Rezension: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano


"Die Einsamkeit der Primzahlen" ist das mehrfach ausgezeichnete und in 26 Ländern verkaufte Werk des Italieners Paolo Giordano. Es ist eine aussergewöhnliche Geschichte, von zwei aussergewöhnlichen Menschen. Obwohl mich dieses Genre sonst nicht anspricht, hat mich das Werk überzeugt. 

Alice Della Rocca und Mattia Balossino sind Aussenseiter. Alice, weil sie seit einem Skiunfall ein steifes Bein hat und sich seit jenem Tag hässlich und fett fühlt. Sie leidet an Essstörungen und hat keine Freundinnen in der Schule. Mattia, weil er als Kind seine Zwillingsschwester Michela alleine zurück gelassen hat, um an einen Kindergeburtstag zu gehen. Seine Schwester hat man danach nie wieder gesehen. Die Schuldgefühle nagen an ihm und seine Lehrer stufen ihn als selbstmordgefährdet ein. Die beiden lernen sich auf einer Party kennen und freunden sich an. Es ist eine ganz spezielle Freundschaft, geprägt von gegenseitig Verständnis und funktioniert ohne grosse Worte. Doch obwohl die beiden für einander bestimmt zu sein scheinen, tun sie sich äusserst schwer. 

Alles aus einem Guss
"Zum Teufel noch mal, was für ein phantastischer Schrifsteller!", steht auf der Rückseite des Werks geschrieben. Dies machte mich als lese- und schreibbegeisterten Zeitgenossen natürlich neugierig. Bereits auf den ersten Seiten schafft es Giordano, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es ist nicht die Handlung, die einen mitreisst, denn viel passiert in diesem Werk nicht. Sondern es ist die Art und Weise, wie der Autor die Geschehnisse, die Orte und die Personen in Einklang bringt. Es wirkt alles rund, nichts eckt an, alles passt ins Gefüge. Er schafft es auch, ein sehr authentisches Bild der beiden Protagonisten zu zeichnen und ihre Leiden, ihre Gedanken und Gefühle realistisch und für den Leser verständlich zu Papier zu bringen. So macht lesen wirklich Spass.
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Inhaltsangabe: Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano

Inhalt
Alice Della Rocca hasst Ski fahren und ihren Vater. Trotzdem geht sie ihrem Vater zu Liebe auf die Piste und verletzt sich bei einem Unfall. Bei schlechter Sicht fährt sie alleine den Hang hinunter und stürzt im Tiefschnee. Von diesem Tag an hat sie ein steifes Bein und macht ihren Vater dafür verantwortlich. Das Verhältnis zwischen den beiden ist äusserst angespannt. In der Schule ist Alice eine Aussenseiterin und macht auch keine Anstalten, sich zu integrieren. Sie findet sich selber hässlich und fett und beginnt daher zu hungern. Die Essprobleme verstärken sich noch, als Viola, die Anführerin der angesagtesten Mädchengang der Schule, sich plötzlich für Alice zu interessieren beginnt. In der Umkleidekabine kommt es dann zum traurigen Höhepunkt. Die Mädchen zwingen Alice ein Bonbon zu essen, an dem der Staub und Dreck der Garderobe klebt. Alice tut es, den Geschmack vergisst sie aber nie mehr. Von diesem Tag an ist Viola jedoch wie ein umgekehrter Handschuh und kümmert sich um Alice. Sie gehen gemeinsam shoppen und Viola will Alice auch helfen, endlich einen Jungen zu küssen. Alice spielt mit, aus Dankbarkeit, dass sich endlich jemand für sie interessiert. Gemeinsam wählen sie Mattia als Jungen aus, den Alice küssen soll.
Mattia Balossino ist ein äusserst intelligenter Junge. Seine Zwillingsschwester Michela hingegen, hatte seit ihrer Geburt enorme Probleme. Sie konnte die einfachsten Dinge nicht, konnte kaum sprechen und im Alter von fünf Jahren war sie nicht in der Lage ein Quadrat von einem Kreis zu unterscheiden. Mattia, der immer alles mit Michela machen musste, wurde so auch immer mehr zum Aussenseiter. In der Schule waren sie unbeliebt, weil Michela immer wieder peinliche Auftritte hinlegte. Als die beiden dann doch einmal zu einer Geburstagsparty eingeladen werden, entschliesst sich Mattia, Michela im Park alleine warten zu lassen. Nach der Party will er sie abholen, doch sie ist spurlos verschwunden. Niemand hat je wieder etwas von ihr gehört. Von diesem Tag an wird Mattia von den Schuldgefühlen geplagt und zieht sich zurück. Er hat keine Freunde und seine Lehrer befürchten, dass er sich das Leben nehmen könnte. Dies deshalb, weil er sich selbst zu verletzen beginnt. Einmal schneidet er sich gar in der Schule, vor den Augen aller, mit einem Skalpell quer über die Handfläche. Von diesem Tag an gilt er als Freak. Als ihn Viola und Alice zur Party einladen ist er völlig überrascht und will zuerst nicht gehen. Schliesslich willigt er aber doch ein.
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Rezension: In Sachen Joseph von Husch Josten


"In Sachen Joseph" ist der ersten Roman von Husch Josten, den ich mir zu Gemüte geführt habe. Nachdem ich zwischenzeitlich sogar überlegt habe, das Buch wegzulegen, belohnte mich die überraschende Wendung am Ende doch noch für mein Durchhaltevermögen.

