend haben mir sehr gefallen. Diese sind gezeichnet von einer Portion Naivität, gepaart mit Abenteuerlust und dem Glauben, die Welt verändern zu können. Er schildert Anekdoten von Beizentouren, von verflossenen Liebschaften und Jugendträumen. Einer dieser Träume ist beispielsweise nach dem Bezahlen des Biers im Oltner Strandbad nicht durch die Tür hinaus zu gehen, sondern einfach in die Aare zu springen. Immer wieder lässt Capus auch historische Einschübe in seine Erzählungen einfliessen. So erfährt man beispielsweise, dass die Holzbrücke, die heute noch immer über die Aare führt, von den Franzosen erbaut wurde, nachdem die Berner diese angezündet hatten. Der Mix aus Historischem, Jugenderinnerungen und sonstigen Anekdoten und Erzählungen machen "Den König von Olten" zu einer kurzweiligen Lektüre, obwohl ich ansonsten überhaupt kein Fan von Textsammlungen bin.
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Rezension: Die Stadt der Sehenden von José Saramago


"Die Stadt der Sehenden" ist der zweite Teil einer Erzählung von José Saramago. Um diesen zu verstehen muss man den ersten Teil nicht zwingend gelesen haben. Ich empfehle es dennoch, denn mir persönlich hat der erste Teil besser gefallen.

In der namenlosen Hauptstadt des Landes, das vor vier Jahren von einer plötzlichen Blindheitsepidemie heimgesucht wurde, geschehen erneut kuriose Dinge. Bei den Wahlen ist die Stimmbeteiligung extrem niedrig und diejenigen, die ihre Stimme in die Urne gelegt haben, haben vorwiegend leere Stimmzettel abgegeben. Die Regierung beordert Neuwahlen an, doch dort fällt das Resultat noch deutlicher aus: 83% haben weiss gewählt, die bisherige Regierung verliert ihre Legitimation. Die Politiker sind verzweifelt und wissen nicht mehr weiter. Sie wenden verschiedene Massnahmen an, lancieren gar einen Bombenanschlag auf die Bahnhof der Stadt, rufen den Belagerungszustand aus und überlassen kurz danach die Stadt ihrem Schicksal. Doch alles hilft nichts. Die Hauptstadtbevölkerung hat die Lage im Griff. Doch plötzlich bietet sich der Regierung die Chance, einen Sündenbock für ihr eigenes Versagen zu finden. 

Demokratie oder Diktatur?
José Saramago erzählt in "Die Stadt der Sehenden", was passieret, wenn es in einem demokratischen System zu einer Revolution auf legalem Wege kommt. Es ist erschreckend zu sehen, wie plausibel und anschaulich Saramago die Handlungen und Entscheide der Regierung darstellt. In seiner Erzählung ist die Regierung nur darauf aus, die Macht zu bewahren und ist dafür gewillt, die Gesetze und die Grundwerte der Demokratie mit Füssen zu treten. Sie greift mit einem Bombenanschlag ihre eigene Bevölkerung an, verbreitet Lügen, manipuliert die Massenmedien und führt zudem eine strenge Zensur ein. Die Bevölkerung, die sich nichts zu schulden hat kommen lassen, ausser von ihrem Recht, leere Stimmzettel in die Urne zu legen, Gebrauch zu machen, wird belagert. Der Protest aus den eigenen Reihen, wird von der Regierung nicht beachtet, die Rücktritte zweier Regierungsmitglieder werden stillschweigend mit bestehenden kompensiert. Die Demokratie verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit in eine Diktatur, die vor nichts zurückschreckt, um an der Macht zu bleiben und für ihr eigenes Versagen einen Sündenbock zu finden.
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Inhaltsangabe: Die Stadt der Sehenden von José Saramgo

Inhalt
In der namenlosen Hauptstadt, die vor vier Jahren von einer unerklärlichen Blindheit heimgesucht wurde, ereignen sich erneut seltsame Dinge. Es sind Wahlen, doch die Stimmbeteiligung der Hauptstadtbevölkerung ist erschreckend gering. Hinzu kommt, dass die meisten Wähler leere Stimmzettel abgegeben haben und damit die bisherigen Regierungsparteien ihre Legitimation verloren haben. Die Regierung ordnet eine Wiederholung der Wahl an und lässt diese strengstens Überwachen. Agenten sind under cover im Einsatz, die Wähler werden gefilmt und die Gespräche während dem Anstehen vor den Wahllokalen aufgezeichnet. Etwas Verdächtiges ist nicht zu erkennen, dennoch sind es 83% die leere Stimmzettel abgegeben haben. 
Die Regierung weiss nicht mehr weiter, klammert sich jedoch an die Hoffnung, dass die eingeschleusten Agenten etwas herausbekommen. Diese verhören rund 500 Leute, die ihnen beim Wählen aufgefallen waren. Die Agenten versuchen mit Hilfe von Lügendetektoren zu Geständnissen zu kommen, doch es hilft alles nichts. Die Bewohner berufen sich auf ihr Recht, dass sie leere Stimmzettel abgeben dürfen. 
Der Premierminister greift zu drastischeren Massnahmen und ruft den Belagerungszustand der Hauptstadt aus. Schnell wird aber klar, dass sich die Regierung mit dieser Massnahme ins eigene Fleisch schnitt, denn sie hat keinen Plan, wie die Nahrungslieferung, die Öl- und Benzinversorgung oder die pendelnden Arbeiter, die ausserhalb der Stadt arbeiten, gehandhabt werden sollen. 
Die Hauptstadtbevölkerung organisiert trotz Versammlungsverbot eine grosse Demonstration, in der sie sich offen dazu bekennt, weiss gewählt zu haben. Die Regierung entschliesst sich daraufhin, die Stadt mitsamt allen Beamten inklusive der Polizei zu verlassen und diese ihrem Schicksal zu überlassen. Man  erhofft sich, dass das Chaos ausbricht und die Bürger erkennen, dass sie auf die Demokratie angewiesen sind und um Hilfe bettelnd angekrochen kommen. 
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Rezension: Der Fremde von Albert Camus


"Der Fremde" von Albert Camus gilt als einer der grossen Klassiker der Literatur. Das nur rund 160 Seiten lange Werk des Literaturnobelpreisträgers überzeugt nicht mit einer vielschichtigen Storyline,  komplexen Satzkonstrukten oder eloquentem Sprachgebrauch sondern durch seine Schlichtheit.

