Rezension: Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter

"Die dunkle Seite des Mondes" ist eines der besten, wenn nicht vielleicht sogar das beste Werk des Schweizer Erfolgsautoren Martin Suter. Ähnlich wie in "Small World" verknüpft er gekonnt eine Kriminalgeschichte, ein persönliches Schicksal, sowie gesellschaftskritische Aspekte in einem Werk - eine Meisterleistung. 

"Kein Problem", antwortete Urs Blank freundlich und stellte sich vor, wie er Dr. Fluri ohrfeigte, "dazu bin ich schliesslich da." Mit diesem Satz beginnt die Geschichte des Wirtschaftsanwalts Urs Blank und mit diesem Satz schafft es Suter, die Aufmerksamkeit des Lesers voll und ganz auf die Geschichte zu lenken. Dieser Satz ist es auch, der das Hauptproblem von Blank aufzeigt: Die Kontrolle der Wut.

Pilztrip als Auslöser
Sein Vater hatte seine Mutter geschlagen und so hatte er sich geschworen, er werde niemals Gewalt anwenden. Er hat gelernt seine Emotionen, die in seinem Innern stets vorhanden waren, zu kontrollieren. Als ihn nun Lucille, die junge Inderin vom Flohmarkt mit der er eine Affäre begann, zu einem Pilztrip überredet, bricht die Kontrolle zusammen. Blank lässt seiner aufgestauten Wut und Aggression freien Lauf.
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Inhaltsangabe: Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter

Inhalt
Urs Blank ist ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, der in einer führenden Position in einer angesehenen Zürcher Anwaltskanzlei arbeitet. Er lebt mit seiner langjährigen Freundin Evelyne Vogt in einer gemeinsamen Wohnung - alles scheint perfekt. Doch Blank ist nicht zufrieden: Er will sein bisher grösstes Mandat nicht annehmen, er stört sich an kleinen Dingen in der Firma und er versetzt seinen Freund Alfred Wenger wegen einem Date mit Lucille, einer Flohmarktverkäuferin. Er findet die exotische Lucille attraktiv und die beiden kommen sich näher. Nach einem gemeinsamen Mittagessen schlafen sie miteinander, worauf ihn Evelyne aus der Wohnung wirft. Daran stört sich Blank jedoch überhaupt nicht - im Gegenteil. Er geniesst das Leben mit Lucille in vollen Zügen und lässt sich von ihr unter Einfluss von THC sogar zu einem Pilztrip überreden. 
Lucille und Blank begeben sich auf ein "meditatives Wochenende", bei dem sie zusammen mit einigen anderen einen Pilztrip unternehmen. Blank fühlt sich ein wenig unwohl und nimmt daher nur sechs Pilze, darunter ein sehr kleiner. Während des Trips verändert sich Blank stark. Er hat das Gefühl er regiere die Welt und verwandelt in seiner Vorstellung seinen Freunden und Bekannten in Waldpflanzen. 
Nachdem Trip bleibt Blank für die anderen Teilnehmer unauffindbar.
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Rezension: Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann

Die Namen Carl Friedrich Gauss und Alexander von Humboldt dürften alle schon einmal gehört haben und die meisten werden auch ungefähr wissen, in welchen Gebieten diese beiden Koryphäen der deutschen Wissenschaft tätig waren. Daniel Kehlmann hat diese beiden realen Figuren als Hauptcharaktere für seinen Bestseller Roman "Die Vermessung der Welt" gewählt, jedoch die wahren Begebenheiten mit fiktiven Anekdoten ausgeschmückt - eine sehr vielversprechende Ausgangslage. 

Bei der Umsetzung haperte es dann aber ein wenig. Warum? Ein wichtiger Grund ist sicherlich der sehr gewöhnungsbedürftige Erzählstil von Daniel Kehlmann. Im gesamten Werk gibt es keine direkte Rede und daher werden alle Dialoge und Monologe entweder als Rede- und Gedankenbericht oder in der indirekten Rede wieder gegeben. Dies führt zu einer grossen Distanz zwischen dem Leser und den beiden Hauptdarstellern, die dadruch sehr unnahbar wirken. Auf der einen Seite wird so der Geniekult, der sicher ein Hauptgrund für den Grosserfolg des Buchs ist, gefördert, denn die beiden Hauptcharaktere werden so noch geheimnisvoller und unergründlicher. Auf der anderen Seite kann sich der Leser aber auch nicht richtig mit Gauss und Humboldt identifizieren, was ich sehr schade finde. 
Doch nicht nur der Erzählstil, sondern auch der Inhalt hat mich nicht vollends überzeugt. Es gibt sehr viele schöne und interessante Anekdoten aus dem Leben der beiden Genies, doch irgendwie kommt nichts Neues dabei heraus. Trotz den vielen Handlungen und Ereignissen, die im Werk beschrieben werden, durchlaufen Gauss und Humboldt keine grosse Entwicklung und ihr Charakter wird auch nicht merklich komplexer, was mit der Zeit eine gewisse Langeweile aufkommen lässt.
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Inhaltsangabe: Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann

Inhalt
1828 verläst der grosse deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauss zum ersten Mal seine Heimatstadt, um sich in Berlin mit Alexander von Humboldt, dem grossen deutschen Abenteurer, im Rahmen eine Naturforscher Kongresses zu treffen. Danach folgt ein Rückblende, die während vierzehn Kapiteln jeweils die Lebensgeschichte von Gauss und Humboldt abwechselnd wiedergibt. 

Humboldt: Alexander von Humboldt stammt aus einer sehr reichen Familie und verfügt daher über grosse Privilegien. So wird er während seiner Kindheit von bis zu fünfzehn verschiedenen Privatlehrern in den Fächern Physik, Chemie und Mathematik unterrichtet - 12 Stunden am Tag. Humboldt setzt sich jedoch bald das Ziel, die Welt zu erforschen und als er genügend Geld zusammen hat, beginnt er mit den Vorbereitungen. In Salzburg stattet er sich ein Jahr lang mit allen nötigen Materialien und Gerätschaften für seine grosse Expedition aus. Als er später in Paris ist, läuft ihm Aimé Bonpland, ein junger Franzose, über den Weg. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und Humboldt nimmt Bonpland als seinen Assistenten mit auf die grosse Reise. In Spanien erhalten sie nach einigen Problemen eine Reisebewilligung in die Tropen - nach Neuandalusien.
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Rezension: König Ödipus von Sophokles

"König Ödipus", beim Lesen dieses Buchtitels dürfte sich die grosse Mehrheit mit Grauen an die eigene Schulzeit erinnern, als sie sich im Deutschunterricht durch das Werk von Sophokles kämpfen mussten. Ein Klassiker, den man gelesen haben muss, hiess es damals.