Bibliothekarin Helen Nienhaus lebt seit Jahren allein. Nun aber muss sie sich um ihren Vater kümmern, da ihre Mutter im Krankenhaus liegt. Als sie nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder in ihrem alten Kinderzimmer schläft, träumt sie zwei Mal, dass ihr bester Freund Joseph stirbt. Sie ist überzeugt, dass dies kein Zufall sein kann, sondern ähnlich wie die Geschichte mit den sieben fetten und sieben dürren Kühen im Alten Ägypten eine Prophezeihung für ein bevorstehendes Ereignis ist. Sie will daher, dass Joseph sein Leben ordnet und einiges klärt. Doch dieser scheint ganz andere Pläne zu haben.

Charaktere, Orte und Schreibstil überzeugen
Der Schreibstil von Husch Josten, die auch als freischaffende Journalistin arbeitet, war für mich zu Beginn der Lektüre sehr gewöhnungsbedürftig. Josten schreibt in kurzen, teilweise fast schon abgehackt wirkenden Sätzen. Doch je länger ich las, desto mehr konnte ich mich für diese präzise Schreibweise begeistern. Auch die Orte und die Charaktere beschreibt sie sehr genau und lässt diese durch kleine Details zu etwas Besonderem werden. So ist beispielsweise die Idee, dass Helens Vater wildfremden Menschen, die in Zeitungen Todesanzeigen aufgeben, Kondolenzkarten schreibt, jedoch gleichzeitig kaum mit seiner Tochter zu kommunizieren weiss, sehr originell und ironisch. Auch sonst spielen Ironie, Sarkasmus und stellenweise auch Schwarzer Humor eine Rolle in Jostens Roman.
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Inhaltsangabe: In Sachen Joseph von Husch Josten


Inhalt
Helen Nienhaus ist Bibliothekarin und lebt alleine in einer schönen Wohnung. Da ihre Mutter wegen einer Operation an den Eierstöcken im Krankenhaus liegt, muss sie sich um ihren Vater kümmern. Zu ihm hat sie jedoch eher ein distanziertes Verhältnis, nennt sie ihn doch stets Herr Nienhaus. Wieder am Ort ihrer Kindheit trifft sie auf ihre ehemalige Schulkameradin Klio und deren Sohn Paco. Dieser ist ein selbstgefälliger und bekannter Fernsehkoch mit eigener Kochsendung, der versucht Helen zu beeindrucken und sie für sich zu gewinnen. Helen ist jedoch gar nicht angetan von diesem jungen Mann und trifft sich nur mit ihm, um ihm klar zu machen, dass sie nicht an ihm interessiert ist. Dennoch kann sie ein gewisses Interesse an Paco nicht leugnen, denn dieser hat enorme Ähnlichkeiten mit ihrem besten Freund Joseph, von dem sie plötzlich glaubt, er sei Pacos Vater. Joseph kennt sie seit ihren Kindertagen, als er ihr bei einem Unfall im Sandkasten geholfen hatte. Von diesem Moment an wusste Helen, dass sie immer mit Joseph verbunden sein würde.
Während sie ihren Vater pflegt träumt sie bereits zum zweiten Mal, dass Joseph stirbt. Er liegt in einem Sarg, schliesst den Deckel und stirbt. Da sie es zwei Mal träumt, hält sie den Traum für eine Prophezeihung, ähnlich derjenigen mit den sieben fetten und sieben mageren Kühen im Alten Ägypten. Sie geht daher zu einem Traumdeuter, der ihr helfen soll, den Traum richtig einzuordnen. Doch der Erfolg bleibt aus. Noch immer überzeugt, dass Joseph bald sterben wird, will sie erreichen, dass dieser sein chaotisches Leben in Ordnung bringt. Da Helen jedoch fest davon überzeugt ist, dass Josephs sie nur auslachen würde, wenn sie ihm die ganze Geschichte erzählte, entschliesst sie sich, selbst Hand an zu legen. Die Ignoranz von Joseph, der sich über Helen und ihre Sorgen lustig macht, lassen in Helen einen Entschluss heranreifen: Sie will, das Joseph aus ihrem Leben verschwindet.
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