Der Büroangestellte Meursault lebt ein unauffälliges und relativ einsames Leben. Er pflegt nur wenige soziale Kontakte, ist jedoch mit seinem ruhigen Dasein durchaus zufrieden. Zu Beginn von Camus Erzählung stirbt Meursaults Mutter. Er geht an ihre Beerdigung, verspürt jedoch keine Trauer. Bereits am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit Marie und verbringt mit seinem Nachbar Raymond und dessen Kollegen eine gute Zeit am Strand. Dort kommt es jedoch zu einem Zusammentreffen mit zwei Arabern, die noch eine Rechnung mit Raymond zu begleichen haben. Die Auseinandersetzung endet mit einer blutigen Wunde bei Raymond, die gepflegt werden muss. Kurze Zeit später trifft Meursault erneut auf den Araber, der Raymond verletzt hat. Ohne ersichtlichen Grund erschiesst er den Araber mit Raymonds Revolver. Er sagt, die Sonne hätte ihn geblendet. Meursault wird für sein Verbrechen angeklagt, doch die Geschworenen beurteilen nicht seine Tat sondern seine Persönlichkeit.

Gleichgültigkeit ist das zentrale Motiv
Camus Erzählung besticht durch ihre Einfachheit. Die meisten Sätze sind kurz gehalten, hypotaktische Satzgefüge, die sich über mehrere Zeilen erstrecken, sind kaum zu finden. Mit dieser Art des Schreibens schafft es der Autor, eine sehr hohe Übereinstimmung von Inhalt und Form zu erzeugen. Meursault spricht nicht viel, wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt er. Genauso erzählt Camus auch die Geschichte: Kurz und knapp, ohne ein Wort zu viel zu verlieren.
Zudem widerspiegelt sich auch die Gleichgültigkeit von Meursault in der Art der Erzählung wieder. Diese ist sehr trocken, neutral und ist geprägt von einer grossen Distanz zwischen dem Leser und den Ereignissen. Dies entspricht auch dem emotionslosen Charakter von Meursault, der weder um seine Mutter weinen, noch Reue für seinen Mord empfinden kann. Sein Gemütszustand scheint immer derselbe zu sein, egal ob während des Liebesaktes mit Marie oder allein in seiner Gefängniszelle.
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Inhaltsangabe: Der Fremde von Albert Camus

Inhalt 
Teil I:
Meursault ist ein etwa 30 Jahre alter Franzose, der in Algier lebt und als Büroangestellter arbeitet. Zu Beginn von Camus Erzählung stirbt Meursaults Mutter, die seit einigen Jahren in einem Pflegeheim gewohnt hat. Der Sohn nimmt sich zwei Tage frei und fährt mit dem Bus rund zwei Stunden zum Heim seiner Mutter. Dort angekommen, hält er nach einem Gespräch mit dem Heimleiter während der ganzen Nacht Totenwache. Obwohl auch einige Heiminsassen mit dabei waren, sprachen sie kein Wort miteinander. Meursault weinte kein einziges Mal und wollte seine verstorbene Mutter auch nicht ansehen. 
Am nächste Tag findet die Beerdigung statt. Es kommen nur der Heimleiter, eine Pflegerin und Thomas Perez, der seiner Mutter sehr nahe stand. Die kleine Gruppe muss trotz der grossen Hitze rund 45 Minuten laufen, bis sie im nächsten Dorf ankommt, wo die Kirche steht. Nach der Beerdigung kehrt Meursault zurück. 
Gleich am nächsten Tag trifft er auf seine Arbeitskollegin Marie, die er schon länger mochte. Die beiden verbringen einen schönen Tag zusammen. Sie gehen am Abend ins Kino, schauen dort ein Komödie und verbringen in der Folge die Nacht gemeinsam. Am folgenden Tag ist Meursault wieder alleine und weiss nicht so recht, was er tun soll. Schliesslich landet er bei seinem Nachbarn Raymond, der gleich eine Etage über ihm wohnt. Die beiden kennen sich nicht sonderlich gut, dennoch bittet Raymond seinen Nachbarn, ihm beim Verfassen eines Briefs an seine Ex-Freundin zu helfen. Er will sie zu sich locken, damit er sich an ihr rächen und sie endgültig verlassen kann. 
In den folgenden Wochen trifft er sich immer wieder mit Marie und die beiden haben viel Spass miteinander. Dennoch sagt ihr Meursault, dass er sie nicht liebe. Trotzdem macht Marie ihm einen Heiratsantrag, auf den Meursault antwortet, es sei ihm egal. 
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Inhaltsangabe: Eistod von Michael Theurillat


Inhalt
Es ist Weihnachtszeit und Kommissar Eschenbach, der bei der Zürcher Polizei arbeitet, ist einsam. Seine Frau hat ihn verlassen, er kämpft mit einer Grippe und verspürt keine Lust, etwas zu unternehmen. Auch eine Party bei seinem alten Freund Christoph Burri vermag ihn nicht aufzuheitern. Er meldet sich gar freiwillig zur Arbeit, um Weihnachten nicht allein feiern zu müssen, und ermittelt an Heiligabend den gewaltsamen Tod einer Prostituierten. Nach Weihnachten liegt auf seinem Schreibtisch die Nachricht, dass er sich bei einem gewissen Konrad Schwinn melden soll, da bei dem eingebrochen wurde.
Dieser Schwinn war über Weihnachten unvorhergesehen in den Militärdienst eingezogen worden, um einen Wiederholungskurs beim Nachrichtendienst zu absolvieren. Dabei muss Schwinn, der sowohl sprachbegabt als auch Assistenzprofessor an der ETH ist, im Nachrichtenzentrum drei arabische Nachrichten ins Deutsche übersetzten. Bei einem der drei Texte wird er stutzig, denn darin steht, dass der Biochemie Professor Theo Winter, für den Schwinn arbeitet, an geheimen CIA-Projekten mitgearbeitet haben soll, in denen es darum geht, neue Foltermethoden zu entwickeln. Schwinn versucht sich nichts anmerken zu lassen und kehrt in die Unterkunft zurück. Dort findet er bei seinem Kameraden Meiendörfer eine Studie zum Medikament, an dem er selber gemeinsam mit Winter forscht. Das ungewöhnliche daran ist, dass er diese Studie noch nie gesehen hat. Als er wieder an die ETH zurückkehrt, glaubt er, dass in seinem Büro eingebrochen wurde. 