Ich gebe zu, dass trotz meiner Freude am Lesen König Ödipus eine schwere Geburt war. Aufgrund der grossen kulturellen und geschichtlichen Differenzen zwischen dem Werk und der heutigen Zeit, hatte ich Mühe mit der zwar kunstvollen, aber auch stark konstruierten Erzählung von Sophokles. Dass das Ganze noch in einer für mich sehr ungewohnten Sprache verfasst wurde, machte es nicht gerade einfacher. Als ich mich dann jedoch genauer mit dem Werk auseinander gesetzt habe, verschob sich meine Meinung bezüglich des Werks doch noch ein wenig ins Positive.

Ein formales Meisterwerk
Vor allem vom formalen Gesichtspunkt aus betrachtet, ist König Ödipus ein Meisterwerk. Sophokles hat es geschafft, nahe zu alle Vorgaben, die da aristotelische Drama stellt, mustergültig um zu setzten. Der Aufbau in die fünf obligaten Akte entspricht der klassischen Spannungspyramide von Gustav Freytag.
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Inhaltsangabe: König Ödipus von Sophokles

Inhalt
1. Akt: König Ödipus besucht auf Wunsch seines Volkes die Stadt Theben, die von der Pest bedroht wird. Ödipus weiss jedoch nicht genau, wie er Theben vor der Pest retten soll und schickt daher seinen Schwager Kreon zum Orakel von Delphi. Dieser kommt zurück und meldet, mann müsse den Mörder des vormaligen Königs Laios, der von Räubern überfallen und umgebracht wurde, aus dem Lande verweisen und dann würde Theben von der Seuche verschont bleiben.  

2. Akt: Ödipus fordert den Schuldigen auf, sich zu stellen, denn dann würde er das Land unversehrt verlassen können. Solle er dies jedoch nicht tun, werde er zur Tat schreiten. Ödipus fühlt sich dieser Sache verpflichtet, denn er ist nun mit der Frau von Laios verheiratet und hat Kinder mit ihr. 
Da sich niemand meldet, lässt Ödipus den Seher Theiresias rufen und fragt ihn nach der Wahrheit. Dieser drückt sich jedoch geschickt vor einer Antwort, bis Ödipus ihn beschuldigt, zusammen mit Kreon den Mord an Laios geplant und ausgeführt zu haben. Theiresias, der nun seinerseits aufgebracht ist, erhebt schwere Anschuldigungen gegen den König. Dieser hätte seinen eigenen Vater umgebracht, lebe nun mit seiner Mutter zusammen und habe mit ihr Kinder gezeugt.
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Rezension: Schachnovelle von Stefan Zweig

Der österreichische Exilautor Stefan Zweig schrieb die "Schachnovelle" zwischen 1938 und 1941, als er sich in Brasilien im Exil befand. Auf gut 100 Seiten liefert er ein literarisch grundsolides Werk ab, das unter anderem einen kritischen Blick auf die Methoden der Gestapo wirft. 

Nicht nur im Titel kommt die "Novelle" vor, sondern auch vom formalen Gesichtspunkt aus betrachtet, macht die Schachnovelle ihrer literarischen Gattung alle Ehre, denn Zweig verarbeitet nahezu alle formalen und inhaltlichen Kriterien mustergültig. So ist beispielsweise die typische objektive Erzählhaltung, die in einer geschlossenen Form auf eine direkte Konfliktverarbeitung abzielt minutiös umgesetzt worden, genauso wie auch die Tatsache, dass in Novellen oft schicksalshafte Ereignisse behandelt werden. 

Typisches Werk der Exilliteratur
Doch die Schachnovelle gibt nicht nur vom formalen Standpunkt aus betrachtet einiges her, sondern auch inhaltlich ist Zweig's Erzählung durchaus unterhaltsam. Er verflechtet geschickt die Rahmenhandlung der Schiffsreise mit der Vergangenheit von Dr. B, welche der eigentliche Kern des Werks darstellt. Dabei werden, wie das typisch ist für die Autoren der Exilliteratur, die Nationalsozialisten und ihre Methoden kritisiert. In der Schachnovelle ist der zweite Weltkrieg zwar nicht das zentrale Thema, aber trotzdem ist eine unterschwellige, aber deswegen nicht minder starke Anklage an die Nazis zu erkennen. 

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Inhaltsangabe: Schachnovelle von Stefan Zweig

Inhalt
Rahmenhandlung 1.Teil: Auf einem Passagierdampfer von New York nach Buenos Aires befindet sich der Ich-Erzähler dieser Geschichte. Ebenfalls als Passagier auf diesem Schiff ist Schachweltmeister Mirko Czentovic. Czentovic stammt aus ärmlichen Verhältnissen und ist alles andere als intelligent. So kann er beispielsweise keinen einzigen Satz korrekt schreiben und dennoch hält er sich für den wichtigsten Mann der Welt und lebt seinen Materialismus in Form von plumpem Stolz aus. 
Der Ich-Erzähler spielt zusammen mit dem schottischen Selfmademillionär McConnor Schach. Als dieser erfährt, wer dieser Czentovic ist, will er ihn sofort zum Schachspielen herausfordern. Doch dies ist nicht ganz einfach, denn Czentovic erklärt sich erst bereit zu spielen, als McConnor ihm eine sehr hohe Summe anbietet. 
In der am nächsten Tag stattfindenden Partie gewinnt Czentovic gegen mehrere Gegner, darunter der Ich-Erzähler und McConnor. Czentovic lässt seine Gegner dabei spüren, dass es für ihn ein Leichtes ist, sie zu besiegen, wodurch sich McConnor provoziert fühlt und aggressiv wird. Er fordert Czentovic immer wieder zur Revanche heraus. In der dritten Partie sieht es dann plötzlich so aus, als ob sich den Herausforderern eine Chance bieten würde. Doch genau als sie diesen vermeintlich perfekten Zug ausführen wollen, taucht ein Mann auf, der sie daran hindert. Er erklärt ihnen minutiös was in der Folge passieren würde, wenn sie diese Zug ausführten und dass sie in dieser Partie bestenfalls noch ein Remis herausholen können.
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Rezension: Small World von Martin Suter

"Small world", ein weiteres Werk von Martin Suter das zeigt, warum er momentan zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum gehört. Suter schafft es auf gekonnte Art und Weise, eine Kriminalgeschichte mit der Leidensgeschichte von Konrad Lang zu verknüpfen. Diese Mischung garantiert Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. 

