Rezension: Auf den Inseln des letzten Lichts von Rolf Lappert


„Auf den Inseln des letzten Lichts“ ist der neuste Roman des Schweizer Autoren Rolf Lappert. Ein Roman, der von Tobeys Suche nach seiner Schwester und von barbarischen Tierversuchen in den Philippinen erzählt, und dabei weder Fisch noch Vogel ist.

Der in ärmlichen Verhältnissen in Irland aufgewachsene Tobey verliess nach dem Tod des Mannes, den er sein Leben lang für seinen Vater hielt, die Familie und ging nach Dublin. Dort hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und machte mit seinen Freunden Musik. Nach einer langen Phase der Drogenabhängigkeit machte er sich auf den Weg, seine Halbschwester Megan zu suchen, von der er in den letzten Jahren nur aus Briefen erfahren hatte, dass sie sich auf den Philippinen aufhielt und mit Primaten arbeitete.

Kein Genre zu finden
Der Roman von Lappert kennt zwei Hauptthemen. Das ist zum Einen das Leben von Tobey und seine Suche nach Megan und zum Anderen ist er aber auch eine etwas laue Variante eines Kriminalromans, denn auf der Insel, auf der sich Megan befand, wurde nicht etwa die Kommunikation der Primaten erforscht, sondern es wurden Tierversuche im Auftrag von Pharmafirmen durchgeführt. Lappert verknüpft diese beiden an sich spannenden Ansätze zu einem Roman, der dann aber keine der beiden Geschichten wirklich konsequent zu Ende zu erzählen vermag, da sie sich immer gegenseitig im Weg stehen. Dabei wird der kriminalistische Teil etwas vernachlässigt und beim Erzählen der Familiengeschichte ausufernd jedes Detail beschrieben – die Mischung stimmt nicht.


Eine eigene Zivilisation
Was hingegen sehr gelungen ist, sind die Beschreibungen und der Aufbau der einzelnen Szenen. Man kann sich ein sehr genaues Bild davon machen, wo sich die Protagonisten bewegen und was sie alles erlebt haben, wobei letzteres ein wenig gar ausführlich abgehandelt wurde. Auch etwas unnötig war die lange Beschreibung der Erlebnisse von Megan auf der Insel, denn diese deckten sich in vielen Belangen mit denjenigen von Tobey, die bereits frührer geschildet wurden. Das Leben auf der Insel wird sehr interessant beschrieben. Es ist quasi eine eigene Welt, eine Welt fern jeglicher Zivilisation, eine Welt in der Arbeit, Zeit, Erfolg und Geld nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dieser Kontrast zur Realität ist eine interessante Nebenerscheinung im Roman.

Das letzte Licht
Etwas unkonventionell, aber deswegen nicht weniger gelungen finde ich den Schluss des Romans. Megan und Tobey sehen beide keine Möglichkeit ausser der Flucht von der Insel. Bei beiden bleibt jedoch das Ende offen, wobei stark anzunehmen ist, dass beide den Tod finden. Megan schwimmt ins offene Meer hinaus und Tobey treibt mit dem Bonobo Montgomery in einem defekten Motorboot auf dem offenen Meer. Beide sehen auf der Insel ihr letztes Licht.
Ein Roman mit vielen guten Ansätzen, der dann am Ende aber nicht vollends zu überzeugen vermag.
(fba)

Bibliografische Angaben:

Titel: Auf den Inseln des letzten Lichts
Autor: Rolf Lappert
Seiten: 541
Erschienen: 2010
Verlag: Hanser Verlag
ISBN-10: 3446235566
ISBN-13: 978-3446235564
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