Eschenbach versucht, Schwinn zu kontaktieren, was ihm aber nicht gelingt. Also spricht er mit Theo Winter, seinem ehemaligen Schulkollegen, mit dem er sich aber nie besonders gut verstanden hat. Überraschenderweise lädt Winter ihn zu Kaffee und Kuchen ein und die beiden sprechen über alte Zeiten, dem Thema Konrad Schwinn weicht Winter jedoch aus. Bei ihrem zweiten Treffen wenige Tage später, lässt sich das Thema aber nicht mehr vermeiden, denn Schwinn ist wie vom Erdboden verschluckt. Winter bittet Eschenbach, nach seinem Mitarbeiter zu suchen.
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Rezension: Eistod von Michael Theurillat


"Eistod" ist der zweite Kriminalroman des Schweizer Autoren Michael Theurillat. Ein intelligenter Krimi, bei dem sowohl die Charaktere als auch die Beschreibung der Orte mit viel Fingerspitzengefühl vorgenommen werden. Leider ist die Handlung etwas zu durchsichtig geraten.

Es ist tiefer Winter in Zürich, die Temperaturen liegen ungewöhnlich tief. Aus diesem Grund wird niemand misstrauisch, dass in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Obdachlose in der Kälte sterben. Durch einen Artikel im "Tages Anzeiger" kommt jedoch Schwung in die Sache und es stellt sich heraus, dass bei mehreren Leichen ein seltenes Fischgift im Körper gefunden wurde. Kommissar Eschenbach wird mit der Aufklärung der Todesfälle betraut. 
Zeitgleich macht Konrad Schwinn, Assistenzprofessor an der ETH im Bereich der Biochemie, eine führ ihn unvorstellbare Entdeckung. Im Militärdienst wird Schwinn gebeten, drei Arabische Texte für den Nachrichtendienst zu übersetzen. Einer handelt davon, dass sein Chef Theo Winter neue Foltermethoden für die CIA entwickelt haben soll. Kurz darauf verschwindet Schwinn spurlos. Eschenbach vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten und beginnt zu ermitteln. Bald schon stösst er auf verschiedene heisse Spuren, weiss jedoch nicht mehr, wem er trauen kann, denn die Spuren führen sowohl zu seinem Team als auch in sein privates Umfeld. 

Humoristischer und genauer Beobachter
Der Schreibstil von Michael Theurillat hat mich von der ersten Seite an überzeugt. Der Text liest sich leicht, ohne dass die Erzählweise plump oder einfach wäre. Die Szenen und Schauplätze werden mit viel Liebe zum Detail beschrieben, ohne jedoch langatmig zu werden und den Lesefluss zu stören. Was Theurillat meiner Meinung nach besonders gut gelungen ist, ist die Ausgestaltung der verschiedenen Charaktere. Vor allem Kommissar Eschenbach. Der alte, zynische Ermittler mit dem trockenen Humor, der keinen Hehl daraus macht, dass er gerne das eine oder andere Mal einen über den Durst trinkt und in einer Vergangenheit Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Drogen gemacht hat, wächst einem schnell ans Herz. Hinzu kommt, dass Theurillat den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt. Das Lesen macht bei diesem Krimi wirklich Spass.
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Inhaltsangabe: Die Stadt der Blinden von José Saramago

Inhalt
An einer Ampel in einer namenlosen Stadt erblindet ein unbekannter Autofahrer. Ein Mann bringt den verzweifelten Zeitgenossen, der alles nur noch weiss sieht, nach Hause. Er klaut ihm jedoch in der Folge das Auto. Kurze Zeit später erblindet auch der Dieb. Die Frau des ersten Blinden bringt ihren Mann zu einem Augenarzt. Im Wartezimmer treffen sie eine Frau mit einer dunklen Brille, einen Mann mit einer Augenklappe und einen schielenden Jungen mit seiner Mutter. Der Augenarzt kann dem aus unerklärlichen Gründen erblindeten Mann nicht helfen. 
Zu Hause beginnt der Arzt zu recherchieren. Bis spät in die Nacht durchforstet er seine Bibliothek, bis er selber merkt, dass er ebenfalls blind geworden ist. Der Arzt glaubt, dass es eine bisher noch unbekannte Epidemie ist und verständigt am nächsten Tag die Regierung. Diese glaubt ihm anfänglich nicht, doch als sie von weitere Fällen dieser rätselhaften Blindheit hört, handelt sie schnell. Alle bereits erblindeten Personen und diejenigen, die mit ihnen in Kontakt standen, werden abgeholt und in eine Irrenanstalt ausserhalb der Stadt gebracht, wo sie in Quarantäne gehalten werden. Das Militär bewacht das Gebäude. 
Zu Beginn sind es nur wenige Insassen. Der Augenarzt erkennt, dass seine Patienten ebenfalls vor Ort sind. Die Frau mit der dunklen Brille, der schielende Junge, der erste Blinde, seine Frau und der Autodieb. Ebenfalls mit dabei ist die Frau des Augenarztes. Sie gibt jedoch nur vor, blind zu sein, um bei ihrem Mann bleiben zu können. Ausser ihrem Mann weiss jedoch niemand, dass sie sehen kann. Dennoch hilft sie den anderen immer wieder ein wenig, sich in der unbekannten Umgebung zu Recht zu finden. 
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Rezension: Die Stadt der Blinden von José Saramago


"Die Stadt der Blinden" von José Saramago ist ein faszinierendes und abschreckendes Werk zu gleich. Es zeigt, wie die menschlichen Rechte und Würden in einer Katastrophensituation auseinander fallen und wie nahe wir Menschen in einem solchen Fall dem Tier kommen. 

In einer unbekannten Stadt erblindet an einer Kreuzung ohne erkennbaren Grund ein namenloser Autofahrer. Kurze Zeit später erblinden weitere Menschen. Die Regierung ist mit der Situation überfordert, da niemand den Grund für die plötzlichen Erblindungen kennt. Es wird entschieden, die Blinden und diejenigen, die mit erblindeten Personen in Kontakt standen, in eine ehemalige Irrenanstalt ausserhalb der Stadt zu verfrachten und sie dort wegzusperren. Das Gebäude wird von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, zu schiessen, sobald die Insassen ihr Territorium verlassen. 
Bereits nach wenigen Tagen ist die Unterkunft völlig überfüllt, die Hygiene lässt zu wünschen übrig und die Lebensbedingungen sinken mit jeder Stunde. Doch das Ganze wird noch schlimmer, als eine Gruppe von Blinden mit Gewalt die Macht an sich reisst und die Ausgabe des Essens kontrolliert. Die einzige Hoffnung für die Blinden ist die Frau eines erblindeten Augenarztes, die freiwillig in die Irrenanstalt ging, jedoch als einzige noch immer sehen kann.