Sehr eindrucksvoll ist auch die Schilderung der Krankheit Alzheimer, an der Konrad leidet. Zuerst werden die ersten Anzeichen seiner Demenz ins Lächerliche gezogen und so findet er beispielsweise seine Socken im Backofen. Doch die danach folgende Entwicklung der Krankheit mit den unzähligen Arztbesuchen, der Betreuung und den immer stärker werden Schwankungen von Konrads Zustand im fortschreitenden Stadium des Alzheimers, wird von Suter so detailgetreu geschildert und beschrieben, dass man mit dem armen Konrad sehr gut mitfühlen kann. Vor allem auch deshalb, weil Suter immer wieder gekonnt zwischen den unterschiedlichen Perspektiven wechselt, so dass man einmal über die Wahrnehmung von Konrad und einmal über diejenige seiner Umwelt verfügt - ein sehr gelungener Griff in die erzähltechnische Trickkiste.

Clever gewählter Titel
An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass der Titel von Suter exzellent gewählt wurde. Einerseits gibt es das small world phenomenon welches vom US-Amerikanischen Psychologen Stanley Milgram 1967 entdeckt wurde und besagt, dass jeder Mensch mit einem anderen über eine sehr kurze Kette von Menschen verbunden ist - small world also.
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Inhaltsangabe: Small World von Martin Suter

Inhalt 
Konrad Lang, 63, ist Verwalter der Ferienvilla von Elvira Senn, einer reichen Schweizer Firmenbesitzerin, auf Korfu. Aufgrund seiner Altersdemenz und seines Alkoholproblems zündet er statt das Holz im Kamin das Holz neben dem Kamin an und so wird das gesamte Haus durch den Brand zerstört. 
Konrad, ein alter Freund der Familie Senn, wird von Elvira zurück in die Schweiz beordert und erhält von ihr eine Wohnung und Taschengeld. Konrad, der von nun an seine Zeit hauptsächlich in Bars und Restaurants verbringt, lernt dabei Rosemarie Haug kennen und lieben. Für Rosemarie hört Konrad auch mit dem übermässigen Alkoholkonsum auf und die beiden verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander. Doch die zunehmenden Probleme, die durch Konrads Altersdemenz verursacht werden, belasten die Beziehung. Er vergisst Namen, findet die gemeinsame Wohnung nicht mehr und am Ende kennt er nicht einmal mehr Rosemarie selber. Auf Anraten von Dr. Wirth, einem Freund von Rosemarie, wird Konrad in ein privates Pflegeheim eingewiesen. 
Während sich Konrad dort je länger je mehr von der Realität entfernt, erinnert er sich gleichzeitig an immer mehr Details aus der gemeinsamen Kindheit mit Thomas Koch, dem Sohn von Elvira Senn. Als Konrad, dem es im Pflegeheim überhaupt nicht gefällt, einen Selbstmordversuch begeht, beschliesst Simone Koch, die Ehefrau von Urs Koch, dem Sohn von Thomas, den alzheimerkranken Konrad in der Villa der Kochs zu pflegen.
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Rezension: Der Vorleser von Bernhard Schlink

"Der Vorleser" von Bernhard Schlink erzählt die Geschichte von der 36-jährigen KZ-Schergin Hanna Schmitz, die sich auf eine sexuelle Beziehung mit dem 15-jährigen Michael Berg einlässt. Hanna führt den Jungen in die Welt der Liebe ein, während dieser ihr als Gegenleistung vorliest. Dies ist die Ausgangslage zu einem der bekanntesten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur, welches 2008 unter dem Titel "The Reader" verfilmt wurde. 

Meiner Meinung nach hat es Berhard Schlink mit diesem Werk geschafft, das Thema des Nationalsozialismus in Deutschland und die dazugehörige Vergangenheitsbewältigung von einem völlig anderen Gesichtspunkt aus zu beleuchten. Die Idee, eine KZ-Schergin für den jungen Michael Berg als die begehrenswerteste Frau darzustellen, ist revolutionär. Dennoch zeigt dieses Werk etwas ganz deutlich: Die Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit dauert sehr lange, ist äusserst schmerzhaft und qualvoll.

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Inhaltsangabe: Der Vorleser von Bernhard Schlink

Inhalt
1. Teil: Michael Berg, ein 15-jähriger Schüler, muss sich auf seinem Weg nach Hause übergeben. Eine ihm unbekannte Frau, Hanna Schmitz, hilft ihm und bringt ihn danach nach Hause. Der Arzt diagnostiziert bei Michael die Gelbsucht und daher muss dieser ein halbes Jahr das Bett hüten. Nach überwundener Krankheit will Michael sich bei seiner Helferin mit einem Blumenstrauss bedanken. Diese nimmt ihn mit in ihre Wohnung, wo sie kurz miteinander sprechen. Hanna zieht sich in Anwesenheit von Michael um, da sie zur Arbeit muss. Dieser beobachtet sie dabei und ist fasziniert und gleichzeitig auch erregt von dem Anblick. Als Hanna ihn beim Spionieren erwischt, rennt er davon. 
In der Folge kann Michael Hanna jedoch nicht vergessen und er fragt sich, was ihm an dieser 36-jährigen Schaffnerin denn so gut gefällt. Eine Woche später besucht er sie wieder, unter dem Vorwand, er könne seine sexuellen Vorstellungen nur dann unter Kontrolle bekommen, wenn sie ihn abweisen würde. Hanna bittet ihn jedoch kurzer Hand, Kohle aus dem Keller zu holen, wobei sich Michael so ungeschickt anstellt, dass er von Kopf bis Fuss schwarz ist. Hanna lässt ihm ein Bad einlaufen. Als er aus der Wanne steigt, ist Hanna ebenfalls nackt und die beiden schlafen miteinander. 
Von diesem Tag an treffen sich die beiden jeden Tag. Hanna führt Michael in die Kunst der Liebe ein und als Gegenleistung liest Michael ihr aus seinen Büchern vor. Durch dieses Ritual lernen sich die beiden immer besser kennen, auch wenn Hanna nur sehr ungern über ihre Vergangenheit spricht. Für Michael ist es die schönste Zeit seines Lebens.
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Epochen: Postmoderne (ab 1989)

