Rezension: Die Gerechten von Albert Camus

Das Theaterstück "Die Gerechten" von Albert Camus, welches 1949 zum ersten Mal aufgeführt wurde, basiert auf einer wahren Begebenheit und hat heute einen grösseren Bezug zur Aktualität den je. 

Dass die Welt nicht gerecht ist, darin dürften sich wohl alle einig sein, doch ist Terror die richtige Lösung? Darf man einen Menschen umbringen, nur damit es anderen vielleicht besser geht? Kann Terror gerecht sein?

Standpunkte der Gruppenmitglieder
Genau um diese sehr heiklen Fragen geht es im Stück von Camus. Eine Gruppe von Russischen Terroristen, will den Herzog umbringen. Das erste Attentat misslingt jedoch, da die Neffen des Herzogs ebenfalls dabei waren und sich Yanek weigerte, die Kinder auch zu töten. Daraufhin entbrannte innerhalb der Gruppe der Hauptkonflikt dieses Werks. Wie weit darf der Terror gehen? Darf man Kinder umbringen zum Wohle der anderen? Nach einer der vielen und langen Diskussionen über die Gerechtigkeit und den Sinn der Revolution, die in diesem Werk Platz finden, entschliesst sich die Gruppe, die Kinder auch beim zweiten Attentat nicht zu töten - doch sie waren nicht dabei und so wurde der Herzog dennoch umgebracht.
Es ist sehr spannend zu lesen, was die Beweggründe und Argumente der einzelnen Gruppenmitglieder während den vielen Diskussionen waren. Als Beispiel kann man Stepan nehmen, der in Gefangenschaft war und hat nun die radikalsten und drastischsten Massnahmen der gesamten Gruppe vorsieht. Von ihm aus hätten die Kinder sofort umgebracht werden müssen, da dadurch das Leben von vielen anderen Kindern gerettet worden wäre. Dennoch würde er sich nie für die Organisation opfern und zum Märtyrer werden.


Die Frage nach der Gerechtigkeit
Dies wiederum ist kein Problem für Yanek. Obwohl er Dora liebt, will er sich für die Organisation und die Idee der Revolution opfern - trotzdem ist er nicht bereit dafür Kinder zu töten. Wie man an diesen beiden kurz ausgeführten Beispielen erkennen kann, ist das Werk von Camus sehr komplex und bietet eine gute Grundlage für philosophische Interpretationen zum Thema Gerechtigkeit. Darüber unterhalten sich "die Gerechten" auch sehr oft und sehr ausführlich, allerdings hat man beim Lesen das Gefühl, dass sie sich im Kreis drehen und zu keiner Lösung kommen. Dies führt dazu, dass die Spannung der an sich sehr interessanten Geschichte mit der Zeit etwas verloren geht. 

Die Versuchungen von Yanek
Was dann aber von Camus wieder sehr gut gelöst wurde, ist die Beschreibung von Yaneks Gefängnisaufenthalt. Nach dem gelungenen Attentat versuchen der Polizeichef und die Witwe des von Yanek ermordeten Herzogs, Yanek zu bekehren. Der Polizeichef versucht es damit, dass er ihm die Freiheit verspricht, wenn er die Tat gesteht und die Herzogin versucht ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, in dem sie ihm erzählt, ihr Mann wäre ein guter Mensch gewesen, ganz im Gegensatz zu ihrer Nichte. Doch beide scheitern mit ihren Versuchen und Yanek bleibt bei seiner Überzeugung und verrät weder die Gruppe noch ist er bereit, seine Idee und den Glauben an die Revolution aufzugeben. 
Durch diesen vierten Akt gelingt es Camus glaubwürdig zu schildern, wie verbissen und wie entschlossen die Revolutionäre und Terroristen hinter ihrer Überzeugung stehen. Sie gehen sogar so weit, dass ihnen ihr Leben weniger wert ist als die Idee, für die sie kämpfen. 

Vereint nach dem Tod
Am Ende des Werkes kommt es trotz der Erhängung von Yanek zu einer Art Happy End. Dora, die Geliebte von Yanek, hat sich entschlossen, die nächste Bombe zu werfen und damit Yanek in den Tod zu folgen, damit sie nach dem Tod wieder vereint waren - ganz nach dem Vorbild von Romeo und Julia. 

Das Werk "Die Gerechten" von Albert Camus bietet eine interessante Diskussionsgrundlage zum Thema Gerechtigkeit und Terrorismus. Dennoch, die Argumente und Ansichten wiederholen sich im Laufe des Werkes zu oft und einen wirklich neuen Lösungsansatz zur Problematik hat Camus auch nicht zu bieten. 
(fba)


Bibliografische Angaben:

Titel: Die Gerechten (franz. Les Justes)
Autor: Albert Camus
Seiten: 71
Erschienen: 1949
Verlag: Klett
ISBN-10: 3125962005
ISBN-13: 978-3125962002
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