Gewöhnungsbedürftiger Stil
Saramagos Text zu lesen, ist nicht ganz einfach. Die Satzzeichen werden sehr spärlich gebraucht, Anführungs- und Schlusszeichen werden gar nie verwendet. Auch Absätze sind nur wenige zu finden. Man braucht einige Zeit, bis man sich daran gewöhnt hat, vor allem ist es zu Beginn schwierig zu erkennen, wann eine Person spricht und wann nicht. Weshalb sich Saramago dieser Art des Schreibens bedient? Meine Idee ist, dass es uns beim Lesen ähnlich ergeht, wie den Blinden in der Irrenanstalt. Sie können nicht sehen, also müssen sie sich langsam vorwärts tasten, vielleicht mehrmals dieselbe Stelle passieren. Genauso müssen wir als Leser den Text aufmerksam lesen, uns voran tasten und gewisse Sätze zwei oder drei Mal lesen, um sie zu verstehen. Eine zweite Idee wäre, dass durch die wenigen Absätze und Unterbrechungen durch andere Satzzeichen der Text wie eine grosse Fläche daher kommt, eine Fläche, wie die grosse, weisse Fläche, welche die Blinden sehen.
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Inhaltsangabe: Unter Haien von Nele Neuhaus

Inhalt
Alex Sontheim gehört an der New Yorker Wallstreet zu den Besten. Ihr Spezialgebiet sind Firmenfusionen, mit denen sie wiederholt für Aufsehen sorgte. Sie übernimmt eine Stelle bei der Investmentfirma von Vincent Levy. Sontheim ist auch an ihrem neuen Arbeitsort auf Anhieb erfolgreich und sorgt für volle Kassen. Durch ihre Erfolge steigt sie auch in der sozialen Hierarchie New Yorks schrittweise auf und lernt dabei wichtige Leute kennen. Einer von ihnen ist der Grossindustrielle Sergio Vitali, einer der reichsten Männer der Stadt. Sie fühlt sich geschmeichelt von seinen Geschenken und seiner Aufmerksamkeit und lässt sich auf eine Affäre mit Vitali ein. Während sie ihr Leben im Luxus geniesst, schlägt sie mehrere Warnungen von Bekannten in den Wind, die ihr raten, in der Beziehung mit Vitali Vorsicht walten zu lassen, da es Gerüchte gäbe, dass er mit der Mafia Geschäfte mache. Einer dieser Bekannten ist New Yorks Bürgermeister Nikolas Kostidis, der seit Jahren versucht, Sergio Vitali das Handwerk zu legen, jedoch stets scheiterte.
Obwohl Sontheim eine Affäre mit Vitali hat, lässt sie sich auf den Journalisten Oliver Skerrit ein. Dieser arbeitet an einer Betrugsgeschichte, welche die Firma von Vincent Levy betrifft. Sontheim glaubt ihm jedoch nicht wirklich. 
Vitali bekommt Wind von der Sache mit Sontheim und Skerrit und lässt den Mann verprügeln. Nur kurze Zeit später findet Vitalis Geburststagsfeier statt, an der auch Sontheim teilnimmt. Sie verläuft sich in dessen grossem Haus auf der Suche nach der Toilette und hört so ein Gespräch zwischen Vitali und seinen  Mitarbeitern. Diese sprechen gerade davon, wie sie einen wichtigen Zeugen, der allenfalls gegen sie hätte aussagen können, aus dem Weg geräumt haben. Sontheim erkennt, dass die Warnungen, die sie erhielt, und die Zeitungsberichte über Vitalis Beziehungen zur Mafia korrekt waren. Gleichzeitig realisiert sie auch, in welcher Gefahr sie selber schwebt, wenn Vitali herausfindet, was sie weiss.
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Rezension: Unter Haien von Nele Neuhaus


"Unter Haien" ist das erste Werk, das ich von Nele Neuhaus gelesen habe. Der Thriller erinnert stark an John Grishams "Die Firma", kann mit diesem jedoch nicht annähernd mithalten. 

Alex Sontheim gehört an der New Yorker Wallstreet zu den Besten im Bereich der Firmenfusionen. Sie nimmt bei Vincent Levys Investment Firma einen neuen Job an und hat auch dort auf Anhieb Erfolg. Dadurch steigt nicht nur ihr berufliches Renommee sondern sie erklimmt auch in der sozialen Hierarchie der Weltmetropole New York neue Höhen. Durch ihre Bekanntschaft mit dem Geschäftsmann Sergio Vitali, der zu den angesehensten und wohlhabendsten Männern New Yorks gehört, kommt sie ihrem Ziel, zur High Society der Stadt zu gehören, sehr nahe. Vitali macht ihr den Hof, begehrt sie. Sie fühlt sich geschmeichelt und lässt sich auf eine Affäre ein. Die Warnungen mehrere Bekannter - darunter auch Bürgermeister Nikolas Kostidis - dass Vitali Verbindungen zur Mafia hat, schlägt Alex in den Wind. Sie ist zu beschäftigt, ihr neues Leben zu geniessen. Doch auf einer Party bei Sergio erkennt sie das wahre Gesicht ihres Liebhabers.

"Action und Spannung like Grisham zu seinen besten Zeiten", steht im Klappentext. Das schürt doch ziemlich hohe Erwartungen, wenn man Werke wie "Die Firma" von Grisham gelesen hat. Der Plot weist dann auch viele Ähnlichkeiten mit Grishams erfolgreichstem Werk auf. Die Mafia besitzt eine Firma, die ohne das Wissen der meisten Mitarbeiter Geld wäscht und in alle möglichen kriminellen Machenschaften verstrickt ist. Eine junge, aufstrebende Mitarbeiterin gerät unwissentlich in die Sache hinein, erkennt den Schlamassel und will bei der Aufklärung helfen. So weit so gut. Das Problem ist jedoch, dass Neuhaus weder beim Plot, noch bei den Charakteren und schon gar nicht beim Schreibstil mit einem Kaliber wie Grisham mithalten kann.
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Inhaltsangabe: Tschick von Wolfgang Herrndorf