Geschichtlicher Hintergrund: Nachdem 1989 die Mauer gefallen war, Deutschland sich wieder vereinigt hatte und der Kalte Krieg zu Ende war, setzte in Europa ein Gefühl der Unsicherheit ein. Man wusste nicht recht, was jetzt passieren würde, denn nahezu alle bisherigen Ideologien und Weltanschauungen waren gescheitert. Dies führte dazu, dass die Anhänger der Postmoderne, die ihre Anfänge in der neuen Subjektivität hatten, einen klaren Schlussstrich unter alle bisherigen Werte setzten. Es gab keine prägende Kraft mehr und die Autoren hatten freie Hand, worüber sie schreiben wollten. Allerdings waren sie der Ansicht, dass alles, was sie schrieben, ein Zitat sei, da irgendjemand vor ihnen sicher schon darüber geschrieben habe. Dies ist ein weiteres Indiz für die Unsicherheit dieser Generation. Aus diesem Grund verlieren auch die grossen Werte wie die Liebe, die Familie oder auch der Respekt an Bedeutung


Themen der Epoche: Die Literatur nach 1989 weist fünf Hauptmerkmale auf:
1. Suche nach der eigenen Identität: Dabei werden die Ideen der neuen Subjektivität weitergeführt und die Autoren stellen sich nun fundamentale Fragen wie beispielsweise, wer bin ich, was mache ich, woher komme ich.
2. Erinnerung der 3. Generation: Dabei versucht man seine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und setzt sich dabei mit der Väter-Generation auseinander. 
3. Ironie und Vergnügen: Die grosse Mehrheit der Werke der Postmoderne wird verfasst, um den Leser zu unterhalten. Ironische und humoristische Werke sind daher häufig und gern gesehen innerhalb dieser Bewegung. 
4. Intertextualität: Ein weiteres sehr wichtiges Element der Postmoderne ist das Spiel mit tradierten Mustern, Mythen und Motiven. Die postmodernen Texte sind voll von Anspielungen auf andere Werke, auf traditionelle Erzählstile, bekannte Motive oder kulturelles und historisches Wissen. Oftmals werden diese Anspielungen absichtlich verwendet, dass der Leser diese bemerkt und sich darüber amüsieren kann. 
5. Mehrfachcodierung: Die Texte der Postmoderne sprechen ein sehr breites Leserpublikum an und dies nicht nur, weil sie leicht verständlich und unterhaltsam geschrieben sind. Die besondere Kunst besteht darin, die Themen in den Texten so zu behandeln, dass sie sowohl für den Laien als auch für den Experten interessant sind. 

Formale Besonderheiten: Aufgrund der Intertextualität wird sehr oft mit Verweisen, Verfremdungen und Zitaten gearbeitet in der postmodernen Literatur. Ein weiteres Merkmal ist, dass der Autor den Leser nicht auffordert, sich mit der Hauptperson zu identifizieren. Dies wird seitens des Schreibers oftmals durch die ironisch-distanzierte Haltung zum Erzählten erreicht. Ebenfalls wichtig ist das Spiel mit Symmetrie und Asymmetrie, sowie die Konstruktion von Gegensätzen

Repräsentative Werke und Autoren: Alle zeitgenössischen literarischen Werke. 
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Epochen: Literatur nach 45, BRD (1945 - 1989)

Geschichtlicher HintergrundNachdem zweiten Weltkrieg wurde Deutschland ja bekanntlicherweise in die BRD und in die DDR aufgeteilt. Aufgrund dieser Teilung gab es auch zwei unterschiedliche literarische Entwicklungen, hier folgt diejenige von Westdeutschland.
Die aus dem Exil zurück gekehrten Autoren hatten in der Bundesrepublik Deutschland erst einmal gar nichts zu melden. Ihr Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Kultur war nicht gefragt, denn die Bevölkerung der BRD war noch nicht, bereit die Vergangenheit zu verarbeiten. Direkt nach dem zweiten Weltkrieg war daher die Strömung der Trümmerliteratur sehr beliebt. Diese Bewegung verfasste Kurzgeschichten, die kurze Wirklichkeitsausschnitte zum Besten gaben und somit eine Bestandesaufnahme der in Trümmer liegenden Alltagswelt zeigten. Keiner der Autoren der Trümmerliteratur befasste sich jedoch mit der Suche nach Schuldigen oder versuchten gar Bilanz zu ziehen. 
Die Rückkehr zur Politisierung der Literatur kam erst 15 Jahre später. In den 60er Jahren wurden vermehrt Werke verfasst, die versuchten, die Shoah zu verarbeiten und Erklärungen zu finden für die Geschehnisse während des zweiten Weltkrieges. 
Nach den gescheiterten Studentenaufständen in den 70er Jahren setzte eine Welle der Ernüchterung ein, woraus sich in Westdeutschland eine neue literarische Tendenz heraus kristallisierte, die neue Subjektivität. Die Autoren dieser Bewegung zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie entweder biografische Werke oder Werke zum Thema der Selbstfindung veröffentlichten. Diese Bewegung war es dann auch, die erstmals den Begriff der Postmoderne, der heute noch aktuellen literarischen Bewegung, aufwarf. 


Themen der Epoche: Da die meisten Autoren der Trümmerliteratur selber Kriegsheimkehrer waren, fanden vor allem die Themen Krieg, Heimkehr und Trümmer Unterschlupf in den Werken dieser Bewegung. Die Autoren versuchten, die Wirklichkeit kritisch zu durchleuchten, und so auf die Kriegsfolgen hinzuweisen. Damit wollten sie sicherstellen, dass es keine Flucht in die Idylle gab. Aus diesem Grundgedanke heraus entstand eine Literatur, die damals nur sehr schwer verdaulich war. Dies deshalb, weil die Trümmerliteratur eine Tendenz zur Ästhetik des Hässlichen aufwies und darin Themen wie die Undankbarkeit, die Verzweiflung, die Sinnlosigkeit und der Mangel an alltäglichen Dingen thematisierte. 
Die Bewegung der neuen Subjektivität befasst sich hauptsächlich mit dem eigenen Ich. Dies führte zu vielen autobiografischen Texten oder zu Themen wie Selbstfindung oder persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Aber auch das Umweltbewusstsein oder die Frauenbewegung wurden zu prägenden Themen der Bewegung. 

