Rezension: Der Teufel von Mailand von Martin Suter

"Der Teufel von Mailand", das Werk von Martin Suter, in welchem die Physiotherapeutin Sonia Frey versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen und dabei immer noch tiefer in den Sumpf hinein rutscht - ein weiteres gelungenes Werk des Schweizer Autoren, wenn auch nicht sein bestes.

Besonders beeindruckend ist auch in dieser Erzählung von Suter der Beginn. Wie er dabei Synästhesie an Synästhesie reiht, die Gefühle und Empfindungen vermischt und so das Wahrnehmungschaos von Sonia darstellt, ist packend. Man will unbedingt wissen, weshalb dies so ist und was als nächstes passiert. Doch genau da liegt der Hund begraben - bei der Story. Diese vermag in meinen Augen nicht vollends zu überzeugen, vor allem ist sie für eine Suter-Story ziemlich vorhersehbar und die obligate völlig überraschende Wende gelingt nur teilweise. Es dauert auch sehr lange, bis die Story wirklich in Schwung kommt und leider hat sie dann auch noch ein sehr abruptes Ende, als man erkennt, dass Manuel der Täter ist. Ich hätte irgendwie damit gerechnet, dass hinter diesen Ereignissen mehr steckt und vielleicht auch dieser Italiener in der Kutsche noch eine Rolle spielt, genau so wie die Dorfbewohner. Doch weder der Italiener noch die urchigen und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Einheimischen hatten eine tragende Funktion.

Der grosse Unbekannte
Interessant finde ich dafür den Charakter von Sonia. Die Krankheit Synästhesie war für mich vor der Lektüre des "Teufels von Mailand" unbekannt und es war spannend zu lesen, was für Auswirkungen und Folgen diese haben kann. In diesem Punkt vermochte Suter wieder vollends zu überzeugen, denn ich denke nicht, dass man die Verwirrung, die Angst, die Wahrnehmungsveränderungen hätte treffender zu Papier bringen können. Speziell war hingegen die Tatsache, dass der Hauptdrahtzieher Frédéric in der Handlung erst ganz am Ende auftrat. Vorher wurde immer nur von ihm gesprochen und so konnte man sich bis am Ende kaum ein Bild von ihm machen, bis man erkannte, dass er noch immer von der Rache an Sonia besessen war. Ich hätte es interessant gefunden, mehr über Frédéric, seine Leiden und seine Gedanken zu erfahren als über die Sage des Teufels, Casutt und Reto Bazell.

Rhetorische Figuren zur Unterstützung
Vom formalen Standpunkt betrachtet, springen einem vor allem die Synästhesien und die Oxymorone entgegen, die Suter sehr häufig verwendet. Diese unterstützen sehr schön die Beschreibung der Empfindungen von Sonia und lassen so den Leser besser an ihrer Verwirrung teilhaben. Auch eine sehr interessante Idee finde ich die SMS Konversation zwischen Malu und Sonia, die im Verlauf der Geschichte immer wieder eingestreut wird und für einige Schmunzler zu sorgen vermag. 

Alles in allem ein vom formellen Standpunkt aus sehr gelungenes Werk, bei welchem die Story jedoch nicht auf Augenhöhe ist und so den Leser nicht recht zu packen vermag - schade. 
(fba)

Bibliografische Angaben:

Titel: Der Teufel von Mailand
Autor: Martin Suter
Seiten: 304
Erschienen: 2006
Verlag: Diogenes
ISBN-10: 3257236530
ISBN-13: 978-3257236538
Bewertung: 



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