Inhalt
Maik Klingenberg wächst scheinbar in einem perfekten Umfeld auf. Der Vater verdient gut, die Familie lebt in einem schönen Haus mit Pool und der 14-jährige Maik hat alles, was er braucht. Hinter der Fassade bröckelt es aber gewaltig. Die Mutter ist Alkoholikern und die regelmässigen Entzugskuren bringen nicht den gewünschten Erfolg. Der Vater streitet sich oft mir ihr und Maik ist in der Schule ein langweiliger Aussenseiter, für den sich niemand interessiert. 
Eines Tages taucht ein neuer Schüler auf und wird in Maiks Klasse eingeteilt. Man weiss nicht viel über ihn, ausser das er Andrej Tschichatschow heisst und mit seinem Bruder aus Russland nach Deutschland gekommen ist. Schnell ranken sich viele Gerüchte um den Unbekannten, der sich in den ersten Wochen einiges zu Schulden kommen lässt. Tschick schwänzt den Unterricht, erscheint betrunken und gibt kaum Antworten. 
Zu Beginn der Sommerferien steigt bei Tatjana, Maiks heimlicher Liebe, eine grosse Party. Doch sowohl Maik als auch Andrej sind nicht eingeladen. Maik bleibt allein zu Hause, seine Mutter ist in der Entzugsklinik und der Vater verbringt einige Tage mit seiner Affäre. Maik langweilt sich, als plötzlich Tschick in einem blauen Lada bei Maik vorfährt und ihn überredet, mit ihm zu Tatjanas Party zu fahren. Maik willigt nach einiger Zeit ein und so fahren die beiden 14-jährigen Jungs in einem gestohlenen Lada durch Berlin. Bei Tatjana angekommen, übergibt Maik ihr sein Geschenk - ein selbstgemaltes Portrait von Beyoncé, Tatjanas Lieblingskünstlerin - und die beiden fahren wieder davon. Sie wollen noch nicht zurück, sondern entscheiden sich in die Walachei zu reisen, wo Tschick angeblich einige Verwandte hat. So beginnt der Roadtrip der beiden. 
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Rezension: Tschick von Wolfgang Herrndorf


"Tschick" so der etwas ungewöhnliche Titel des von der Mehrheit der Rezensenten hochgelobten Romans von Wolfgang Herrendorf. Die Geschichte der beiden jungen Aussenseitern Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow liest sich leicht und vermag zu unterhalten, mehr jedoch nicht. 

Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow haben praktisch nichts gemeinsam. Maik stammt aus einer wohlhabenden Deutschen Familie; der Vater ist erfolgreicher Immobilienmakler, die Mutter verbringt viel Zeit beim Tennisspielen und die Klingenbergs leben in einem Haus mit Pool. Andrej "Tschick" Tschichatschow hingegen ist mit seinem älteren Bruder von Russland nach Deutschland gezogen und hat grosse Mühe, sich anzupassen. Er ist durchaus intelligent, trinkt jedoch für seine 14 Jahre bereits viel zu viel Alkohol und ist mehrfach vorbestraft. Die beiden Jungs haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind die Aussenseiter in ihrer Klasse und werden als langweilig abgestempelt.
Der Zufall will es, dass Tschick in den Sommerferien mit einem geklauten Lada bei Maik zu Hause vorbeifährt. An diesem Tag findet bei Tatjana - Maiks heimlicher Liebe - ein grosses Fest statt, zu dem jedoch beide nicht eingeladen sind. Tschick kann Maik jedoch davon überzeugen, gemeinsam im Lada zu Tatjana zu fahren. Die beiden bleiben jedoch nicht lange, sondern brechen zu einer abenteuerlichen Reise quer durch Deutschland auf.

Handlung zu konstruiert
Wolfgang Herrndorf schafft es in seiner Erzählung die Sprache und Gefühlswert der beiden 14-jährigen Jungs bis auf wenige Passagen authentisch zu erzählen. Die Erzählung beginnt mit dem Ende und rollt danach chronologisch die Geschehnisse auf. Gerade der Anfang ist es, den ich sehr gelungen finde und der dazu führt, dass man stets weiter lesen will. Neben den Charakteren und der Sprache vermag Herrndorfs Erzählung auch mit der Ironie und der Komik zu überzeugen. Man muss beim Lesen immer wieder schmunzeln, so beispielsweise bei der Szene, als die beiden Jungs versuchen, mit dem Lada ihre Namen in ein Feld zu fahren oder als sie probieren herauszufinden, wie Tschick am ältesten aussieht, damit es nicht auffällt, dass ein 14-Jähriger am Steuer sitzt - ihre Lösung: Sie kleben ihm schwarzes Klebeband über die Lippe, um einen Schnauz zu imitieren.
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Inhaltsangabe: Die Firma von John Grisham


Inhalt
Mitchell Y. McDeere stammt aus ärmlichen Verhältnissen und musste, um sich sein Jurastudium an der Harvard Universität zu finanzieren, hart arbeiten. Dennoch schloss er als einer der besten ab und erhält daher von einer Anwaltsfirma aus Memphis ein Jobangebot, das er unmöglich ausschlagen kann. Die Firma, die nur rund 40 Anwälte angestellt hat, bietet ihm an, eine Schulden zu tilgen, ein hohes Einstiegssalär zu bezahlen, ein Haus für ihn und seine Frau Abbey mit einer tiefen Hypothek zur Verfügung zu stellen und einen Dienstwagen zu offerieren.
McDeere kann nicht widerstehen und nimmt das Angebot an. Ab dem ersten Tag wird er von seinem Vorgesetzten Avery Tolar mit Arbeit eingedeckt, so dass er jeden Tag 18 Stunden arbeiten muss, auch an den Wochenenden. Trotz der vielen Arbeit besteht er die Anwaltsprüfung als bester und wird in der Firma bereits als neuer Star gefeiert, denn bisher hat noch kein Neuer so viele Stunden aufschreiben können wie McDeere. Weniger Freude an seiner hohen Präsenzzeit in der Firma hat seine Ehefrau Abbey, die oft allein zu Hause ist.
Eines Tages spricht ihn ein FBI-Agent namens Wayne Tarrance an, der ihn vor der Firma warnt und ihm sagt, dass der Tauchunfall auf den Cayman Inseln, bei dem vor kurzem zwei Partner gestorben sind, kein Unfall war. Zudem werde er von der Firma auf Schritt und Tritt überwacht und abgehört. McDeere meldet der Firma den Vorfall, die diesen sofort herunterspielt und meint, es sei nur ein übereifriger Agent gewesen; nichts weiter. McDeere hat der Firma jedoch verschwiegen, dass Tarrance ihm von der Überwachung erzählt hat und er macht sich seine Gedanken dazu.
Von nun an hält McDeere die Augen offen und merkt, dass er tatsächlich stets beschattet wird. Dies auch auf den Cayman Inseln, wo er aus geschäftlichen Gründen mit Tolar weilt. Er schüttelt die Verfolger ab und spricht mit dem Besitzer der Tauchschule, bei einem derer Ausflüge die zwei Partner der Firma gestorben sind. Der Besitzer erklärt ihm, dass ein Unfall völlig unmöglich sei, er glaube es wäre Mord gewesen.
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Rezension: Die Firma von John Grisham


"Die Firma" von John Grisham ist einer der besten Thriller, die ich bisher gelesen habe. Der Plot vermag ebenso zu überzeugen, wie die Charaktere und der Schreibstil - ein absolutes Muss.