Formale Besonderheiten: Vom formellen Aspekt her betrachtet, wies vor allem die Trümmerliteratur viele Merkmale auf. Sie war geprägt durch eine realistische und unverschönerte Darstellung und dies führte dazu, dass oft kurze und einfache Sätze verwendet wurden. Dieser nüchterne und lakonische Stil war auch der Grund, dass die Trümmerliteratur oftmals monoton wirkte, was auch an den vielen Wiederholungen lag, die typisch waren für die damalige Literatur. 
Bei der neuen Subjektivität war die gefühlsbetonte Sichtweise der Dinge zentral, sowie das verwenden der Alltagssprache

Repräsentative Werke und Autoren: "Ansichten eines Clowns" von Heinrich Böll, "Draussen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, "Die Todesfuge" von Paul Celan, "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch, "Die Blechtrommel" von Günter Grass
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Epochen: Literatur nach 45, DDR (1945 - 1989)

Geschichtlicher Hintergrund: Nachdem zweiten Weltkrieg wurde Deutschland ja bekanntlicherweise in die BRD und in die DDR aufgeteilt. Aufgrund dieser Teilung gab es auch zwei unterschiedliche literarische Entwicklungen, hier folgt diejenige von Ostdeutschland.
Die Zeit nach 45 in der DDR war natürlich vom kommunistischen Regierungssystem und der Bewältigung des Faschismus geprägt. Die Regierung gab ganz klare Vorgaben an die Schriftsteller und Autoren weiter und zensierten deren Werke äusserst streng. So wurde ab den 50er Jahren der sozialistische Realismus propagiert, der einerseits die Aufgabe hatte, die Realität zu widerspiegeln und andererseits ein positives Bild der Zukunft zu skizzieren. Innerhalb dieses sozialistischen Realismus gab es zwei weitere Strömungen. Zum Einen gab es in den 50er Jahren die Aufbauliteratur, die von der Regierung den Auftrag hatte, das positive Bild des Arbeitshelden aufrecht zu erhalten, damit die Bürger der DDR weiter fleissig beim Aufbau des sozialistischen Staates mithalfen. Zum Anderen gab es die Bewegung des Bitterfelder Weges zu Beginn der 60er Jahre. Dies war der Versuch der Regierung, die einfachen Arbeiter zum Schreiben zu bringen, der allerdings aufgrund des mangelnden Erfolgs schnell wieder begraben wurde. 
Nachdem der Bitterfelder Weg Mitte der 60er Jahre gescheitert war, prägte eine neue Strömung die Literatur in der DDR, die Ankunftsliteratur. Diese Literaturform war nun etwas kritischer, da sie auch die negativen Auswirkungen des Kommunismus aufzeigte, dennoch äusserte auch sie sich nie negativ über das System.

Die Tendenz kritischere Werke zu verfassen, wurde zu Beginn der 70er Jahre weiterverfolgt, als es aufgrund eines Machtwechsels etwas liberaler zu und her ging in der DDR. Doch schnell erkannte die neue Regierung, dass sie die Zensur wieder einführen musste. Dies führte dazu, dass einige bekannte Autoren, darunter auch Wolf Biermann, ausgebürgert wurden, was dann eine Massenauswanderung von mehr als 100 mehr oder weniger renommierten Schriftstellern der DDR zur Folge hatte. 

Themen der Epoche: Die Themen in der DDR-Literatur waren je nach Bewegung verschieden, dennoch folgten alle mehr oder weniger demselben Grundton. Es ging darum, ein positives Bild des Kommunismus und der Arbeiter des sozialistischen Systems zu skizzieren. Aus diesem Grund auch der Versuch, die Arbeiter selber zum Schreiben zu bringen. Je länger die Epoche dauerte, desto häufiger wurde die wahre Realität und damit auch das Elend der Menschen in der DDR thematisiert und die Literatur wurde nicht mehr nur zu Propagandazwecken und zum Aufbau des sozialistischen Systems gebraucht, wie dies noch zu Beginn der 50er Jahre der Fall war. 

Formale Besonderheiten: In der DDR-Literatur gab es einen wichtigen formalen Grundsatz: Die Literatur muss für jedermann verständlich sein. Aus diesem Grund wurde eine sehr einfach Sprache verwendet, so dass klar hervor ging, dass der Inhalt wichtiger war als die Form. Da die Form vernachlässigt wurde, gab es auch kaum weitere nennenswerte formale Auffälligkeiten.

Repräsentative Werke und Autoren: "Jakob der Lügner" von Jurek Becker, "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf, "Die Drahtharfe" von Wolf Biermann, "Der geteilte Himmel" von Christa Wolf, "Der fremde Freund" von Christoph Hein
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Epochen: Exilliteratur (1933 - 1945)

Geschichtlicher Hintergrund: Betrachtet man den Zeitraum der Epoche der Exilliteratur, dann weiss man sofort, unter welchen politischen Umständen die Literatur zu leiden hatte – unter dem Nationalsozialismus in Deutschland. Bereits kurze Zeit nach der Machtergreifung Hitlers 1933 waren die Medien und auch die Literatur fest in der Hand der Nazis. Diese duldeten keine eigenen Meinungen und schon gar keine Kritik und aus diesem Grund zensierten sie alles, was ihnen nicht entsprach. Sinnbildlich dafür steht die Bücherverbrennung des 10. Mai 1933.
Den Autoren jener Zeit blieben daher nur zwei Möglichkeiten: Anpassung oder Emigration. Die meisten entschieden sich für letzteres und so fand das literarische Schaffen während der Zeit des Nationalsozialismus hauptsächlich im Exil statt, daher auch die Epochenbezeichnung. Diejenigen, die in Deutschland blieben, bezeichnete man als Anhänger der inneren Emigration. Einige von ihnen beendeten ihre literarische Arbeit, andere schrieben nur noch über Themen, die nichts mit Politik zu tun hatten und wieder andere verschlüsselten ihre Botschaften so, dass sie an der Zensur vorbei gingen. Dies hatte allerdings den Hacken, dass es nicht nur an der Zensur sondern auch am Publikum vorbei ging.

Themen der Epoche:

Die Themen der Exilliteratur lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die einen Autoren hatten Heimweh und fühlten sich in ihrer neuen Heimat nicht zu Hause. Oftmals konnten sie auch nicht ihrer eigentlichen Arbeit als Schriftsteller nachgehen, da sie nur in Deutsch schreiben konnten, was im Ausland niemand verstand. Sie drückten also ihr Heimweh und ihre Liebe zum Mutterland in ihren Werken aus. Die anderen Schreiber waren der Meinung, dass man sich gegen Nazideutschland wehren sollte. Man wollte einerseits die Welt über die Grausamkeiten in Deutschland aufklären und schrieb daher historische Romane, die detailliert über das Leben unter den Nazis berichtete, und andererseits verfasste man Manifeste und Flugblätter, mit denen man den Widerstand unterstützen wollte.

Formale Besonderheiten: Die Exilliteratur weist keine speziellen formalen Merkmale auf, allerdings gab es einige neue Gattungen, die in dieser Epoche geboren wurden. Das epische Theater von Bertolt Brecht oder auch die historischen Romane waren neue literarische Textsorten, aber auch die Flugblätter und Radioreden wurden sehr wichtig, vor allem für die Widerstandsbewegungen. Oftmals wurden die Texte auch getarnt, so dass sie an der Zensur vorbei nach Deutschland gebracht werden konnten. Dies waren dann die sogenannten Tarnschriften.

