Rezension: In Sachen Joseph von Husch Josten


"In Sachen Joseph" ist der ersten Roman von Husch Josten, den ich mir zu Gemüte geführt habe. Nachdem ich zwischenzeitlich sogar überlegt habe, das Buch wegzulegen, belohnte mich die überraschende Wendung am Ende doch noch für mein Durchhaltevermögen.

Bibliothekarin Helen Nienhaus lebt seit Jahren allein. Nun aber muss sie sich um ihren Vater kümmern, da ihre Mutter im Krankenhaus liegt. Als sie nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder in ihrem alten Kinderzimmer schläft, träumt sie zwei Mal, dass ihr bester Freund Joseph stirbt. Sie ist überzeugt, dass dies kein Zufall sein kann, sondern ähnlich wie die Geschichte mit den sieben fetten und sieben dürren Kühen im Alten Ägypten eine Prophezeihung für ein bevorstehendes Ereignis ist. Sie will daher, dass Joseph sein Leben ordnet und einiges klärt. Doch dieser scheint ganz andere Pläne zu haben.

Charaktere, Orte und Schreibstil überzeugen
Der Schreibstil von Husch Josten, die auch als freischaffende Journalistin arbeitet, war für mich zu Beginn der Lektüre sehr gewöhnungsbedürftig. Josten schreibt in kurzen, teilweise fast schon abgehackt wirkenden Sätzen. Doch je länger ich las, desto mehr konnte ich mich für diese präzise Schreibweise begeistern. Auch die Orte und die Charaktere beschreibt sie sehr genau und lässt diese durch kleine Details zu etwas Besonderem werden. So ist beispielsweise die Idee, dass Helens Vater wildfremden Menschen, die in Zeitungen Todesanzeigen aufgeben, Kondolenzkarten schreibt, jedoch gleichzeitig kaum mit seiner Tochter zu kommunizieren weiss, sehr originell und ironisch. Auch sonst spielen Ironie, Sarkasmus und stellenweise auch Schwarzer Humor eine Rolle in Jostens Roman.


Alles nur Einbildung
Trotz der Ironie, trotz der gelungenen Charaktere und trotz der guten Beschreibungen, vermochte mich die Story anfänglich nicht zu überzeugen. Zu wenig passierte und Helen schien sich einfach im Kreise zu drehen. Auch die Tatsache, dass Helen nur wegen zwei Träumen das Leben ihres besten Freundes auf den Kopf stellen will, scheint nicht einleuchtend. Gegen Ende kommt jedoch unverhofft neuer Schwung in die Geschichte und zwar genau in dem Moment, in dem der Leser realisiert, dass Joseph gar nicht existiert sondern nur ein Hirngespinst von Helen ist. Plötzlich ergibt einiges, das vorher unlogisch erschien, einen Sinn und man müsste eigentlich noch einmal von vorne zu lesen anfangen, um alles zu verstehen.

Es war doch eine Prophezeihung
Die Wende am Schluss ist das absolute Highlight und rettet die ansonsten eher schwache Story. Helen hat sich einen verständnisvollen und liebenden Freund herbei phantasiert, der sich Jahrzehnte lang um sie gekümmert hat. Dies deshalb, weil sie von ihren Eltern, die nur wegen ihr zusammen geblieben waren, vernachlässigt wurde. Auch die Nazi Vergangenheit ihre Grossvaters, mit der sich ihr Vater nie auseinander gesetzt hatte, spielt eine Rolle bei Josephs Entstehung.
Helens fixe Idee, dass die zwei Träume von Josephs Tod eine Vorausdeutung seien, hat sich am Ende zumindest teilweise bestätigt. Sie erkennt, dass sie nicht ewig so weiter machen kann, dass sie nicht weiter vor der Realität davon laufen und sich zu ihrem imaginären Freund flüchten kann. Sie fasst daher den Entschluss, dass Joseph aus ihrem Leben verschwinden soll. Ob es gelingt, erfährt man nicht, doch das Gespräch mit Marthas altem Freund, der ihr einen Job in seiner Kunstsammlung anbietet, scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Die Prophezeihung von Josephs Tod ist also doch wahr geworden.
(fba)

Bibliografische Angaben

Titel: In Sachen Joseph
Autor: Husch Josten
Seiten: 170
Erschienen: 2011
Verlag: Berlin University Press
ISBN-10:  3862800016
ISBN-13:978-3862800018
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