Der junge Jurastudent Mitchell Y. McDeere erhält während seinem letzten Studienjahr von einer Anwaltsfirma aus Memphis ein Jobangebot, das er unmöglich ausschlagen kann. Sie tilgen seine Schulden von der Universität, sie zahlen einen hohen Einstiegslohn, er bekommt gemeinsam mit seiner Frau ein Haus zu einer tiefen Hypothek und als Dienstwagen erhält er einen BMW. 
Mitch stürzt sich in die Arbeit, macht täglich Überstunden und findet kaum Schlaf. Der unerwartete Tod zweier Partner der Firma, sowie ein FBI-Agent namens Wayne Terrence, der ihm nachstellt, machen McDeere stutzig. Geht in dieser Firma vielleicht doch nicht alles mit rechten Dingen zu? Als Terrence ihm eröffnet, dass die Firma in Wirklichkeit für die Mafia arbeitet, steht er vor einer schwierigen Entscheidung.

Der beste Grisham
Dass John Grisham ein begnadeter Schriftsteller ist, steht ausser Frage. Fast alle Werke, die ich bisher von ihm gelesen haben, waren überzeugend, was den Schreibstil und die Charaktere betraf. Die Handlungen waren nicht immer auf demselben Niveau, aber meist gut genug, damit das Werk so spannend war, wie man es von einem Thriller erwarten kann. "Die Firma" übertrifft jedoch alles, was ich von Grisham gelesen habe bei Weitem, denn neben seinen bekannten Qualitäten, stellt hier der Plot alles in den Schatten.
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Inhaltsangabe: Noch ein Tag und eine Nacht von Fabio Volo


Inhalt
Jeden Morgen sieht Giacomo sie auf dem Weg zur Arbeit. Sie sitzt immer in derselben Strassenbahn wie er. Er beobachtet sie, merkt sich ihre Bewegungen, ihre Gesten und was sie tut. Den Mut sie anzusprechen, bringt er jedoch nicht auf. Diese seltsame Beziehung dauert mehrere Monate an, bis sie es schliesslich ist, die ihn zum Kaffee einlädt. Beim Gespräch erzählt sie ihm, dass sie am darauffolgenden Tag nach New York auswandern werde und ihn vorher noch kennen lernen wollte. Sie lädt ihn zu ihrer Abschiedsparty ein, doch Giacomo entscheidet sich dagegen – obwohl er nichts Besseres vorhat.
Nach der Abreise seiner Strassenbahnbegleitung namens Michela gerät Giacomos Welt aus den Fugen. Seine beste Freundin Silvia trennt sich von ihrem Ehemann, seine Exfreundin erzählt ihm, dass sie ihr gemeinsames Kind abgetrieben hat und ein eifersüchtiger Ehemann verprügelt ihn. Auch mit den Frauen läuft es nicht mehr wie gewohnt – er bekommt Michela einfach nicht aus seinem Kopf. Daher entschliesst er sich kurzerhand nach New York zu reisen und Michela zu suchen.
Vor ihrem ersten Treffen, lässt sie ihm einen Umschlag zukommen. Darin befindet sich ein oranges Heft. Er erkennt es sofort wieder: Es war das Heft, in welches Michela jeden Morgen in der Strassenbahn geschrieben hat. Giacomo liest darin und erkennt, dass sie ausschliesslich über ihn geschrieben hat. Beim Treffen erzählt sie, dass sie ihm das Heft nach sechs Monaten geschickt hätte, als Schlusspunkt ihrer Beziehung. Sie hatte jedoch gehofft, dass er sich vorher bei ihr melden würde.
Giacomo und Michela verbringen schöne Tage miteinander. Sie reden viel, schlendern durch New York, gehen essen und haben Sex miteinander. Dann kommt Michela auf eine ausgefallene Idee: Sie schlägt vor, dass sie sich auf Zeit verloben und sich beim Zeitpunkt von Giacomos Reise trennen werden – egal was bis dann passieren würde. Giacomo, der Michela völlig verfallen ist und sich zum ersten Mal richtig verliebt hat, willigt ein.
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Rezension: Noch ein Tag und eine Nacht von Fabio Volo


"Noch ein Tag und eine Nacht", so lautet der Romantitel des italienischen Autoren Fabio Volo. Seine Liebesgeschichte zwischen Michela und Giacomo vermag jedoch nicht zu überzeugen.

Giacomo ist im Berufsleben und bei Frauen erfolgreich. Immer wieder kriegt er die Frauen rum, doch eine richtige Beziehung kann er nicht eingehen. Dann fällt ihm jedoch in der Strassenbahn eine Frau auf, die er von da an jeden Tag beobachtet. Er schaut sie an, merkt sich jedes Detail, seine Fantasien spielen verrückt. Sie anzusprechen traut er sich jedoch nicht.
Nach einigen Monaten ist sie es, die ihn anspricht und zum Kaffee einlädt. Sie stellt sich ihm vor - ihr Name ist Michela - und sie kommen ins Gespräch. Es zeigt sich, dass der Tag ihres ersten Treffens Michelas letzter Tag in Italien ist, denn sie wandert aus geschäftlichen Gründen nach New York aus. Michela lädt Giacomo zu ihrer Abschiedsparty ein, er entscheidet sich aber - obwohl er nichts vor hat - nicht zu gehen. Er ist zu schüchtern. 
Von da an ist er wieder alleine. In der Strassenbahn vermisst er sie und auch sonst denkt er oft an sie. Mit den Frauen klappt es auch nicht mehr wie bis anhin. Bald schon wächst ihm alles über den Kopf und er entscheidet sich, nach New York zu fliegen und nach Michela zu suchen. Er findet sie, sie kommen zusammen und alles scheint perfekt. Doch dann macht Michela den Vorschlag, dass sie sich auf Zeit verloben und sich, wenn Giacomos Rückflug ansteht, ohne wenn und aber trennen.