Repräsentative Werke und Autoren: „Joseph und seine Brüder“ und „Doktor Faustus“ von Thomas Mann, „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers, „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ und „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht
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Epochen: Weimarer Republik (1919 - 1933)

Geschichtlicher Hintergrund: Wie bereits um die Jahrhundertwende herum waren in der Politik und in der Gesellschaft eine Vielzahl verschiedener Bewegungen auszumachen. Nachdem das Kaiserreich zusammen gebrochen war, gab es in Deutschland viele Gruppen, die Machtansprüche erhoben.
Dieser politische und gesellschaftliche Pluralismus schlug sich natürlich auch in der Literatur nieder. Allerdings nahm es zur Zeit der Weimarer Republik solch extreme Ausmasse an, dass man leicht den Überblick verlieren konnte. Tatsache ist jedoch, dass durch diesen starken Anstieg auch der literarische Markt und damit auch die Anzahl der Leser und Leserinnen immer grösser wurden. Zum Vereinfachen der Lage geht man in der Weimarer Republik oftmals von einer Polarität. Diese schlug sich nicht nur politisch nieder, sondern auch in der Literatur, denn dort gab es den Dadaismus und die Neue Sachlichkeit. Die Dadaisten machten es sich zur Aufgabe, den Expressionismus in einer noch extremeren Form weiter zu führen, während die Anhänger der Neuen Sachlichkeit sich stark vom Expressionismus distanzierten.


Themen der Epoche: Die Neue Sachlichkeit legten bei ihren Werken grossen Wert auf das objektive Darstellen. Sie schrieben sachlich, nüchtern, unsentimental und oberflächlich über die sozialkritischen Themen dieser Zeit. Dabei war vor allem die gesellschaftliche Veränderung wichtig und die Auswirkungen, die der Mensch deswegen zu tragen hatte (technische Veränderungen). Vor allem auch mit den zwischenmenschlichen Beziehungen und der Liebe wurde gespielt. Da die Sachlichkeit sich auch bei diesen beiden Themen durchsetzte, wurde die Liebe entzaubert und es entstanden Werke wie die „sachliche Romanze“ von Erich Kästner.
Der Dadaismus war das genaue Gegenteil der Neuen Sachlichkeit. In dadaistischen Werken machte man aus dem Kleinen Grosses und umgekehrt. Man richtete sich gegen die Politik und deren Machtspiele und versuchte mit abstrakten Sprachexperimenten eine humoristische Wirkung beim Leser zu erzeugen.

Formale Besonderheiten: Bei der Neuen Sachlichkeit war der Inhalt der Texte wichtiger als die Form, denn die Schreiber dieser Bewegung, wollten mit ihren Texten möglichst viele Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten ansprechen. Aus diesem Grund wurden die Texte in Alltagssprache verfasst und wurden oft im Stile einer dokumentarisch-exakten Reportage geschrieben. Dazu wurde häufig mit der Montagetechnik gearbeitet und so schaffte man es auch, bei den behandelten Themen eine grosse Objektivität an den Tag zu legen.
Wie bereits bei den Themen unterscheidet sich der Dadaismus auch formal sehr stark von der Neuen Sachlichkeit. Im Dadaismus spielte die Grammatik keine Rolle, es wurden Sprachexperimente durchgeführt und die rhetorischen Stilmittel Paradoxon und Neologismus spielten eine wichtige Rolle.

Repräsentative Werke und Autoren: „Fabian“ von Erich Kästner, „Kleiner Mann, was nun?“ von Hans Fallada, „Der Zauberberg“ von Thomas Mann (alle Neue Sachlichkeit), „Das war Dada“ von Peter Schifferli, „Dada total. Manifeste, Aktionen, Texte, Bilder“ von Karl Riha (alle Dadaismus)
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Epochen: Symbolismus (1890 - 1920)

Geschichtlicher Hintergrund: Um die Jahrhundert Wende gab es ind Deutschland eine Vielzahl verschiedener literarischer Bewegungen, die sich allesamt gegen den Naturalismus und seine minutiöse und detaillierte Darstellung des Elends und der Armut zu Wehr setzen wollten. Dazu gehörten der Jungedstil, der Fin de siècle, die Dekadenz und auch der Symbolismus. Stellvertretend für all diese Bewegungen, die sich vom Naturalismus abgewendet haben, wird hier der Symbolismus etwas genauer betrachtet. 
Die Anhänger des Symbolismus waren sich bewusst, dass sie einer dem Untergange geweihten Kultur angehören  und entschieden sich daher dazu, sich von der Realität abzuwenden. Diese Abwendung ist vergleichbar mit dernjenigen der Romantik von der Aufklärung. Der Unterschied bestand jedoch darin, dass sich die Romantiker die Welt schön poetisierten, während die Werke des Symbolismus von einer eher pessimistischen Grundstimmung geprägt waren. 


Themen der Epoche: Aus Trotz dass man einer Kultur angehörte, die dem Untergang geweiht war, wandte man sich dem Morbiden zu. In vielen literarischen Werken spielt auch die Weltuntergangsstimmung eine zentrale Rolle. Weitere wichtige Elemente waren das Geheimnissvolle, das Mystische, die Traumwelt, die künstliche Schönheit, die Exklusivität und die subjektiven Empfindungen und Wahrnehmungen. Wie es der Name schon sagt, war im Symbolismus die Symbolkraft der Dinge eines der Kernelemente. Dies führte dazu, dass die Betrachter der symbolistischen Kunst hinter dem Sichtbaren immer auch das Unsichtbare, die Symbolik erkennen mussten, wenn sie das Werk in ihrer Gesamtheit verstehen wollten. 

Formale Besonderheiten: Diese neue Bewegung hatte auch formale einige Besonderheiten auf Lager. Das Hauptziel der symbolistischen Schreiber war es, eine schöne Dichtung zu verfassen. Sie benutzten dazu viele rhetorische Figuren wie beispielsweise das Symbol, die Synästhesie oder auch die Onomatopoesie. Dies führte dazu, dass die Werke des Symbolismus oftmals sehr schwülstig daher kamen und so gewisse Ähnlichkeiten mit dem Barock aufwiesen. Auch die Tatsache, dass viel mit Gegensätzen und Kontrasten gearbeitet wurde, spricht für diese Parallelen. 

Repräsentative Werke und Autoren: "Reitergeschichten" und "Der Tor und der Tod" von Hugo von Hofmannsthal, "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und "Das Stunden - Buch" von Rainer Maria Rilke, "Algabal" von Stefan George
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Epochen: Expressionismus (1905 - 1925)

Geschichtlicher Hintergrund: Nach dem ersten Weltkrieg ging in Deutschland der Glaube an die Humanität und an das Gute des Menschen verloren. Hinzu kam noch die grosse Weltwirtschaftskrise und den Menschen wurde bewusst, dass sich die damals aktuellen Probleme erneut in einem gewaltsamen Konflikt entladen werden. Daher entschlossen sich die Expressionisten einen neuen Weg einzuschlagen, weg von der natürlichen Darstellung des Naturalismus, aber auch weg von der symbolisch überhöhten Wirklichkeit des Symbolismus.
Die Anhänger des Expressionismus wollten einen revolutionären Neuanfang wagen und einen radikalen Schlussstrich unter die bisher bekannten ästhetischen Darstellungsweisen ziehen. Die in Berlin beheimatete Bewegung war geprägt von ihre radikalen Ideen und dem kulturrevolutionären Protest. Innerhalb der expressionistischen Bewegung gab es verschiedene Gruppen, die Namen trugen wie „Blauer Reiter“ oder „Sturm“, sich jedoch in ihren künstlerischen Arbeit nur unwesentlich voneinander unterschieden.


Themen der Epoche:
 Die Themen des Expressionismus waren sehr vielfältig, doch alle hatten etwas gemeinsam: Sie waren etwas Neues und Experimentelles. Die Expressionisten schufen stark Ich-zentrierte Werke, in denen sie ihr Seelenleben nach aussen kehrten. Es war ein Ausdruck der inneren Wirklichkeit. Ein sehr wichtiges Element dabei war die Ästhetik des Hässlichen. Erstmals wurde nicht mehr darauf geschaut, dass die Werke so kunstvoll wie möglich verpackt werden, sondern es ging darum, die Gefühle auszudrücken, um die Reaktion der Menschen darauf zu sehen. Man wollte direkt und ohne Umwege zum Wesentlichen vordringen, was die Menschen der damaligen Zeit oft vor den Kopf stiess und schockierte. Dadurch wurde eine gewisse Aggressivität und Provokation auf die Betrachter übertragen, die passend war zur damaligen Zeit und auch der pessimistischen Grundhaltung der Expressionisten entsprach.  

Formale Besonderheiten: Dass die Menschen so schockiert auf die Werke des Expressionismus reagierten, lag teilweise auch an den formalen Besonderheiten, denn der Expressionismus legte eine völlig neue Formalität an den Tag. Diese manifestierte sich am stärksten durch die Zerhackung aller Formen. Oftmals gab es keine Rhythmen, keine Reime und auch keine grammatisch korrekten Satzstrukturen. Dafür wurde sehr oft mit Farbsymbolik, Neologismen und Kontrasten gearbeitet.
Häufig wurden auch die Elemente der Verzerrung und Verfremdung angewandt, damit man alles ausdrücken konnte, ohne dabei Rücksicht auf irgendwelche Schönheitsideale nehmen zu müssen.

Repräsentative Werke und Autoren: „Die Verwandlung“ und „Der Prozess“ von Frank Kafka, „Der ewige Tag“ und „Umbra vitae“ von Georg Heym, „Die Bürger von Calais“ von Georg Kaiser, „Die Wupper“ von Else Lasker-Schüler
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Epochen: Naturalismus (1880 - 1890)

Geschichtlicher Hintergrund: Deutschland entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Industriestaat, was für die Bevölkerung drastische Veränderungen zur Folge hatte. Die starken Wanderungsströme der Landbevölkerung in Richtung der grossen Städte führte dazu, dass zum ersten Mal in der Geschichte mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land wohnten. Da jedoch auch in der Wissenschaft und damit logischerweise auch in der Technik grosse Fortschritte erzielt wurden, hatte zur Konsequenz, dass der Mensch immer häufiger durch Maschinen ersetzt wurde. Es gab in den Städten also weniger Arbeitsplätze und mehr Arbeiter, was zwangsläufig zu grossen sozialen Schwierigkeiten führen musste. Es gab zu viele Arbeiter, zu wenig Wohnungen, eine grosse Armut, viele Krankheiten und daher ertränkten viele Menschen ihre Probleme im Alkohol
Aus diesem Elend entstand die Bewegung des Naturalismus in Deutschland - eine Bewegung, die dem französischen Realismus sehr ähnlich war. Die Anhänger dieser Bewegung versuchten durch ihre Werke das Publikum wachzurütteln, damit sie mit den gesellschaftlichen Zielen der Arbeiterschaft sympathisierten. 

Themen der Epoche: Das wichtigste Element des Naturalismus war das Milieu. Man zeigte Figuren, die von ihrer Umwelt geprägt werden, um so den Rezipienten einen Einblick in eine Welt zu liefern, die sie bisher noch nicht kannten. Dafür gingen die Künstler in die Elendsquartiere, Grossfabriken, Mietskasernen und Kneipen, damit sie möglichst detailgetreue und authentisch Beschreibungen verfassen konnten. 
So wurden die Armut, die Ausbeutung, die soziale Not und die gesellschaftlichen Gegensätze zu Hauptthemen der Epoche. Mit diesen Themen kreierten sie eine Bewegung, die eine Tendenz zum Hässlichen aufwies und damit die Zuschauer empörte und schockierte. 
Die Frauenbewegung, die im Vormärz ihren Anfang nahm, entwickelte sich weiter und verschaffte sich während der Epoche des Naturalismus verstärkt Gehör. 

Formale Besonderheiten: Im Naturalismus gab es einige formale Besonderheiten. Äusserst wichtig war der Sekundenstil. Dieser Ausdruck meint, dass es bei der Darstellung eines Menschen in seinem Milieu nichts Nebensächliches oder Unwichtiges gibt und daher alles, was auf diese Person einwirkt, festgehalten werden muss. Dies führte dazu, dass jede noch so kleine Regung, jedes Aufstöhnen und Seufzen vermerkt wurde, mit dem Ziel, jede Sekunde exakt wiederzugeben. Damit man alles so genau wie möglich reproduzieren konnte, wurde oft auch mit Dokumenten und Tatsachenberichten gearbeitet. 
In den Erzählungen war nicht mehr ein Individuum der Held, sondern es war das Kollektiv, das im Zentrum des Geschehens stand. 
Im sprachlichen Bereich gab es vor allem eine äusserst auffällige Neuerung: Der Gebrauch von Umgangssprache, Jargon und Dialekt war noch nie so weit verbreitet gewesen wie im Naturalismus. 