Platt, mühsam und krampfhaft originell
Die Idee, der Verlobung auf Zeit ist der einzige Höhepunkt im gesamten Werk von Fabio Volo. Der Anfang liest sich gut, die Beschreibungen sind gefühlvoll und detailliert und man möchte wissen, wie sich die Geschichte zwischen Michela und Giacomo entwickelt. Sobald sich der Handlungsort aber nach New York verschiebt, wird die Erzählung platt.
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Inhaltsangabe: Die Chemie des Todes von Simon Beckett

Inhalt
Nach dem Tod seiner Frau und seiner Tochter - die beiden wurde unschuldige Opfer eines betrunkenen Autofahrers - zieht Dr. David Hunter von London ins kleine Dörfchen Manham. Dort tritt er die Stelle des Dorfarztes an und führt gemeinsam mit seinem Vorgänger Henry Maitland die Praxis. Dieser ist seit einem Autounfall, bei dem er seine Frau verlor, im Rollstuhl und kann seine Patienten nicht mehr allein betreuen.
Drei Jahre nach der Ankunft von Hunter wird eine Leiche in einem Sumpf in der Nähe des Dorfes gefunden. Die Polizei beginnt zu ermitteln, kommt jedoch nicht weiter. Sie bittet daher Hunter, der vor seiner Flucht in London als forensischer Anthropologe gearbeitet und der Polizei öfters bei Mordermittlungen unter die Arme gegriffen hatte, um Hilfe. Hunter möchte eigentlich mit seiner Vergangenheit abschliessen, doch irgendwie reizt es ihn seine frühere Arbeit noch immer. Zudem möchte er unbedingt herausfinden, ob die Tote die seit zwei Wochen nicht mehr gesehene Schriftstellerin Sally Palmer ist, die ebenfalls in Manham wohnt und die er einmal flüchtig kennen gelernt hatte.
Hunter untersucht also sowohl die Leiche, die mit weissen Schwanenflügeln präpariert wurde und daher aussah wie ein Engel, als auch den enthaupteten Hund, den man auf dem Grundstück von Palmer gefunden hatte. Nach den Untersuchungen kommt er zum Ergebnis, dass es sich bei der Toten tatsächlich um Sally Palmer handelt und dass sie etwa seit zehn Tagen tot ist, ihr Hund jedoch bereits rund 14 Tage.
Kaum sind diese Ergebnisse bekannt, verschwindet mit Lyn Metcalf erneut eine junge Frau aus dem Dorf. Die 31-jährige Steuerberaterin ist passionierte Joggerin und wurde auf ihrer alltäglichen Joggingrunde entführt, nachdem auch sie vorher von einem toten Tier "markiert" worden war. Das gesamte Dorf beginnt zu suchen, wobei zwei Polizisten und ein Mitglied der Familie Brenner sich an gut versteckten Tierfallen verletzten. Die Polizei vermutet, dass der Täter diese aufgestellt hat, um die Suche nach Metcalf zu erschweren.
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Rezension: Die Chemie des Todes von Simon Beckett


"Die Chemie des Todes" ist der Auftakt zu Simon Becketts Krimiserie rund um den forensische Anthropologe David Hunter. Der erste Fall führt Hunter in ein kleines Englisches Dorf namens Manham, wo innert kurzer Zeit zwei Frauen brutal ermordet wurden. 

David Hunter verlässt London und zieht nach Manham, ein kleines und abgeschiedenes Dörfchen. Dort will er die schmerzlichen Erfahrungen vom Tod seiner Frau und seiner Tochter - sie wurden unschuldige Opfer eines betrunkenen Autofahrers - hinter sich lassen und einen Neuanfang wagen. In Manham übernimmt er das Amt des Dorfarztes. Eine Stelle, die für einen Mediziner von  Hunters Kaliber, der als einer der besten forensischen Anthropologen des Landes gilt und der Polizei bei Mordermittlungen schon des öftern von grosser Hilfe war, ein Leichtes. An seinem neuen Wohnort erzählt er niemanden von seiner Vergangenheit, versucht sich jedoch durch seine fachliche Kompetenz im Dorf nützlich zu machen.
Drei Jahre nach seiner Ankunft wird Manham von einem brutalen Verbrechen heimgesucht. Schriftstellerin Sally Palmer, die bekannteste Einwohnerin des Dorfes, wird tot aufgefunden. Die Identifikation ist allerdings nicht einfach, denn ihre Leiche lag schon mehrere Tage in der Nähe des Sumpfs und ist daher stark verwest. Hunter wird von der Polizei gebeten, sie mit seinem Fachwissen zu unterstützen. Dieser willigt nach längerem Überlegen ein. Bald darauf verschwindet wieder eine Frau aus dem Dorf und wird einige Tage später tot aufgefunden. Als auch Jenny Hammond, in die sich Hunter verliebt hat, verschwindet, steht fest, dass der brutale Mörder aus dem Dorf stammen muss.


Fliegen, Maden und anderes Ungeziffer
Unter der Arbeit eines forensischen Anthropologen dürften sich die wenigsten Leser vor der Lektüre des Werks etwas Konkretes vorgestellt haben. Simon Beckett, der ursprünglich für einen Artikel, den er für das "Daily Telegraph Magazine" schrieb, zur sogenannten Body Farm nach Tennessee reiste, liess sich dort für dieses Werk inspirieren. Im Nationalen Forensischen Institut, wo die Teilnehmer tatsächlich an menschlichen Überresten ausgebildet werden, holte sich Beckett sein beeindruckendes Fachwissen, das er in "Die Chemie des Todes" einfliessen liess.
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Inhaltsangabe: Unsichtbar von Paul Auster

Inhalt
Teil I
Auf einer Studentenparty im Jahr 1967 trifft der junge Literaturstudent Adam Walker auf Rudolf Born und seine Geliebte Margot. Die beiden Männer kommen ins Gespräch und finden Gefallen aneinander, obwohl Walker der Zynismus und die Düsterheit, die Born umgeben, nicht ganz geheuer sind. Born, der als Gastprofessor an der Universität Colombia arbeitet, bietet Walker 25 000 Dollar zur freien Verfügung, um eine Literaturzeitschrift nach seinem Geschmack zu gründen. 
Walker will die Chance nutzen und arbeitet ein Konzept aus, das er in der Folge Born und Margot bei einem Nachtessen präsentiert. Born ist an diesem Abend jedoch in schlechter Stimmung, wettert über Politik und den Krieg, trinkt viel und geht sogar soweit, dass er Walker zum Sex mit seiner Geliebten anstiften will. Walker ist verunsichert und weiss nicht, wie er sich dem unnahbaren Born gegenüber verhalten soll. 
Als Born kurzfristig nach Paris reist, beginnt Walker ohne dessen Wissen eine fünftägige, intensive Affäre mit Margot. Als Born zurückkommt, sehen sich Walker und Margot nicht wieder, denn Born schickt Margot sofort in die Wüste. Er ist jedoch nicht wütend auf Walker, stellt ihm einen Check über 25 000 Dollar aus und die beiden gehen danach im Park spazieren. Im Schutz der anbrechenden Dunkelheit werden sie von einem dunkelhäutigen Jugendlichen mit einer Waffe bedroht. Er will ihr Geld. Born fackelt nicht lange und sticht mit einem Klappmesser auf den Jungen ein. Walker traut seinen Augen nicht, reagiert aber geistesgegenwärtig und läuft zur nächsten Telefonzelle, um den Krankenwagen zu alarmieren. Als er jedoch zurück kommt, fehlt von Born und dem Jungen jede Spur. Am nächsten Tag liest Waker in der Zeitung von einem Jungen namens Williams, der im Park mit über zehn Stichen getötet wurde. Walker ist sich sicher, dass Born es war, traut sich jedoch nicht zur Polizei zu gehen. Als er sich dann doch überwinden kann, ist Born bereits nach Frankreich geflohen. 
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Rezension: Unsichtbar von Paul Auster


"Unsichtbar", so der Titel des Werks des Amerikanischen Autoren Paul Auster. In dieser verstörenden, aber gleichzeitig auch spannenden und intelligent konstruierten Geschichte, schickt Auster seinen Protagonisten Adam Walker auf die Suche nach seine eigenen Grenzen.


1967. Adam Walker ist Literaturstudent an einer amerikanischen Universität und träumt davon, Schriftsteller zu werden. Bereits während seiner Studienzeit schreibt der Einzelgänger Gedichte und Buchbesprechungen. Eines Abends trifft er an einer Party auf den französischen Gastprofessor Rudolf Born und dessen Partnerin Margot. Born und Walker kommen ins Gespräch. Obwohl er aus Born nicht ganz schlau wird, ihn für eine sinistere und unergründliche Person hält, lässt er sich auf ein Geschäft mit dem Franzosen ein. Dieser will Walker 25 000 Dollar zur Verfügung stellen, damit er eine Literaturzeitschrift ganz nach seinem eigenen Geschmack und Gutdünken gründen kann. Walker kann dem Angebot nicht widerstehen - ein Schritt, den er im Verlauf seines Lebens noch oft bereuen wird.

Geniale Konstruktion
Paul Auster hat sein gut 300-seitiges Werk auf eine, wie ich finde, geniale Art und Weise aufgebaut. Im ersten Teil erzählt Walker in der Ich-Form seine Geschichte, bis zu dem Punkt, als Born nach Frankreich floh. Danach folgt ein überraschender Perspektivenwechsel zu Jim Freeman, einem ehemaligen Studienkollegen von Walker, der heute erfolgreicher Autor ist. Dieser liest den ersten Teil von Walkers Roman und soll ihm helfen, seine Schreibblockade zu lösen. Das gelingt Freeman und so folgt der zweite Romanteil, geschrieben von Walker, in der Du-Form. Eigentlich hätte Walker Freeman bei einem persönlichen Treffen den dritten Teil aushändigen sollen, doch soweit kam es nicht, denn Walker stribt an Leukämie. Den dritten Romanteil erhält Freeman aus dem Nachlass von Walker, doch er besteht nur aus Stichworten und wird je länger je ungenauer. Freeman nimmt sich der Aufgabe an, die Walkers Stichworte in Prosa umzuschreiben (Er-Form) und diskutiert am Ende des Werks mit Walkers Schwester Gwyn, ob das Buch veröffentlicht werden soll oder nicht. Um sich sicher zu sein, beginnt Freeman in der Vergangenheit von Walker zu suchen und so tauchen bisher nur in der Fiktion existierende Charaktere wie Cécile Juin oder Rudolf Born in der Wirklichkeit auf.
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Inhaltsangabe: Die Bancroft Strategie von Robert Ludlum


Inhalt
Todd Belknapp arbeitet als Agent für "Consular Operations", eine amerikanische Geheimdienstorganisation. Bei seinem aktuellen Auftrag sollte er Informationen über einen Waffenhändler namens Ansari einholen und beobachtet dabei, wie dieser vergiftet wird. "Consular Operations" glaubt jedoch, dass Belknapp Ansari umgebracht hat und suspendiert ihn vom Dienst. Gleichzeitig erfährt Belknapp, dass sein bester Freund Jared Rinehardt, ebenfalls Agent, entführt wurde. Die Organisation will jedoch nichts unternehmen, um Rinehardt zu helfen, da die Risiken angeblich zu gross sind. So macht sich Belknapp, der dafür bekannt ist, Personen aufzuspüren, auf die Suche nach seinem Freund.

Andrea Bancroft arbeitet als erfolgreiche Junior Analystin bei einer amerikanischen Firma. Sie erhält die Nachricht, dass ein ihr nicht näher bekannter Cousin verstorben ist und sie 12 Millionen Dollar geerbt hat. Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass sie im Stiftungsrat der Bancroft Stiftung Einsitz nimmt. Gleich bei der ersten Sitzung, an der die verschiedenen Projektleiter ihre Resultate präsentieren - die Bancroft Stiftung unterstützt weltweit gemeinnützige Projekte - lässt Andrea eine Duftmarke liegen. Sie liefert sich ein Wortgefecht mit Paul Bancroft, dem Gründer und Vorsitzenden der Stiftung, jedoch ohne zu wissen, wer er ist. Dieser ist sofort begeistert von Andrea, die seit dem Tod ihrer Mutter keinen Kontakt mehr zur Familie Bancroft pflegte, und lädt sie zum Essen ein. Dabei erklärt er ihr die Idee hinter der Bancroft Stiftung und sagt ihr, dass er sie gerne in der Führungsetage haben möchte. Als Bewährungsprobe verspricht er ihr 20 Millionen Dollar, die sie für ein Projekt ihrer Wahl einsetzen kann. Andrea fühlt sich geschmeichelt und macht sich auf die Suche nach einem passenden Projekt, durchleuchtet dabei aber auch die Bancroft Stiftung selbst. Dabei stösst sie auf einige Ungereimtheiten, die darauf hinweisen, dass ihr Mutter allenfalls nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, sondern umgebracht wurde. Niemand in der Stiftung will ihr Antworten auf ihre Fragen geben und ein Angestellter versucht sie zu warnen, was sie aber eher als Drohung auffasst. Sie lässt aus den Archiven die Telefonabrechnung einer Firma, die von der Stiftung hohe Summen kassiert, jedoch an der Stiftungsratssitzung nicht genannt wurde, mitgehen und ruft die Nummern an, um herauszufinden, mit wem die Bancroft Stiftung Geschäfte macht.
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