Repräsentative Werke und Autoren: "Der Seelenretter" und "Der Frauen Natur und Recht" von Hedwig Dohm, "Vor Sonnenaufgang", "Bahnwärter Thiel" und "Die Weber" von Gerhart Hauptmann, "Papa Hamlet" von Arno Holz
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Epochen: Realismus (1850 - 1895)

Geschichtlicher Hintergrund: Der Bewegung des Vormärz führte dazu, dass Staatskanzler Metternich zurück trat und die Zensur gelockert wurde. Dennoch erwies sich dieser Erfolg als Tropfen auf einen heissen Stein, denn die Forderungen nach Einheit und politischer Freiheit blieben nach wie vor unerfüllt. Aufgrund dieser Entwicklung wich der Optimismus und die Revolutionsbereitschaft der Gesellschaft einer nüchtern und sachlichen Betrachtung der Gegenwart. Dies wiederspiegelte sich dann auch in der Literatur, denn es begann die Bewegung des Realismus. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um die Abbildung der Wirklichkeit. Allerdings gab es dabei zwei grundlegend verschiedene Formen: Der französische Realismus und der bürgerliche Realismus. Der französische Realismus machte es sich zur Aufgabe, die Realität so minutiös und detailliert wie nur irgendwie möglich wieder zu geben. Im Gegensatz dazu steht der Bürgerliche Realismus, der zwar auch die Wirklichkeit darstellt, allerdings in Form einer künstlerischen Gastaltung der Stoffvorlage.

Themen der Epoche: Da der französische Realismus nur die Wirklichkeit wiederspiegelte, gab es weder eine grosse Themenvielfalt noch besondere formale Merkmale. Es wurden oft die sozialen Missstände, die immer noch vorherrschten, aufgezeigt.
Beim bürgerlichen Realismus gab es zwei starke Tendenzen bei der Themenwahl: Den Regionalismus und den Historismus. Die Autoren mieden die grossen gesellschaftlichen Themen und Probleme der damaligen Zeit und befasst sich derweil lieber mit ihrer Heimat und den dazugehörigen Landschaften und Menschen (Regionalismus) oder mit der Vergangenheit (Historismus). Im Zentrum der Geschichten steht immer das Individuum, das in einem Konflikt mit der Gesellschaft steht.

Formale Besonderheiten: Im bürgerlichen Realismus gab es einige besondere stilistische Merkmale. So wurde beispielsweise oft mit dem verklärenden Element gearbeitet. Dieses ist die künstlerische Freiheit der bürgerlichen Realisten, die damit die an sich unerträgliche Wirklichkeit etwas erträglicher machen wollten. Dazu verwendeten sie oftmals Ironie und Satire, aber auch der künstlich geschaffene Konflikt des Individuums mit der Gesellschaft und der Standeszugehörigkeit gehört zu diesem verklärenden Element.
Häufig verwendete literarische Gattungen waren der Roman, die Novelle und die Dramen. Vor allem die Novelle war typisch für den bürgerlichen Realismus, denn auch bei einer Novelle muss der Kern der Realität entsprechen und der Rest darf vom Dichter dazu erfunden werden, also wieder dieses verklärende Element, das so typisch ist für den bürgerlichen Realismus.

Repräsentative Werke und Autoren: "Das Amulett" von Conrad Ferdinand Meyer, "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm, "Der Stechlin" und "Effi Briest" von Theodor Fontane, "Max und Moritz" von Wilhelm Busch
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Epochen: Vormärz (1830 - 1848)

Geschichtlicher Hintergrund: Der historische Hintergrund ist absolut identisch mit demjenigen des Biedermeier, nur die Reaktion der Anhänger des Vormärz war eine grundlegend andere. In der Zeit nach dem Wiener Kongress (1815) und der damit verbundenen Restauration Europas wurden die Intellektuellen und Künstler verfolgt. Auch die Pressefreiheit wurde aufgehoben und daher war die Zeit des Vormärz stark von der Zensur geprägt. 
Im Gegensatz zu den Anhängern des Biedermeier, die sich davon nicht stören liessen und sich in ihre eigenen vier Wände zurückzogen, wollte die Bewegung des Vormärz daran etwas ändern. Aus diesem grund veränderte sich die Literatur grundlegend. Bis zum Vormärz war der Schriftsteller ein Dichter, der Kunst für ein ausgewähltes Publikum verfasste, doch nun begannen die Schriftsteller die Kunst und die Politik zu vermischen. Sie waren als Journalisten tätig und wandten sich mit ihren Texten an eine breite Öffentlichkeit. Diese Entwicklung nannte man die Emanzipation der Prosa


Themen der Epoche: Da im Vormärz die Kunst und die Politik vermischt wurden, war die Politik und die Unzufriedenheit über die sozialen Umstände von zentraler Bedeutung. Die Autoren riefen zur Rebellion auf und kritisierten den Adel und die Ständegesellschaft. Aus diesem Grund wurden viele Autoren des Vormärz mit einem Publikationsverbot bestraft, was diese jedoch nicht davon abhielt, weiter für ihre Ideen zu kämpfen. 
Da die Schriftsteller nun für eine breite Öffentlichkeit schrieben, mussten sie diese natürlich so direkt wie möglich ansprechen. Daher wurden oftmals Leute aus dem untersten Stand zum Helden gemacht und es wurde zur Einheit und zum gemeinsamen Kampf gegen die Obrigkeiten aufgerufen. Auch die Frauen begannen sich in dieser Epoche zu emanzipieren und für ihre Rechte zu kämpfen. 

Formale Besonderheiten: Da die Literatur nicht mehr nur Kunst war sondern auch Politik, veränderten sich auch die formalen Begebenheiten. Die Publizistik erlebte ihren bisherigen Höhepunkt und es wurde auch häufig mit Flugblättern gearbeitet. Die Sprache veränderte sich stark, denn um das einfache Volk anzusprechen, begann man in Dialekt zu schreiben. Damit konnten auch die sozialen Unterschiede zwischen den Armen und den Reichen formal aufgezeigt werden.
Das wohl repräsentativste Werk dieser Epoche ist "Woycek" von Georg Büchner. Dieses offene Drama zeigt die sozialen Missstände und die Unterschiede zwischen Arm und Reich inhaltlich wie formal äusserst treffend. 

Repräsentative Werke und Autoren: "Woycek" und "Dantons Tod" von Georg Büchner, "Buch der Lieder" und "Ein Wintermärchen" von Heinrich Heine, "Wally die Zweiflerin" von Karl Guzkow. 
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